9. Juni 1672 - Zar Peter der Große wird geboren

Stand: 09.06.2017, 00:00 Uhr

Kurz nachdem der zehnjährige Peter I. zum russischen Zaren gewählt wird, muss er im Moskauer Kremlpalast ein grausiges Blutbad ansehen. Aufständige Strelitzen töten etliche seiner Verwandten und setzen so durch, dass bis zu seiner Volljährigkeit die verfeindete Halbschwester Sofia das Regiment übernimmt.

Peter der Große, Zar (Geburtstag 09.06.1672) WDR 2 Stichtag 09.06.2017 04:06 Min. Verfügbar bis 07.06.2027 WDR 2

Download

Das brutale Vorgehen der Elitetruppe prägt den jungen Zaren, der später bei der Durchsetzung seiner Reformen wenig Rücksicht auf Leib und Leben nehmen wird. Geboren wird Peter der Große am 9. Juni 1672 in der zweiten Ehe seines Vaters, dem Zaren Alexei Michailowitsch. Nach dessen Tod entfacht zwischen beiden Clans der Ehefrauen ein Streit um die Nachfolge.

Der Traum einer Handels- und Militärmacht

Auch will Sofia Peter bei seiner Volljährigkeit keineswegs wie vereinbart die Herrschaft überlassen, sondern beauftragt seinen Tod. Doch die Interim-Zarin wird verraten und Peter I. schlägt mit aller Gewalt zurück: Er lässt drei ihrer Scharfmacher köpfen und verbannt die Halbschwester ins Kloster. Der Weg zur Macht ist frei.

"Die Brutalität, die gehört zu seinem Wesen genauso dazu, wie diese Kraft und den Willen, für das Wohl Russlands zu kämpfen", beschreibt Christoph Garstka, Professor für russische Kultur in Bochum den Zaren. Der junge Herrscher träumt von einer großen russischen Handels- und Militärmacht. Doch das Land ist im 17. Jahrhundert von der Welt abgeschnitten, verkrustete Strukturen und die Kirche verhindern jeden Fortschritt.

Zar und Zimmermann

Schließlich reist Zar Peter I. - angeblich inkognito als Pjotr Michailowitsch - mit einem Tross Adeliger durch Europa, um neue handwerkliche Techniken zu lernen. In Königsberg bewundert der 2,04 Meter große Zar den Kanonenbau, in Amsterdam arbeitet er als Zimmermann, in England lässt er sich in die Astronomie und das britische Münzwesen einweihen.

Nach 18 Monaten kehrt der Zar mit genug Impulsen in sein Reich zurück. Er reformiert von der Kirche bis zum Staatsdienst alles, was Tradition hat. Den Adligen schneidet er - zum Teil eigenhändig - die Bärte ab und kürzt ihre langen Roben. Er will die Russen zu Europäern machen, und vor allem, zu guten Steuerzahlern. Die Kriege, die er pausenlos führt, kosten viel Geld und werden zum zusätzlichen Treiber seiner Erneuerungspolitik.

Mehr Steuern für Krieg

Peter der Große stärkt Gewerbe und Handwerk, damit mehr Steuern abfallen. Der Zar schafft ein Verwaltungs- und Schulsystem, denn fähige Beamte und Soldaten brauchen eine gute Bildung. Um den von ihm gewünschten eisfreien Meerzugang zu bekommen, muss er von den Schweden die baltischen Provinzen erobern und ist ab dem Jahr 1700 im Dauerkrieg mit dem Nachbarn im Norden.

Drei Jahre später baut der Zar an der Newa-Mündung die Peter-Pauls-Festung. In diesem sumpfigen unwirtlichen Marschland entsteht ab 1709 die Stadt am Meer, die den Neuanfang Russlands symbolisieren soll: St. Petersburg. 1721 muss Schweden die baltischen Provinzen endgültig an Russland abtreten. St. Petersburg wird zur neuen Metropole Russlands.

St. Petersburg - westliche Metropole Russlands

Hier entstehen in den kommenden zwei Jahrhunderten die Prachtbauten von zahlreichen Zaren und Adelsvertretern. "Es ist wirklich die Öffnung nach Europa, die Öffnung übers Meer, hin zu den westeuropäischen Ländern", sagt Garstka.

Die Liebe zum Wasser kostet den Zaren letztlich das Leben: Als er auf einer winterlichen Inspektionstour nahe der Newa-Mündung gestrandeten Seeleuten helfen will, springt Peter der Große ungeduldig ins Wasser. Das eiskalte Nass verträgt sich jedoch nicht mit seinem notorischen Blasen- und Nierenleiden und er stirbt am 8. Februar 1725 mit 52 Jahren.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

Stichtag am 10.06.2017: Vor 50 Jahren: Ende des Sechstagekrieges