16. März 1819 - Erste klinische Beschreibung des Heuschnupfens

Stand: 16.03.2019, 00:00 Uhr

Rote Augen, Dauerniesen, manchmal Luftnot. John Bostock, Mediziner aus Liverpool, beschreibt am 16. März 1819 erstmals diese Symptome. Er nennt die Erkrankung "Hay Fever", Heufieber, im Deutschen wird daraus Heuschnupfen. Vor allem mit der Wärme in Frühling und Sommer beginnt die Leidenszeit der Patienten.

Erste Beschreibung des Heuschnupfens (am 16.03.1819) WDR 2 Stichtag 16.03.2019 04:08 Min. Verfügbar bis 13.03.2029 WDR 2

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John Bostock ist selbst betroffen - und ratlos: "Ob Aderlass, Spülungen, Einläufe, eine Diät, kalte Bäder, Opium, Quecksilber oder Fingerhut – nichts hilft."

Nur wenn der Arzt zu Hause bleibt, gehen die Symptome zurück. Er ahnt: Partikel in der Luft verursachen die Beschwerden. Bald kommen Forscher diesen Substanzen auf die Spur. "Durch das Mikroskop, um 1820, sehen sie die ersten Pollen. Und erkennen bald: Die Pollen fliegen durch die Luft", erklärt Professor Karl-Christian Bergmann, Allergologe an der Berliner Charité.

Heuschnupfen ist eine Krankheit der Reichen

Aber als saisonaler Schnupfen findet das Heufieber im 19. Jahrhundert zunächst wenig Beachtung. "Damals wurden nur wenige Menschen durch diese Pollen krank", sagt Bergmann.

Aber eines haben die wenigen Patienten gemeinsam. John Bostock notiert: "Mir ist kein einziger vergleichbarer Fall unter der verarmten Bevölkerung bekannt. Es ist bemerkenswert, dass alle Fälle eines Heufiebers in der Oberschicht auftreten."

Forscher bestätigten später diese Auffälligkeit: "Immer schon war der Heuschnupfen eine Krankheit der Reichen, der gut Situierten", weiß auch der Allergologe Karl-Christian Bergmann.

Eine Erklärung: Wohlstand führt zu mehr Hygiene und das Immunsystem ist deswegen möglicherweise unterfordert. Von natürlichen Keimen verschont, sucht sich die Abwehr eigentlich harmlose Substanzen als Gegner und bekämpft sie über Gebühr.

Feinstaub bindet sich an die Pollen

Mittlerweile leidet nahezu jeder fünfte Deutsche unter dem Heuschnupfen, auch eine Folge der Luftbelastung. Offensichtlich binden sich Feinstaub und Stickstoffdioxid an die Pollen und steigern die Wucht der Allergie.

Auch tieferliegende Atmungsorgane sind langfristig bedroht. "Ohne Immuntherapie und andere Vorsichtsmaßnahmen entwickelt etwa ein Drittel der Betroffenen im Laufe des Lebens ein allergisches Asthma, ein Pollenasthma", sagt Karl-Christian Bergmann.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 16. März 2019 ebenfalls an den Heuschnupfen. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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