18. April 1986 - Uraufführung des Musicals "Cats" in Hamburg

Stand: 18.04.2021, 10:20 Uhr

Als das Musical "Cats" in Hamburg uraufgeführt wird, geht der Senat der Hansestadt davon aus, dass das Theater nach einem halben Jahr wieder frei werden wird. Aber dann läuft "Cats" weiter. Und läuft und läuft und läuft. Fast 15 Jahre lang allein in Hamburg.

Schon als Kind ist Andrew Lloyd Webber begeistert von den Katzengedichten aus T.S. Eliots "Old Possums Katzenbuch" (1939). 1977 erhält der Komponist die Erlaubnis von der Witwe des Literatur-Nobelpreisträgers, sie zu vertonen.

Dt. Erstaufführung Musical "Cats" in Hamburg (am 18.04.1986) WDR ZeitZeichen 18.04.2021 14:52 Min. Verfügbar bis 19.04.2099 WDR 5

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Zunächst konzipiert er die Gedichte, die eigentlich unterschiedliche Menschentypen porträtieren, als Liederabend. Aber dann fügt er alles zu einer Erzählung zusammen: Auf einer Londoner Müllkippe kommt eine Katzentruppe zum "Jellicle Ball" zusammen, an dessen Ende eine Katze erwählt wird, um wiedergeboren zu werden.

Als Musical "Cats" erobert die Geschichte die Welt.

Verflachung der Hochkultur?

Nach der Weltpremiere in London ist "Cats" in New York, Wien und Budapest bereits erfolgreich gelaufen, als Andrew Lloyd Webbers Firma "Really Usefull Company" dem Hamburger Produzenten Friedrich Kurz das Angebot unterbreitet, das Musical in Lizenz aufzuführen. Ursprünglich ist eine Tournee geplant, aber Kurz entscheidet sich für einen festen Standort in seiner Heimatstadt. Dazu will er mit Hilfe privater Geldgeber das dortige Operettenhaus umbauen.

Der Plan stößt zunächst nicht überall Türen auf. Eine Musicalproduktion unter kommerziellen Gesichtspunkten ohne öffentliche Finanzierung erscheint vielen Kritikern aus kulturkonservativer Perspektive als Zumutung. Auch Kurz' Prognose einer dreijährigen Laufzeit erscheint vielen überaus gewagt. Auch der Hamburger Senat als Eigentümer des Operettenhauses kann sich nicht vorstellen, dass das Musical länger als ein halbes Jahr aufgeführt werden kann.

Deshalb hat die Stadt kein Problem damit, die laufenden Hauskosten während der Aufführungsdauer zu übernehmen. Ein großer Fehler.

Die Katzen bleiben bis 2001

Denn Andrew Lloyd Webbers Musical, das durch musikalische Vielfalt, eine farbenfrohe Inszenierung und zahlreiche, aufeinander abgestimmte Showelemente besticht, straft alle Kritiker Lügen. Nach der Deutschlandpremiere am 18. April 1986 bleiben die singenden und tanzenden "Jellicle Cats" fast 15 Jahre lang im Operettenhaus. Nach Stationen in Stuttgart und Berlin gehen die Katzen doch noch auf Deutschlandtournee.

Mit "Cats" beschert Produzent Friedrich Kurz Deutschland in den 1980er Jahren einen Musical-Boom. 1988 bringt er in Bochum den "Starlight Express" auf die Spur, 1990 in Hamburg "Das Phantom der Oper". Für beide Produktionen werden eigene Theater gebaut. Damit ist der Beweis erbracht, dass das Musical eine Gattung ist, das sich finanziell über viele Jahre rentiert – und trotzdem hinlänglich experimentell und innovativ sein kann.​

Autorin des Hörfunkbeitrags: Martina Meißner
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 18. April 2021 an die deutsche Uraufführung von "Cats". Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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