Stichtag

29. Juni 1932 - Gründung der Auto Union AG

In der Weltwirtschaftkrise Ende der 1920er Jahre fahren deutsche Autohersteller nur dank des Exports noch Gewinne ein. Doch die ungebremste Inflation treibt immer mehr Werke in die roten Zahlen, darunter auch die sächsischen Firmen Horch, Audi, DKW und Wanderer. Um der Pleite zu entgehen, fusionieren sie 1932 zur Auto Union AG. Zwei der Ursprungswerke verdanken ihre Gründung dem einfallsreichen Ingenieur August Horch.

1899 verlässt Horch den Autopionier Carl Benz, baut in Köln eine eigene Firma auf und konstruiert das erste deutsche Vierzylinder-Auto. Als dem innovationsfreudigen Techniker das Geld ausgeht, gründet er 1904 mit neuen Finanziers in Zwickau die "A. Horch & Cie Motorwagenwerke". Fünf Jahre später drängen ihn die Anteilseigner aus dem Unternehmen. Ganz in der Nähe gründet Horch darauf seine dritte Firma; nur den eigenen Namen darf er nicht mehr nutzen. Ein zehnjähriger Gymnasiast aus einer befreundeten Familie hat die Idee, "Horch" ins Lateinische zu übersetzten. So wird die Marke "Audi" geboren.

DKW übernimmt Horchs Audi

Während August Horchs qualitativ hochwertige Audis erste Rennerfolge einfahren, errichtet ein Däne im benachbarten Zschopau ein Werk für Dampfmaschinen. Wie Horch ein begnadeter Tüftler, steigt auch Jörgen Skafte Rasmussen in den Autobau ein und lässt für seine Dampfkraftwagen die Abkürzung "DKW" schützen. Den typisch knatternden Klang des DKW-Zweitaktmotors wird man noch bis in die 50er Jahre hören. Zusammen mit Richard Bruhn und dem Ingenieur Carl Hahn, dem Vater des späteren VW-Chefs, baut Rasmussen nach dem Ersten Weltkrieg eine Motorradfabrik auf, die DKW zeitweise zum größten Kraftrad-Produzenten der Welt macht.

Vierter im Bund der sächsischen Autofabriken ist die 1887 in Chemnitz gegründete Firma Wanderer. Anfangs ein Hersteller von Fahrrädern, Schreibmaschinen und Motorrädern, war auch Wanderer 1913 in den boomenden Autobau eingestiegen. Doch die fortschreitende Industrialisierung führt in den 20er Jahren zu einem tiefgreifenden Strukturwandel der Branche. Bis 1928 sinkt die Zahl deutscher Hersteller von 200 auf nur noch 19 Fabriken. Auch Horchs Audi-Werk wird von DKW übernommen. Unter dem Druck der Wirtschaftskrise schmiedet die Sächsische Staatsbank als Hauptfinanzier den Plan zur Rettung der verbliebenen heimischen Autoindustrie.

Neugründung in Ingolstadt

Wirtschaftlich zur neuen Auto Union AG vereint, als Marken aber weiterhin eigenständig, starten DKW, Horch, Audi und Wanderer am 29. Juni 1932 in eine gemeinsame Zukunft. Das Logo der vier ineinander greifenden Ringe wird zum Symbol des Zusammenschlusses. Unter Leitung der DKW-Chefs Bruhn und Hahn sowie mit August Horch im Aufsichtsrat entwickelt sich der nach Opel nun zweitgrößte deutsche Autokonzern zum hochprofitablen Unternehmen. Während Renn-Siege in Serie das Image der vier Ringe fördern, rüstet das Deutsche Reich auf und Auto Union profitiert von lukrativen Aufträgen der Wehrmacht.

Mit der Teilung Deutschlands nach dem Krieg endet die glanzvolle Ära der Auto Union AG; der Konzern wird aus dem Handelsregister gelöscht. Aus den Ruinen der ostdeutschen Stammwerke entstehen später die Trabant-Fabriken VEB Zwickau und VEB Sachsenring sowie das MZ-Motorradwerk in Zschopau. Bruhn und Hahn gründen 1948 in Ingolstadt die neue Auto Union GmbH, deren Fahrzeuge unter der Marke DKW auf den Markt kommen. 1958 übernimmt Daimler-Benz das Unternehmen und verkauft es 1965 an den VW-Konzern. Nach der Umbenennung der Ingolstädter Tochter zur Audi AG 1985 gehört der Traditionsname Auto Union endgültig der Vergangenheit an.  

Stand: 29.06.2012

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