19. November 1703 – "Mann mit der eisernen Maske" stirbt

Stand: 19.11.2018, 00:00 Uhr

Liselotte von der Pfalz ist eine Plaudertasche. Es gibt kein Geheimnis am französischen Hofe, das vor der Schwägerin des Sonnenkönigs Ludwig XIV. sicher wäre. "Ich habe etwas Außerordentliches erfahren", schreibt sie 1711 an ihre Tante. "Es gab da einen Mann, der viele Jahre in der Bastille eingekerkert war und der maskiert gestorben ist."

Der Mann mit der Eisernen Maske (Todestag 19.11.1703) WDR 2 Stichtag 19.11.2018 04:17 Min. Verfügbar bis 16.11.2028 WDR 2

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"Mein Prinz"?

Liselotte von der Pfalz ist eine der ersten, die öffentlich vom Mann mit der eisernen Maske berichtet. Denn der persönliche Gefangene des Königs ist eine geheime Verschlusssache. Dem entsprechend ranken sich zahlreiche Gerüchte um seine Existenz. Laut einer Quelle ist seine Haut dunkel. Laut einer anderen zupft er sich den Bart mit einer Pinzette. Mittelgroß soll er sein, kein Italienisch verstehen, von Kerkermeister Saint-Mars "mein Prinz" betitelt werden. Was an welchem Gerücht dran ist, weiß man sicher bis heute nicht.

Fest steht eigentlich nur, dass der Mann mit der eisernen Maske 1669 in Haft genommen wird, am 19. November 1703 nach 34 Jahren Haft verstirbt. Er war unter dem Pseudonym Eustache Dauger an diversen Orten eingekerkert.

Zwillingsbruder, kleines Kind?

War der Mann mit der eisernen Maske ein Halbbruder Ludwigs XIV., der aus dem Verkehr gezogen werden sollte, wie Voltaire später behauptet? Oder war er ein Zwillingsbruder des Sonnenkönigs, wie im Roman von Alexandre Dumas? Der Historiker Michel Vergé-Franceschi hat eine andere Spur verfolgt und hält den Fall aufgrund seiner langjährigen Recherchen und einiger Indizienbeweise für gelöst.

Vergé-Franceschis zufolge ist der Mann mit der eisernen Maske der elf- oder zwölfjährige Page des Herzogs von Beaufort. Dieser war Kommandeur der französischen Marine und opponierte offen gegen das Bündnis des Sonnenkönigs mit den anglikanischen Engländern. 1669 verschwand der Herzog spurlos beim Kampf um Kreta gegen die Türken, angeblich durch ein Komplott. Auch der Adjutant und der Privatsekretär des Herzogs sterben unter mysteriösen Umständen.

Nach dieser Version hätte Ludwig XIV. den jungen Pagen und Zeugen des Verschwindens nur durch lebenslange Haft und die Maske vor der Welt verbergen beziehungsweise zum Schweigen bringen können: Ein kleines Kind zu töten hätte er sich Vergé-Franceschi zufolge nicht getraut.  

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am19. November 2018 ebenfalls an den Mann mit der eisernen Maske. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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