7. November 1225 - Der Kölner Erzbischof Engelbert I. wird ermordet

Stand: 07.11.2020, 00:00 Uhr

Es dämmert schon, als die Reisegesellschaft des Kölner Erzbischofs Engelbert I. am 7. November 1225 eine Waldschlucht bei Gevelsberg passiert. Der gebürtige Graf von Berg ist zu dieser Zeit nicht nur Machthaber des reichten Erzbistums. Er ist zudem Herzog von Westfalen, verwaltet die Grafschaft Berg und ist Stellvertreter des Kaisers nördlich der Alpen.

Erzbischof Engelbert I. wird ermordet (am 07.11.1225) WDR 2 Stichtag 07.11.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 05.11.2030 WDR 2

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An diesem nebligen November-Abend ist Engelbert I. auf der Rückreise nach Köln. Plötzlich stellt sich ihm sein Großneffe Friedrich von Isenberg in den Weg, seine Begleiter reißen ihn zu Boden. Engelbert I. fleht: "Heiliger Petrus, was für eine Schuld schieben mir denn diese Menschen zu?"

Zumindest rekonstruiert der Mönch Caesarius von Heisterbach später so den Tathergang. Dann stechen die Männer zu. Caesarius zufolge bleibt "vom Scheitel bis zur Sohle kein Teil des Körpers von Wunden frei". Tatsächlich bestätigt eine Untersuchung der Gebeine rund 750 Jahre später, dass Engelbert I. mit 40 bis 50 Messerstichen getötet wurde.

Streit um Vogteirechte

Warum er sterben muss, ist indes bis heute rätselhaft. "Der konkrete Anlass war, dass sein Großneffe Friedrich von Isenberg beleidigt war", erzählt der Kölner Mittelalterhistoriker Karl Ubl. Der Großneffe lebt im Streit mit dem Damenstift Essen. Die Äbtissin will Friedrich von Isenberg nicht länger die einträgliche Verwaltung der weltlichen Besitzungen überlassen, da dieser von ihren Bauern Abgaben für den Schutz vor Räubern und Gesindel verlangt.

Diese sogenannte Laienvogtei soll Engelbert I. auf Anordnung des Papstes nunmehr grundsätzlich abschaffen. Das bringt den Landadel gegen den Bischof auf. Nur: Da die Anordnung aus Rom kommt, nutzt Friedrich ein toter Engelbert nichts. "Er hätte sicher nicht erreichen können, dass jetzt diese Vogteirechte wieder zurückgegeben worden wären", so Ubl.

War der Mord nur ein Versehen?

Sollte Engelbert I. womöglich nur – wie seinerzeit nicht unüblich – entführt und seine "Unterstützung" erpresst werden? Haben sich eine Reihe adliger Ritter zu dieser Geiselnahme verabredet, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen?

Für den Historiker Ubl eine schwierige Frage. "Weil eben die zeitgenössischen Quellen sehr klar von einer Ermordung sprechen." Friedrich von Isenberg wird für die Tat verurteilt und ein Jahr später gerädert.

Der Tod Engelberts I. wird hingegen als Martyrium verstanden. Er wird seit dem 17. Jahrhundert in Köln und Umgebung als regionaler Heiliger verehrt.

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