Stichtag

21. März 1922 - Der Filmregisseur Russ Meyer wird geboren

Kino heißt laut François Truffaut, schöne Frauen schöne Dinge tun lassen. Russ Meyer muss das so ähnlich gesehen haben: Filme waren für ihn der Anlass, enorme Oberweiten zu zeigen. "Ich liebe Frauen mit großen Brüsten und Wespentaillen – und mit tiefen Dekolletees", sagt er der London Times 1999. Sein Lebensmotto Nummer eins lautet: "Nichts ist zu peinlich!" Und Nummer zwei: "Zur Hölle mit der Kunst, runter mit den Blusen!" Bei einem Cineastengespräch 1981 in Deutschland erklärt er wie seine Filme funktionieren: "Meine Filme werden häufig auf Partys gezeigt. Wenn einer in die Küche geht und Bier geholt hat, muss er beim Reinkommen wieder ein paar Leute beim Bumsen sehen."

Trotz solcher Sprüche gilt Meyer sogar als erster feministischer Regisseur der USA. Seine Hauptdarstellerinnen, wie Tura Satana oder Lorna Maitland, spielen starke Amazonen, die schnelle Autos fahren und den Männern, oft Dorftrotteln und Muskelprotzen, die Hölle und die Hose heiß machen. Go-Go-Tänzerin Varla, Protagonistin in  "Die Satansweiber von Tittfield", kann am Ende nur von einer rasenden Lokomotive getötet werden.

Paketbote mit Röntgenblick

Russell Albion Meyer, geboren am 21. März 1922 in Oakland, Kalifornien, dreht seinen ersten Film erst 1959: "Der unmoralische  Mr. Teas". Im Zweiten Weltkrieg landet er als Kriegsberichterstater in der Normandie. Obwohl er exzellente Referenzen vorweisen kann - von ihm gedrehtes Material ist im Kriegsfilm "Patton" von 1970 zu sehen - bekommt der Außenseiter keine Stelle als Kameramann in Hollywood. Er dreht zunächst Dokumentarfilme über Eisenbahnen, Öl-Firmen und Fabriken und schafft endlich den Sprung zu den geliebten Frauen: Er fotografiert die berühmten Center-Folds im Playboy – unter anderen seine erste Ehefrau Eve. Sein "Mr. Teas" von 1959 handelt von einem Paketboten, der einen Röntgenblick entwickelt und den schönen Frauen durch die Wäsche blickt. Meyer dreht ihn an vier Tagen mit einem Freund in der Hauptrolle. Der Film, für dessen Drehbuch, Produktion, Kamera, Schnitt, Regie und Werbung Meyer allein zuständig ist, kostet 24.000 Dollar und spielt über eine Million Dollar ein. Erfolgreich ist der Film, weil er zum ersten Mal Sex und Filmhandlung miteinander verbunden werden.

"Ich war glücklich, es zu tun"

23 Spielfilme hat Meyer gedreht, oft mit kleinem Budget und großem Erfolg an der Kinokasse. "Ich arbeite für Lust und Profit", sagte er mehrmals. Dass seine Filme sorgfältig choreografiert sind mit viel Witz und Ironie, glaubt man den lächerlichen deutschen Filmtiteln kaum: "Lorna – Zuviel für einen Mann", "Motor Psycho – wie wilde Hengste". Sein vielleicht bester Film, "Die Satansweiber von Tittfield", trägt im Englischen den eleganten Titel "Faster, Pussycat! Kill! Kill!". Mehrere seiner Filme lagern heute im Archiv des New Yorker Museum of Modern Art und sind an Filmhochschulen Pflicht.

"Am Set hat er Sex verboten", erinnert sich der amerikanische Filmkritiker und Meyer-Drehbuchautor Roger Ebert im Independent. "Hebt euch das für die Kamera auf, sagte er." Überliefert ist, dass Meyer auch privat keine Frau unter 105 Zentimetern Brustumfang in sein Bett gelassen haben soll. Er stirbt am 18. September 2004 in Hollywood. "König der Nacktfilme" steht auf seinem Grabstein und: "Ich war glücklich, es zu tun".

Stand: 21.03.2012

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