Stichtag

14. Dezember 1962 - Die Deutsche Welthungerhilfe wird gegründet

Stand: 14.12.2012, 00:00 Uhr

Viele Deutsche erinnern sich in den 1960er-Jahren noch an die Hungerjahre nach dem Krieg und spenden für arme Regionen der Welt. Eine nicht-konfessionelle Hilfsorganisation aber fehlt. Bis 1962 einen Fonds initiiert wird, aus dem sich die Welthungerhilfe entwickelt.

"Er wusste, was es bedeutet, wenn Menschen hungern", sagt Bernd Dreesmann, ehemaliger Generalsekretär der Welthungerhilfe über ihren Gründungsvater. Das war jemand, von dem man es nicht erwartet: Bundespräsident Heinrich Lübke (CDU), der bis heute wegen zahlloser rhetorischer Stilblüten belächelt wird. Zuvor hatte er jedoch das Amt des Bundeslandwirtschaftsminister inne und sich intensiv mit der Agrarwirtschaft beschäftigt. Als die FAO, das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen, 1960 die Kampagne "Freiheit vom Hunger" startet, wünscht er sich eine weltliche Hilfsorganisation in Deutschland. Die Hilfswerke der katholischen und evangelischen Kirche – Misereor und Brot für die Welt – sammeln bereits seit 1958 und 1959 Spenden im Kampf gegen den Hunger, an dem knapp ein Drittel aller Menschen auf der Erde damals leidet.

Von Null auf 460.000 D-Mark

Am 14. Dezember 1962 wird auf Lübkes Initiative hin der "Ausschuss für den Kampf gegen den Hunger" gegründet. Den Namen Welthungerhilfe erfindet kurze Zeit später Bernd Dreesmann, erster Generalsekretär des Hilfswerks: "Der Name enthält die drei Elemente, um die es geht: den Hunger, den Hunger in der Welt und Hilfe gegen diesen Hunger in der Welt." Es dauert fünf Jahre, bis Bundespräsident Heinrich Lübke zum ersten Mal zu Spenden aufruft. "Ich bin heute noch überrascht, dass wir damals aus dem Stand auf rund 460.000 D-Mark gekommen sind", erinnert sich Dreesmann.

Brunnen bauen und Frauen unterstützen

Überbevölkerung und Missernten wegen Dürren gelten in den 1960er-Jahren als Hauptursache für den Hunger. Das neugegründete Hilfswerk regt mit den Spendengeldern an, Brunnen zu bauen, und bildet Menschen für deren Reparatur und Wartung aus. "Mit relativ geringen Mitteln werden so tausende von Brunnen in Betrieb gehalten", erklärt Bernd Dreesmann. Als eine der ersten Organisationen kümmert sich die Welthungerhilfe um Frauenprojekte. Studien belegen mittlerweile, dass sich die Lebensbedingungen dort verbessern, wo Frauen gebildet und gleichberechtigt sind und ihr Wissen über Gemüseanbau, Gesundheit und Hygiene einbringen.

Milliarden Euro im Kampf gegen den Hunger

Insgesamt gab die Welthungerhilfe in den 50 Jahren ihres Bestehens nach eigenen Angaben 2,39 Milliarden Euro aus. Brot für die Welt setzte seit der Gründung 1959 über zwei Milliarden Euro für Entwicklungshilfe ein und Misereor seit 1958 6,2 Milliarden Euro. Trotz all dieser Anstrengungen hungerten Menschen immer wieder, zum Beispiel 1984 in Äthiopien: Eine halbe bis eine Million Menschen starben damals an den Folgen des Hungers. Drei Jahre lang hatte es nicht geregnet und ein Bürgerkrieg um das Nachbarland Eritrea verschärfte die Notlage zusätzlich. Dennoch hat sich seit Gründung der verschiedenen Hilfswerke viel verbessert. "Trotz der wachsenden Weltbevölkerung hungern heute rund 130 Millionen Menschen weniger als 1990. Damals hungerte eine Milliarde Menschen, heute sind es weltweit etwa 870 Millionen", erklärt Ralf Südhoff, deutscher Vertreter des UN-World Food Programme.

Weniger Spender verteilen mehr Geld

Nicht nur die Anzahl der Hungernden hat sich verändert, auch das Spenderverhalten. "Vor 50 Jahren hat etwa die Hälfte der Deutschen gespendet", sagt der Welthungerhilfe-Marketingleiter Michael Hofmann. Heute spende nur noch jeder Dritte. "Die gute Nachricht ist: Diejenigen, die heute spenden, spenden mehr und häufiger."

Stand: 14.12.2012

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