Stichtag

7. Oktober 1946 - Georg Danzer wird geboren

Neben Wolfgang Ambros gilt er als Erfinder des Austro-Pop: Anfang der 1970er Jahre revolutioniert Liedermacher Georg Danzer mit seinem Wiener Schmäh die österreichische Musikszene. Seine Lieder nehmen die bürgerliche Doppelmoral aufs Korn. "Meine Funktion in der Gesellschaft ist, Künstler zu sein und dort Au zu schreien, wo es anderen wehtut, die aber nicht die Stimme haben, das laut zum Ausdruck zu bringen", sagt Danzer über sein Selbstverständnis. "Für etwas zu sein heißt, dass man dafür lebt."

Die Voraussetzung für sein Leben als Künstler schafft der am 7. Oktober 1946 in Wien geborene Danzer mit 13 Jahren: Er beginnt, Gitarre zu spielen. Sein Vater ist Beamter und überzeugter Kommunist, seine Mutter ist Angestellte und katholisch. Nach sieben Semestern Philosophie und Psychologie bricht Danzer sein Studium ab und volontiert in der Musikredaktion des ORF. Ab 1967 komponiert und textet er eigene Songs. Seine erste Langspielplatte "Der Tschik" (umgangssprachlich für "Zigarette") bringt er 1972 auf eigene Kosten heraus. Musikalisch lehnt sie sich an Bob Dylan an. Bald übernehmen Kollegen wie André Heller und Erika Pluhar Lieder von Danzer. Er wird zum gefragten Songschreiber.

"Gebt's uns endlich Frieden"

Sein Durchbruch als Interpret gelingt "Schurli" (österreichisch für "Georg") Danzer, als er 1975 den Randy-Neman-Song "Naked Man" ins Wienerische überträgt. Das Lied "Jö schau" erzählt von einem Flitzer, der im vornehmen Wiener Caféhaus Hawelka einen Skandal verursacht - und macht Danzer über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die folgenden Alben "Du mi a" und "Unter die Haut" werden auch in der Bundesrepublik gut verkauft. Besondere Aufmerksamkeit verursacht 1977 der Song "War das etwa Haschisch?", der von Radiosendern boykottiert wird.

Für Kritik aus dem eigenen Lager sorgt Danzer 1978: Nach dem Deutschen Herbst spielt er im Auftrag des Bundeskriminalamtes den Titel "Mach dich nicht mit Gewalt kaputt" ein. Kurz darauf schreibt er jedoch das Lied "Wir werden alle überwacht", in dem er nun eben diese Behörde aufs Korn nimmt. 1980 gelingt Danzer mit der Single "Morgenrot" einen Erfolg, der sein gesellschaftskritisches Image festigt: "Du träumst von einer Revolution, doch ich will nicht, dass ein Tropfen Blut fließt, also tu deinen Teil dazu und gib acht, dass Du gut bist." Auch der Song "Frieden" wird im Jahr darauf ein Hit: "Ihr Mächtigen, wir fordern jetzt von euch: Gebt's uns endlich Frieden!"

Gegen FPÖ, für Obdachlose

Anfang der 1980er Jahre trennt sich Danzer von seinem Produzenten Gerhard Kämpfe und gerät in eine Krise. Er wagt einen Neuanfang und kauft sich einen Bauernhof in Westfalen. Bald knüpft er an die alten Erfolge an. 1990 kehrt er nach Österreich zurück und veröffentlicht jährlich eine neue Platte. Auch zu politischen Themen meldet er sich zu Wort: 2000 engagiert er sich gegen die erste Koalition der österreichischen Konservativen mit Jörg Haiders FPÖ.

Als Mitglied der sogenannten "Austria 3" setzt er sich - zusammen mit Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich - immer wieder für soziale Projekte wie Seniorenheime für Obdachlose ein. Als "Gutmensch" will er jedoch nicht bezeichnet werden. "Jetzt ist eingetroffen, was du längst verdient hast", sagt er, als er an Lungenkrebs erkrankt. Im September 2006 teilt der Kettenraucher die Diagnose der Öffentlichkeit mit. Am 21. Juni 2007 stirbt Danzer im Alter von 60 Jahren in Pamhagen.

Stand: 07.10.2011

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