17. Juli 1913 - Erste fliegende Sahnetorte im Film

Stand: 17.07.2018, 00:00 Uhr

So erstaunlich es klingt, aber Günter Öttinger, Sahra Wagenknecht und Beatrix von Storch vereint ein gemeinsames Schicksal - mit Bill Gates, Nicolas Sarkozy und König Carl Gustaf von Schweden: Sie alle waren schon mal unfreiwillig Hauptdarsteller in einem der ältesten Gags der Filmgeschichte.

Erste fliegende Sahnetorte im Film (am 17.07.1913) WDR 2 Stichtag 17.07.2018 04:16 Min. Verfügbar bis 14.07.2028 WDR 2

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Die meisten derer, die urplötzlich mit einer fliegenden Sahnetorte Bekanntschaft machen, reagieren tief getroffen, im Gesicht und in ihrer Ehre. Geschockt und verunstaltet von einer zerbröckelnden Torte und dennoch würdevoll dreinschauen, das kann eigentlich nur Stummfilmstar Oliver Hardy.

Mabel Normand wirft als Erste

An der Seite von Partner Stan Laurel dreht Hardy 1927 "Die größte Schlacht des Jahrhunderts". Mit 3.000 fliegenden Torten hält die Slapstickkomödie den Rekord für die größte Tortenschlacht des Kintopps. "Alles ist erlaubt", sagt Filmexperte Heiner Ross über die Zeit, als die Bilder laufen lernten. "Alles wird probiert und jeder muss was Neues erfinden, damit er ein Publikum erreicht."

In den Keystone-Studios von Mack Sennett, dem großen Pionier der Slapstick Comedy, soll 1913 erstmals vor der Kamera eine Sahnetorte geflogen sein. Mable Normand, später Partnerin von Charlie Chaplin, wirft sie und Roscoe "Fatty" Arbuckle bekommt die Vanillecreme ins feiste Gesicht.

Im Verlauf zahlloser Stummfilm-Sketche entwickeln die Keystone-Studios ein enormes Repertoire an Kuchenattacken und Tortenschlachten. "Die frühen Filme sind wild, die sind verrückt. Sie überschreiten ja auch Tabugrenzen und jede Autorität wird angegriffen", weiß Heiner Ross. "Das war die Wehr des kleinen Mannes gegen den Großen."

Hinter der Komik Zeitkritik

Die Slapstick-Gags sind artistisch wie bei Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd oder grobschlächtig wie bei den legendären "Keystone Cops". Vergleicht man sie aber miteinander, dann entdecken Stummfilm-Kenner wie Ross hinter der Komik meist auch deutliche Kritik an den sozialen Missständen jener Epoche.

Die Blütezeit der Tortenwürfe und -schlachten endet mit der Einführung des Tonfilms. Komik muss nicht mehr allein durch visuelle Gags erzeugt werden; die neuen Stars gewinnen ihr Publikum mit Wortwitz und Schlagfertigkeit. Unter den Promis dieser Welt aber bleibt die fliegende Torte als wirkungsvoller Ausdruck "tätlicher Beleidigung" gefürchtet. AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte inzwischen bereits zweimal eine Torte im Gesicht zu verdauen.

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