10. Januar 1978 - Das Europäische Übersetzer-Kollegium wird gegründet

"Ich möchte darauf hinweisen, dass große Dinge nicht immer in großen Städten geschehen." Das sagte der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll über das weltweit größte Begegnungszentrum für literarische Übersetzer in der niederrheinischen Kleinstadt Straelen. Am 10. Januar 1978 wurde dort das Europäische Übersetzer-Kollegium mit der weltweit größten Fachbibliothek gegründet.

Übersetzer betreiben eines der ältesten Gewerbe der Welt. Schon vor über 1.000 Jahren wirkten sie im "Haus der Weisheit" von Bagdad, einem Schmelztiegel der Kulturen. 300 Jahre später öffnete das berühmte Übersetzerzentrum im spanischen Toledo. Das "Europäische Übersetzer-Kollegium Straelen" setzt die Tradition fort. Entstanden ist es auf Initiative der Übersetzer Elmar Tophoven und Klaus Birkenhauer.

Folterlexikon in 24 Sprachen und koscheres Geschirr

"Hier wird Tag und Nacht gearbeitet, sogar Weihnachten und Silvester. Wir sind auf alles vorbereitet", sagt die Geschäftsführerin und promovierte Bibliothekarin Regina Peeters. "Wir haben einen witzigen Haushalt: im Keller fünf Waschmaschinen, fünf Trockner – und koscheres Geschirr."

Nicht wegen der Waschmaschinen, vor allem wegen der weltweit größten Spezialbibliothek kommen die literarischen Übersetzer nach Straelen: 135.000 Bände in über 390 Sprachen und Dialekten. "Wir sammeln vor allem Bücher, die man nur hier einsehen kann, zum Beispiel ein 24-sprachiges Folterlexikon oder ein Buch über Beerdigungsfachwörter in 18 Sprachen ", erklärt Peeters.

Es gibt keine Übersetzung, die perfekt ist

Jedes Jahr kommen an die 750 Übersetzer aus rund 60 Ländern nach Straelen und finden ihr Arbeitsparadies. Und dennoch: Perfekt kann eine Übersetzung nie sein. "Es gibt keine Übersetzung, die nicht ein paar Fehler hat. Und wo man doch nicht irgendwelche Kompromisse schließen musste", sagt der Russisch-Übersetzer Thomas Reschke, erster Träger des Straelener Übersetzerpreises von 2001.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 10. Januar 2018 ebenfalls an das Europäische Übersetzerkollegium. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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