28. Juli 1741 - Antonio Vivaldi stirbt in Wien

Stand: 28.07.2016, 00:00 Uhr

Pop meets Hochkultur – Mo Trip trifft Vivaldi. Gut 300 Jahre liegen zwischen dem Aachener Rapper und dem venezianischen Großmeister der Barockmusik. Trotzdem kennen die meisten Schüler, denen Mo Trip beim WDR-Projekt "Das Vivaldi-Experiment" begegnet, zumindest "Die Vier Jahreszeiten" – und sei es aus der Werbung oder als Handy-Klingelton.

Unterstützt vom WDR Funkhausorchester produziert der bekannte Rapper derzeit eine moderne Crossover-Version von Antonio Vivaldis berühmtestem Werk. Das musikpädagogische Experiment will jungen Menschen vermitteln, warum Vivaldis Musik so unsterblich ist. "Einer, der andere nach so langer Zeit dazu bringt, selber einen Song schreiben zu wollen", sagt Mo Trip, "das ist das Größte, was ein Musiker erreichen kann."

Priester, Musiklehrer, Geigenvirtuose

Ein Zeitgenosse Vivaldis, der britische Musikhistoriker John Hawkins, schreibt: "Das Besondere an der Musik Vivaldis ist ihre Wildheit und Ungezwungenheit." Zu Lebzeiten wird der Komponist und Geigenvirtuose für den Klangreichtum und die Farbigkeit seines Riesen-Oeuvres gefeiert. Selbst Johann Sebastian Bach lässt sich von den Einfällen Antonio Vivaldis inspirieren. An die 1.000 Konzerte, Opern, Sinfonien und Kantaten verfasst Vivaldi, der "rote Priester", wie er wegen seiner Haarfarbe genannt wird. Dennoch gerät Antonio Vivaldi bereits bei seinem Tod in Vergessenheit. Erst 1930 tauchen seine verschollenen Partituren nach und nach wieder auf und erobern die Musikwelt ein zweites Mal.

Vivaldis Vater Giovanni Battista, ein gefragter Geiger in Venedig, entdeckt früh das musikalische Talent seines 1678 geborenen Sohnes. Um Antonio den sozialen Aufstieg zu ermöglichen, gibt er ihn in eine Ausbildung zum Priester. Als Kaplan des Ospedale della Pietà, eines Mädchen-Waisenhauses, liest Vivaldi nur anfangs die Messe. Stattdessen gibt er den Mädchen lieber umfassenden Musikunterricht, betreut das Orchester des Ospedale und bringt seine Konzerte und Opern zur Aufführung. Bald ist Vivaldi weit über die Grenzen Venedigs hinaus bekannt, für seine Kompositionen wie für sein virtuoses Violinspiel. "Ich habe die Ehre, mit neun Prinzen und gekrönten Häuptern in Kontakt zu stehen und meine Briefe kursieren in ganz Europa", rühmt er sich.

Dem Zeitgeist zum Opfer gefallen

Sein 1725 veröffentlichter Violin-Zyklus "Die Vier Jahreszeiten" ist in der Klangwelt des Barock eine Sensation. "Die vier Konzerte waren in ganz Europa verbreitet", berichtet der Musikwissenschaftler Michael Stegemann. "Sie waren stilprägend und –bildend für zahllose andere Komponisten." Gerade wegen ihrer heute so überstrapazierten Popularität gelte es, "die Originalität und Genialität dieser Musik neu zu entdecken", so der Vivaldi-Experte. Der venezianische Meister kann Höchstpreise für seine Partituren und Konzerte fordern und sein Arbeitstempo ist legendär. "Geschrieben in vier Tagen", notiert Vivaldi auf einer Opernpartitur. "Ich komponiere schneller, als meine Kopisten arbeiten."

Als Impresario macht Vivaldi das Theater Sant'Angelo in Venedig zu einer der großen Bühnen seiner Zeit. Ständig zwischen Oper und Ospedale pendelnd, kann er sich über Jahrzehnte als unbestritten erster Komponist Venedigs behaupten; zweimal tritt er vor dem Papst in Rom auf. Um 1730 aber beginnt sein Stern zu sinken. Die Musik erlebt einen Geschmackswandel und Vivaldis Werke erzielen immer geringere Preise. 1740 verlässt er Venedig und zieht nach Wien, wo er auf eine Anstellung als Hofkomponist hofft. Vergeblich – kaum angekommen, stirbt Kaiser Karl VI. und niemand interessiert sich mehr für die lebende Legende. Mittellos und verzweifelt stirbt Antonio Vivaldi nur ein Jahr später am 28. Juli 1741. Am Karlsplatz, wo heute die Technische Universität Wien steht, wird er in einem Armengrab bestattet.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 28. Juli 2016 ebenfalls an Antonio Vivaldi. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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