31. Oktober 1964 - Krebsforschungszentrum in Heidelberg wird eingeweiht

Stand: 31.10.2019, 00:00 Uhr

Die Krebsdiagnose ist für jeden Betroffenen ein Schock; von einem Moment zum anderen schwebt eine tödliche Gefahr über dem eigenen Leben. Im September 2019 trifft es, wie jedes Jahr rund 500.000 Deutsche, auch Manuela Schwesig. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern weiß, dass sie Krebs hat.

Nach langen Gesprächen mit Ärzten schöpft die an Brustkrebs erkrankte Politikerin Hoffnung: "Wenn man wieder halbwegs klar denken kann, wird deutlich: Es gibt viele unterschiedliche Prognosen, Heilungschancen und Therapiemöglichkeiten."

Diese Fortschritte im Kampf gegen die tückische Tumorkrankheit verdanken Patienten nicht zuletzt der jahrzehntelangen Arbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Krebsforschungszentrum Heidelberg eingeweiht (am 31.10.1964) WDR 2 Stichtag 31.10.2019 04:15 Min. Verfügbar bis 28.10.2029 WDR 2

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Bündelung der Krebsforschung

Die Geschichte der größten biomedizinischen Forschungseinrichtung in Deutschland beginnt Anfang der 1960er Jahre. Über die Entstehung von Krebs ist damals noch wenig bekannt; Grundlagenforschung wird in der Bundesrepublik kaum betrieben. "Das war eine Situation, die war im internationalen Vergleich beschämend", sagt der Mediziner Gustav Wagner.

Gemeinsam mit dem Heidelberger Chirurgen Karl Heinrich Bauer kann Wagner die Politik überzeugen, eine dringend nötige Bündelung der wissenschaftlichen Forschungssektoren zu finanzieren. Dank ihres Einsatzes errichtet das Land Baden-Württemberg die öffentlich-rechtliche "Stiftung Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg" (DKFZ).

Die erste Baustufe, vier kleine Fertigbauten, kann bereits am 31. Oktober 1964 eingeweiht werden. Von Bauer dringend geforderte klinische Bereiche, die von Beginn an direkten Kontakt mit Patienten ermöglicht hätten, werden nicht bewilligt. Erst 1975 erkennt der Bund das Krebszentrum als Großforschungseinrichtung an und regelt seine Finanzausstattung.

Nobelpreis für Virenforschung

Den Aufstieg in die Elite der Krebsforschung verdankt es maßgeblich dem Gelsenkirchener Virologen Harald zur Hausen. In den 20 Jahren unter seiner Leitung gewinnt das Heidelberger Zentrum internationales Ansehen. Zur Hausen entschlüsselt die Bedeutung von Viren bei Gebärmutterhalskrebs und erhält dafür 2008 den Nobelpreis.

Derzeit, so schätzen die Forscher, wären 40 Prozent der Krebsneuerkrankungen in Deutschland vermeidbar, durch gesündere Lebensweise und eine umfassende Vorsorge. Das DKZB plant daher mit der Deutschen Krebshilfe den Aufbau eines Nationalen Präventionszentrum. Denn trotz aller deutlichen Fortschritte sterben noch rund 220.000 der 500.000 jährlich Erkrankten am Krebs.

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