Stichtag

03. Juni 2007 - Vor 30 Jahren: Tod des Filmregisseurs Roberto Rossellini

Sein Werk umfasst über 40 Filme, sein Ruhm jedoch gründet sich auf den wenigen, die er in den ersten Nachkriegsjahren gedreht hat. Freunde bringen den 1906 in Rom geborenen Roberto Rossellini gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beim Film unter.

Noch während der deutschen Besetzung Roms beginnt er mit den Dreharbeiten zu seinem Erstling "Rom, offene Stadt", mit seiner späteren Freundin Anna Magnani in der Hauptrolle. Völlig unter dem Eindruck von Mussolini-Diktatur und Kriegselend schildert Rossellini die Zeitenwende in seiner Heimat illusionslos und mit eindringlicher Wahrhaftigkeit. In "Paisa" (1946) vervollkommnet er seinen Stil, der seit Luchino Viscontis "Ossessione " (1942) als Neorealismus bezeichnet wird.

Für Filmkenner ist Rossellini der konsequenteste Wegbereiter des Neorealismus; seine weltweite Berühmtheit basiert aber auch auf seinen schlagzeilenträchtigen Liebesaffären. Vor allem die Beziehung zu Anna Magnani und der Verlauf seiner Ehe mit Hollywood-Star Ingrid Bergman, seiner Hauptdarstellerin in "Stromboli" (1950), trägt Rossellini den Ruf eines skrupellosen Verführers ein. 1958 lässt sich die Bergmann unter erheblicher Anteilnahme der weltweiten Boulevard-Presse wieder scheiden, weil Rossellini eine heftige Affäre mit einer Inderin begonnen hat. Um das Sorgerecht für ihre drei Kinder, darunter die später berühmte Tochter Isabella Rossellini, fechten beide jahrelang vor Gericht. Auch filmisch bleibt für Rossellini die Liaison mit Ingrid Bergman - bis auf "Stromboli" - von Misserfolgen geprägt. 

Seinem harschen, dokumentarisch geprägten Stil bleibt Roberto Rossellini bis zum Ende seiner Karriere treu. Doch von wenigen kleineren Erfolgen abgesehen, erreicht er nie wieder die formale Intensität und thematische Größe seiner ersten Filme. Enttäuscht wendet sich Rossellini Mitte der 60er Jahre vom Kino ab und erklärt, alles was dort geboten werde, sei "völlig überflüssig". In seinen letzten Lebensjahren produziert er nur noch Fernsehfilme und Dokumentationen. Am 3. Juni 1977, wenige Wochen nach seiner Tätigkeit als Jurypräsident bei den Filmfestspielen in Cannes, erliegt der 71-Jährige in Rom einem Herzinfarkt.
"Er glaubte derjenige zu sein, der das Spinnennetz wob, doch er verfing sich selbst darin", resümierte Federico Fellini das Leben seines Lehrers und Freundes. "Robertos Leben bestand aus Filmen und Liebesaffären."

Stand: 03.06.07