Stichtag

08. Mai 2009 - Vor 125 Jahren: Harry S. Truman wird geboren

Im Sommer 1944 sucht US-Präsident Franklin D. Roosevelt einen Vizepräsidenten-Kandidaten für die nächste Wahl im November. Er entscheidet sich für Harry S. Truman. Dieser gilt als der kleine Mann aus der Provinz und soll die Stimmen der einfachen Leute gewinnen, sagt Manfred Görtemaker, Historiker an der Universität Potsdam: "Harry Truman ist  in seinem ganzen Leben immer unterschätzt worden." Geboren wird er am 8. Mai 1884 als Farmersohn im Bundesstaat Missouri.  Beim Baseball darf er nicht mitmachen, weil er eine Brille trägt. Stattdessen liest Harry Biographien und spielt Klavier, am liebsten Chopin. Er wird Bankangestellter, muss aber viel auf der Farm mithelfen. Nach dem Tod des Vaters verspekuliert er sich. Im Ersten Weltkrieg ist er Artillerie-Hauptmann in Frankreich. Danach eröffnet er ein Geschäft für Kurzwaren. Ein Parteiführer der Demokraten entdeckt die organisatorischen Fähigkeiten Trumans. Harry wird eine Art Oberkreisdirektor, dann Senator. Man nennt ihn "Mister Average " ("Herr Durchschnitt").

Roosevelt hat seinem Vizepräsidenten eine Nebenrolle zugedacht und bezieht ihn nicht in die Regierungsarbeit mit ein. Als Roosevelt am 12. April 1945 an einem Gehirnschlag stirbt, ist Truman geschockt - und uniformiert. Bei der Potsdamer Konferenz nach dem Sieg über Deutschland überlässt er weitgehend seinen Experten die Verhandlungen mit Sowjetführer Josef Stalin. Den Befehl, die erste Atombombe der Welt auf Hiroshima abzuwerfen, gibt Truman von Potsdam aus allerdings selbst. Als 1947 in Griechenland und der Türkei kommunistische Umstürze drohen, setzt Truman auf kontrollierte Konfrontation. Seine Politik der Eindämmung des Kommunismus wird Truman-Doktrin genannt: "Ich glaube, dass es die Politik der USA sein muss, freie Völker zu unterstützen." Dabei kooperiert er auch mit totalitären Staaten - Hauptsache, sie sind antikommunistisch. Gleichzeitig pumpt er mit dem Marshall-Plan Milliarden von Dollar in den Wiederaufbau Westeuropas, befürwortet das private Care-Programm und setzt die Luftbrücke nach Berlin durch.

Als 1950 das nordkoreanische Militär in Südkorea einmarschiert, zögert Truman keinen Moment, in den Krieg zu ziehen. Als Mao ebenfalls Truppen schickt, will US-General Douglas MacArthur seinerseits das kommunistische China angreifen, auch mit Atomwaffen. Doch Truman ist dagegen, denn die Sowjets besitzen mittlerweile ebenfalls die Atombombe. Er entlässt den populären General. Truman verliert an Rückhalt und verzichtet 1952 auf eine weitere Kandidatur: "Ich habe nicht das Gefühl, dass es meine Aufgabe ist, weitere vier Jahre im Weißen Haus zu verbringen." Zu dieser Zeit breitet sich in den USA ein regelrechter Kommunistenhass aus. Senator Joseph McCarthy geht auf Kommunistenjagd. Der Präsident stellt sich ihm nicht in den Weg. In seiner Abschiedsrede sagt Truman: "Wenn die Geschichte sagen wird, dass in meiner Amtszeit der Kalte Krieg begann, wird sie auch sagen, dass wir in diesen acht Jahren den Kurs eingeschlagen haben, mit dem wir ihn gewinnen können." Truman zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Er stirbt am 26. Dezember 1972 im Alter von 88 Jahren in Kansas City.

Stand: 08.05.09