Stichtag

23. März 1912 - Wernher von Braun wird geboren

Schon früh zündelt er mit Feuerwerkskörpern und baut daraus Raketenautos. Zur Konfirmation schenkt ihm seine Mutter ein astronomisches Fernrohr. Er liest die Mondfahrt-Romane von Jules Verne  und mit 13 Jahren sein erstes wissenschaftliches Buch über Raketenbau. Wernher von Braun, der am 23. März 1912 in der preußischen Provinz Posen geboren wird, ist musisch begabt. Er spielt vorzüglich Klavier und hat bei Paul Hindemith ein Stipendium in Aussicht.

Doch für Wernher ist klar: Er will Weltraumraketen bauen. Noch bevor er sein Physik-Studium beginnt, bastelt er mit Raketenpionier Hermann Oberth auf dem Raketenflugplatz in Berlin-Reinickendorf an Flüssigkeitsraketen. Nach seiner Doktorarbeit von 1934 engagiert das Heereswaffenamt den 22-jährigen Ingenieur. Bereits im Jahr zuvor ist von Braun in die SS eingetreten.

Verantwortlich für die "V2"

In der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom wird von Braun 1937 technischer Direktor. Er ist verantwortlich für den Bau des "Aggregats 4" ("A4"). Nachdem er 1943 Hitler persönlich über den neuesten Entwicklungsstand der Langstreckenrakete informiert hat, wird die "A4"-Rakete als "Vergeltungswaffe" ("V2") massenhaft produziert. 3.000 "V2"-Raketen werden in den letzten Kriegsmonaten Richtung England abgefeuert. 8.000 Menschen sterben.

Noch mehr Menschleben kostet allerdings die Produktion: In den unterirdischen Anlagen des KZ Dora-Mittelbau werden die "V2"-Raketen zusammengebaut. 12.000 Zwangsarbeiter krepieren dort unter den bestialischen Arbeitsbedingungen. Später verteidigt von Braun, bekennender Christ und Humanist, seine Arbeit für das NS-Regime: "Ein Ingenieur im Kriege ist Soldat. An dieser Auffassung hat sich bei mir nichts geändert."

Zweite Karriere bei der NASA

Bei Kriegsende geht von Braun mit 120 seiner Mitarbeiter in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Gepäck: 100 "V2"-Raketen, dazu Bauteile und Konstruktionspläne - die Grundausstattung für das US-Raumfahrtprogramm. Als Gegenleistung für seine Dienste vernichten die Amerikaner belastende Akten und übersehen, dass von Braun nicht nur NSDAP-Mitglied sondern auch Obersturmbannführer der SS war. 1949 kann er seine Familie in die Staaten nachholen und später sogar amerikanischer Staatsbürger werden.

Der Kalte Krieg ermöglicht ihm eine Karriere bis zum technischen Direktor der Weltraumbehörde NASA. Für die Amerikaner ist von Braun fortan "The Missile-Man", der Raketenmann. Seine Raketen basieren alle auf dem Konzept der "V2", auch die mächtige Saturn-V-Rakete von über 100 Meter Länge, die 1969 die ersten Astronauten zum Mond trägt. Dann schwindet das Interesse an der bemannten Raumfahrt rapide. Resigniert zieht sich der Raketenpionier Wernher von Braun zurück. Er stirbt am 16. Juni 1977 im Alter von 65 Jahren in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia an Nierenkrebs.

Stand: 23.03.2007