Stichtag

31. Mai 1891 - Grundsteinlegung zur Transsibirischen Eisenbahn

Nachdem Zar Peter I. Russland im frühen 18. Jahrhundert in Richtung Westen geöffnet hat, haben seine Nachfolger in den über einhundert darauffolgenden Jahren den Anschluss vor allem an die Industrialisierung verschlafen. Die USA und Kanada haben ihr Territorium mit Hilfe der Eisenbahn erschlossen, nun will Mitte des 19. Jahrhunderts auch Alexander III. Schienenstränge von Moskau Richtung Asien legen. Die Gründe sind klar imperialistischer und ökonomischer Natur: Der Zar will sich gegen das erstarkende Japan behaupten, den Handel mit China verstärken und den Einfluss Großbritanniens in der Region durch eigene Verkehrswege schmälern. Nicht zuletzt soll Sibirien für zivile und militärische Zwecke besser erschlossen werden.

Die längste Eisenbahnstrecke der Welt

So erteilt Alexander III. seinem Sohn und Nachfolger, dem späteren Zar Nikolai II., den Auftrag zur Grundsteinlegung am 31. Mai 1891 im fernen Wladiwostok. Wichtigster Berater des Mammutprojekts ist Alexanders Finanzminister Sergej Witte, der früher schon für eine private Eisenbahnlinie tätig war. Er sorgt dafür, dass ein unabhängiges Komitee über Budgets entscheiden, Grund und Boden beschlagnahmen, eine Eisenbahnpolizei aufbauen oder Sträflinge und Soldaten zum Arbeitsdienst heranziehen kann.
Von West und Ost wird mit dem Bau begonnen – in einer Region, in der die Temperatur bis auf 50 Grad minus abfallen kann. Bis zu 100.000 Arbeiter sind auf den sieben verschiedenen Streckenabschnitten im Einsatz. 39 Tunnel sprengen die Ingenieure in den Fels. Ein Streckenabschnitt führt dank einer Konzession sogar durch China. Mehr als eine Milliarde Rubel verschlingt das Projekt: das Dreifache des ursprünglichen Etats. Am Ende hat Russland mit der "Transsib" die längste Eisenbahnlinie der Welt.

Sonderzug nach Peking

Mit Hilfe der Eisenbahn werden bis 1914 vier Millionen Bauern in Sibirien angesiedelt. Holz, Kohle, Edelsteine und Diamanten werden mit der Transsibirischen Eisenbahn transportiert, später Revolutionäre, Kriegsmaterial oder Verbannte. Heute hat die Transsibirische Eisenbahn eine Länge von 9.298 Kilometern. Vom europäischen Teil Russlands bis zum Stillen Ozean durchqueren die Reisenden sieben Zeitzonen: immer noch sind für die Fahrt sechs Tage und Nächte nötig. Touristen nehmen dies wegen der vorbeiziehenden Landschaft gern in Kauf. Am beliebtesten ist die Strecke zwischen Moskau und Peking, die erst 1955 entsteht. Seit Mitte der 1990er Jahre verkehrt auch wieder ein Luxuszug.

Stand: 31.05.2011

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