Stichtag

21. Juni 1953 - Geburt der pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto

Wer war Benazir Bhutto wirklich? War sie die Lichtgestalt Pakistans, die das zerrissene Land hätte befrieden und in eine zivile, bürgerliche Zukunft führen können? Oder war die charismatische Volkstribunin eine korrupte, machtgierige Marionette der USA, als die sie ihre Gegner verurteilen und hassen? Viele Hintergründe ihrer politischen Karriere sind bis heute ungeklärt.

Als "Evita Peron Pakistans, mit dem IQ einer Hillary Clinton und dem eisernen Willen einer Maggie Thatcher", charakterisiert "Der Spiegel" die Frau, die zum ersten weiblichen Regierungschef eines islamischen Staats gewählt wird. Im Westen gilt Benazir Bhutto als einzige Garantin für eine stabile Demokratie im Atomstaat Pakistan, als Verbündete im Kampf gegen Taliban und Terrorismus.

"Tochter der Vorsehung"

Sechs Jahre nach der Gründung Pakistans kommt Benazir Bhutto am 21. Juni 1953 in Karatschi zur Welt. Sie entstammt einem aristokratischen Großgrundbesitzer-Clan; schon in britischer Kolonialzeit besetzten ihre Vorfahren wichtige politische Ämter. Ihr westlich gebildeter Vater Zulfikar Ali Bhutto erzieht Benazir entgegen islamischer Tradition zu politischem Denken, lehrt sie Englisch und schickt sie zum Studium nach Amerika und England. 1967 gründet Ali Bhutto die linke Pakistanische Volkspartei (PPP) und Benazir begleitet ihren Vater bei seinem Aufstieg zur Macht. Sie sieht sich als seine politische Erbin, als "Tochter der Vorsehung", so der Titel ihrer Autobiografie.

1971 wird Ali Bhutto zum Staatspräsidenten und zwei Jahre später zum Premierminister gewählt. Korruptionsvorwürfe können seinem Ansehen im Westen nicht schaden. Benazir ist 25, als General Zia ul-Hac ihren Vater 1977 mit einem Putsch stürzt; 1979 wird er hingerichtet. Benazir tritt sofort sein Erbe an und organisiert nach fünf Jahren Haft und Hausarrest von London aus die Opposition gegen das Militärregime. 1988 kommt Zia ul-Hac bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben. Endlich ist der Weg frei für Wahlen. Die PPP gewinnt und die schöne, kämpferische Benazir Bhutto leistet in einem grünen Gewand mit weißem Schleier den Amtseid als Premierministerin.

Verheiratet mit "Mr. 10 Prozent"

Das Militär setzt ihrer Politik enge Grenzen. Den größten Erfolg verbucht Bhutto mit der Annäherung an den Erbfeind Indien. Bereits 1990 setzen die allmächtigen Generäle sie wegen angeblicher Korruption wieder ab. Unklar ist, ob Benazir Bhutto selbst bestechlich war. Ihr Ehemann, der Unternehmer (und spätere Staatspräsident) Asif Ali Zardari, ist als "Mr. 10 Prozent" gefürchtet. Er soll Millionen Dollar Staatsgelder auf seine Konten umgeleitet haben. Dennoch gewinnt Benazir Bhutto 1993 erneut die Wahl – und wieder setzt das Militär ihrer Regierung drei Jahre später ein Ende. Während Asif Ali Zardari ins Gefängnis muss, geht die wegen Korruption verurteilte Benazir Bhutto 1998 ins Exil nach Dubai.

Mit Pervez Musharraf reißt der nächste Militär die Macht an sich. Dessen USA-freundliche Herrschaft und das Vordringen der radikal-islamischen Taliban verwandeln Pakistan in ein Pulverfass. Unter Druck schließt Musharraf 2007 ein Abkommen mit der PPP-Opposition: Bhutto soll erneut Premier und Musharraf ziviler Staatspräsident werden. Trotz zahlreicher Morddrohungen kehrt Bhutto im Oktober 2007 nach Pakistan zurück. Am Tag ihrer Ankunft entgeht sie einem Anschlag, bei dem 140 Menschen umkommen. Drei Monate später, am 27. Dezember, fällt Benazir Bhutto in Rawalpindi nach einer Wahlrede einem Attentat zum Opfer. Ob sie durch gezielte Schüsse oder eine Bombe stirbt, bleibt ebenso im Dunklen wie die Hintermänner des Mordes. 

Stand: 21.06.2013

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