Stichtag

28. März 1897 – Sepp Herberger wird geboren

In der Vorrunde zur Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz lässt Josef "Sepp" Herberger gegen das Traumteam aus Ungarn nur die deutsche B-Nationalmannschaft auflaufen. Als das Spiel mit 3:8 verloren geht, wird der Trainer mit wütenden Protestbriefen überschüttet. "Es ist höchste Zeit, dass sie verschwinden", steht in einem. Und in einem anderen ist zu lesen: "Es ist gut, dass sie sich unmittelbar nach dem Spiel nirgends blicken ließen, sonst hätten Ihre Nächsten heute Gelegenheit gehabt, sie ausstopfen zu lassen."

Aber der Ball ist rund, und nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Taktiker Herberger weiß sehr genau, was er tut. Als Deutschland und Ungarn im WM-Endspiel wieder aufeinandertreffen, sind die haushohen Favoriten über die Qualität der deutschen Mannschaft überrascht. Ihr 3:2-Sieg ist als "Wunder von Bern" in die Sportannalen eingegangen. Der Gewinn des Weltmeistertitels und das damit zurückgewonnene Selbstbewusstsein gelten vielen als eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik.

Souveräne Karriereplanung

Geboren wird Herberger  am 28. März 1897 in Mannheim.  Schon früh entdeckt er seine Leidenschaft fürs runde Leder. Zunächst spielt der gelernte Mechaniker für Waldhof Mannheim, bevor er 1921 zum VfR Mannheim wechselt. Dabei erhält er ein Handgeld von 10.000 D-Mark, was gegen die Statuten verstößt. Die drohende Sperre auf Lebenszeit kann Herberger nur deshalb umgehen, weil er das Geld reumütig zurückgibt. Er bleibt ein Jahr lang gesperrt.

Bei der Karriereplanung legt Herberger viel Ehrgeiz an den Tag. Als technisch versierter Halbstürmer schafft er es drei Mal in die Nationalmannschaft; am Abend besucht er die Sporthochschule und besteht sein Trainerexamen. 1930 wird er von Tennis Borussia Berlin engagiert. Sechs Jahre später wird er Trainer der Nationalmannschaft.

"Ich hätte nicht zu gehen brauchen"

Um sein Ziel zu verwirklichen, tritt Herberger sogar in die NSDAP ein. Politisch hält er sich jedoch zurück, sodass die Alliierten ihn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als "Mitläufer" einstufen. Als 1949 der Deutsche Fußball Bund (DFB) gegründet wird, kehrt er in seine alte Position zurück. Mit ruhiger Autorität und Disziplin formt er dabei eine Mannschaft, die ihn rundherum als "Chef" akzeptiert.

Das "Wunder von Bern" 1954 ist der Meilenstein in der Karriere Sepp Herbergers. Zehn Jahre bleibt er noch Bundestrainer, dann wird Helmut Schön sein Nachfolger. "Ich hätte nicht zu gehen brauchen", wird er später sagen. "Aber wenn ich in den Pass geguckt habe, dann habe ich gesehen, dass ich aus dem letzten Jahrhundert bin."

Herberger stirbt 1977 in Mannheim: kurz, nachdem er sich im Fernsehen das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Nordirland angesehen hatte. Die deutsche Mannschaft hatte 5:0 gewonnen.

Stand: 28.03.2012

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