5. Oktober 1934 - Die US-Filmzensur wird verschärft

Stand: 05.10.2019, 00:00 Uhr

Moralisch verwerflich, verrohend, staatsgefährdend! In den 1920er Jahren werden angeblich ungehörige Kinofilme aus dem liberalen Hollywood von konservativen und kirchlichen Kreisen als Bedrohung der Gesellschaft gebrandmarkt. Von einem US-Filmzensurgesetz ist die Rede.

Um staatliche Maßnahmen zu verhindern, gründen die Filmschaffenden 1922 die MPPDA - den Verband der amerikanischen Produzenten und Verleiher. Er soll als Selbstkontrollorgan der Filmwirtschaft wirken.

Der Hays-Code wird verschärft (am 05.10.1934) WDR 2 Stichtag 05.10.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 02.10.2029 WDR 2

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Puritanischer Republikaner

Zum MPPDA-Vorsitzenden wird Will H. Hays berufen, ein puritanischer Republikaner. Sein Ziel: "Die Möglichkeiten des Films zur moralischen Erziehung und Beeinflussung sind grenzenlos." Deshalb müsse seine Qualität verbessert werden.

Alle Schauspieler Hollywoods müssen Hays schriftlich einen einwandfreien Lebenswandel garantieren. Zudem schafft er einen "Productioncode", der in zwölf Artikeln festlegt, was in Filmen erlaubt sein soll.

Anspielungen als Ausweg

Zwar unterschreiben 1930 alle in der MPPDA zusammengeschlossen Produzenten den Hays-Code. Aber sie versuchen, ihn zu umgehen. "Natürlich war es für alle Regisseure eine große Herausforderung, den Code zu unterlaufen", sagt der Filmwissenschaftler Ernst Schreckenberg. "Die waren gezwungen, nur mit Andeutungen zu operieren."

Unbemerkt bleibt das nicht. 1933 wird die katholische "League of Decency" ("Legion des Anstands") gegründet. Ihre Mittel sind Protest und Boykott. Hays freut sich über das reinigende Feuer: Endlich ist Schluss mit Sex auf der Leinwand. Bei einem Kuss auf dem Bett dürfen die beteiligten Personen nie liegen, ein Fuß muss immer auf dem Boden sein.

Zeitliches Kusslimit

Außerdem wird ein zeitliches Kusslimit eingeführt: nie länger als drei Sekunden. 1934 werden die Regeln noch verschärft. Wer nun gegen den Code verstößt, muss 25.000 Dollar Strafe zahlen und erhält keine Genehmigung zur Aufführung.

Was freiwillige Selbstverpflichtungen nicht bewirkt haben, hat der Druck der christlichen Legion geschafft. Hollywood wird prüde.

Lob des Papstes

"Es ist von größter Bedeutung, den beachtenswerten Erfolg dieses Kreuzzuges hervorzuheben", lobt Papst Pius XI. die "Legion des Anstandes" 1936. "Da das Filmwesen unter eurer Wachsamkeit und unter dem Druck der aufgerufenen öffentlichen Meinung sich tatsächlich moralisch hob."

Abgeschafft wird der Hays-Code erst in den 1960er Jahren.

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