Stichtag

5. März 1953 - Josef Stalin stirbt bei Moskau

Im Alter wird Josef Stalin immer paranoider. Der Vorsitzende des Ministerrates der Sowjetunion und Generalsekretär der Kommunistischen Partei sieht überall Feinde. "In den letzten Monaten seines Lebens hat er nicht einmal seinen Ärzten getraut", erinnert sich Pjotr Lasgatschow, ehemaliger stellvertretender Kommandant der Wachmannschaft Stalins. "Ein Offizier musste Medikamente in einer Dorfapotheke kaufen, wo niemand ahnen konnte, für wen sie bestimmt waren."

Die Folge: Als Stalin in der Nacht zum 1. März 1953 auf seiner Datscha in Kunzewo bei Moskau einen Schlaganfall hat, ist kein Arzt in der Nähe. Erst zwölf Stunden später wird Geheimdienstchef Lawrenti Berija informiert. "Berija sagte zu dem Leibwächter: 'Mach keine Panik! Du siehst doch - Stalin schläft. Störe ihn nicht!'", sagt Historiker Edward Radsinski. Es vergehen weitere 24 Stunden, bis Ärzte gerufen werden. Sie diagnostizieren Hirnblutungen. Aus Angst einen Fehler zu machen, traut sich jedoch keiner, Medikamente zu verabreichen. Am 5. März 1953 verschlechtert sich der Zustand Stalins rapide, um 21.50 Uhr stirbt er. Die Todesnachricht löst bei den Sowjetbürgern Verzweiflung und Entsetzen aus. Als der verehrte "Woschd" ("Führer") beerdigt wird, gibt es wegen des großen Andrangs Tote. Sie sind erdrückt oder niedergetrampelt worden.

Folter, Deportation, Hinrichtungen

Zu Lebzeiten ist die Begeisterung für den Kriegshelden Stalin, der durch die Propaganda zu einem Halbgott stilisiert wird, gleichzeitig mit Angst gepaart. Der Politiker steht für Massenterror, Straflager und Zwangskollektivierung. Millionen Menschen werden willkürlich verhaftet, gefoltert, nach Sibirien deportiert und hingerichtet. Geboren wird Stalin, "der Stählerne", am 18. Dezember 1878 unter dem Namen Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili im georgischen Gori. Als Kind eines Schuhmachers und einer Waschfrau lernt er erst mit elf Jahren Russisch. Sein Vater prügelt ihn fast täglich.

Kurze Zeit ist er Schüler eines Priesterseminars, tritt als junger Mann revolutionären Zirkeln bei und arbeitet unter dem Decknamen Kobra. Mit Lenin verbindet ihn eine enge Freundschaft. Am Ende seines Lebens distanziert sich Lenin allerdings von Stalin und warnt kurz vor seinem Tod die Genossen vor der Brutalität des Georgiers - vergeblich. 1922 übernimmt Stalin das Amt des Generalsekretärs. Sieben Jahre später hat er jegliche Opposition beseitigt - dazu gehören auch ehemalige Kampfgefährten und einfache Parteigenossen. Die Partei ist Stalins Machtinstrument. Mithilfe des Geheimdienstes bestimmt und kontrolliert sie alles.

Sieg über Hitler-Deutschland

Aus dem rückständigen Agrarland wird unter Stalin eine Industrienation mit jährlichen Wachstumsraten um die zehn Prozent. Die Staatsmacht wird straff organisiert, die verbreitete Korruption verschwindet weitgehend. Von Moskau aus beherrscht Stalin den Kaukasus, die Ukraine sowie die zentralasiatischen Republiken wie Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan. Nach dem Sieg über Hitler-Deutschland 1945 annektiert Stalin auch die Baltischen Staaten. Die UdSSR wird zum größten Flächenstaat der Welt und zu einer politischen, wirtschaftlichen und militärischen Großmacht.

Stalins Macht wirkt auch über seinen Tod hinaus. Erst 1956 distanziert sich der neue KPdSU-Generalsekretär Nikita Chruschtschow auf dem 20. Parteitag in einer Geheimrede ansatzweise von den Verbrechen und Grausamkeiten der Stalinzeit. Die sogenannte Tauwetterperiode beginnt. Es dauert jedoch noch einmal fünf Jahre, bis 1961 der Leichnam Stalins aus dem Mausoleum, wo er im gläsernen Sarg neben Lenin aufgebahrt war, entfernt und an der Kreml-Mauer beigesetzt wird.

Stand: 03.03.2013

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