24. Juni 1932 - Greenpeace-Mitbegründer geboren

Stand: 24.06.2017, 00:00 Uhr

Sein Bauunternehmen ist pleite, die erste Ehe gescheitert. Anfang der 1970er-Jahre kreuzt der Kanadier David McTaggart planlos mit seiner Segeljacht "Vega" vor Neuseeland (Foto: Henk Haazen, Chris Robinson und David McTaggart (v.l.n.r) auf der "Vega" 1995 unterwegs nach Mururoa). Er will aussteigen und ein neues Leben beginnen.

Durch einen Zeitungsartikel wird McTaggart auf eine Umweltgruppe namens Greenpeace aus Vancouver aufmerksam. Dort kam er 24. Juni 1932 zur Welt. "Ich hatte noch nie etwas von diesen Greenpeace-Leuten gehört", schreibt er später in seiner Autobiografie. Die Umweltschützer wollen nach Polynesien segeln, um die im Mururoa-Atoll geplanten französischen Atombombenversuche zu blockieren.

David McTaggart, Mitbegr. von Greenpeace (Geburtstag 24.06.1932) WDR 2 Stichtag 24.06.2017 04:15 Min. Verfügbar bis 22.06.2027 WDR 2

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Protest in der Südsee

Der bis dahin unpolitische McTaggart ist von den Greenpeace-Aktivisten angetan: Sie praktizieren, schreibt er, eine Form des passiven Widerstandes, indem sie am Ort des Geschehens durch schlichte Anwesenheit ihren Protest bekunden. "Das war simpel genug, um mir zu gefallen."

1972 schließt sich McTaggart der im Jahr zuvor gegründeten Gruppe an, die aus Hippies, Anhängern der Friedensbewegung und Quäkern besteht. Er will selbst in Mururoa dabei sein. Mit seiner Segeljacht "Vega" segelt er von Neuseeland aus in die Südsee, rund 6.000 Kilometer weit. Doch die Protestaktion wird verhindert: Ein französisches Kriegsschiff rammt McTaggarts Jacht.

Franzosen entern Segelboot

Ein Jahr später segelt McTaggart wieder in die Südsee. "Sie schickten drei Kriegsschiffe und enterten unser Segelboot", erinnert er sich später. "Ich protestierte und sagte: 'Wir befinden uns in internationalen Gewässern!' Sie stülpten mir mein Shirt über den Kopf und fingen an, mich zu verprügeln."

Einem Crewmitglied gelingt es, davon Fotos zu machen und die Filme von Bord zu schmuggeln. Die Bilder gehen um die Welt. "Das hätte nun das Ende der Geschichte sein können. Ich hätte einfach verschwinden können, wieder abtauchen in den glücklichen Kapitalismus, wenn nur die Franzosen ein bisschen vernünftiger gewesen wären. Sie hatten immer noch nicht die 7.000 Dollar für die Reparatur der Schäden an der 'Vega' im letzten Jahr bezahlt."

Thilo Bode: "Furchtlos, aber kein Rambo"

McTaggart zieht gegen Frankreich vor Gericht - und gewinnt. 1979 schafft er es, aus den vielen Greenpeace-Gruppen, die es inzwischen weltweit gibt, eine internationale Organisation zu machen. "Von da an war er der unumstrittene Kopf der Organisation", schreibt Thilo Bode, einer seiner Nachfolger an der Greenpeace-Spitze, 2001 in einem "Welt"-Artikel.

"David McTaggart war furchtlos, aber kein Rambo", so Bode. Dabei sei es ihm nicht leicht gefallen, auf Menschen zuzugehen. "Das tat seiner Faszination auf andere Menschen, insbesondere Frauen, keinen Abbruch."

Rückzug nach Italien

Als der französische Geheimdienst 1985 das Greenpeace-Schiff "Rainbow-Warrior" durch einen Bombenanschlag versenkt, geht McTaggart erneut vor Gericht. Die französische Regierung muss eine Entschädigung zahlen.

Bis 1991 ist McTaggart Chef bei Greenpeace International, dann zieht er sich auf einen Bauerhof in Italien zurück und betreibt ökologischen Olivenanbau. Am 23. März 2001 stirbt er bei einem Autounfall in der Nähe seines Wohnortes Paciano.

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