4. Februar 1897 - CDU-Politiker Ludwig Erhard wird geboren

Stand: 27.01.2022, 13:44 Uhr

Für die CDU ist Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard in den 1950er Jahren eine Wahlkampf-Lokomotive. Er ist volksnah und kann sich gut verkaufen. Unumstritten ist der am 4. Februar 1897 geborene Politiker aber nicht.

Ludwig Erhard, zweiter Bundeskanzler (Geburtstag, 04.02.1897) WDR ZeitZeichen 04.02.2022 14:46 Min. Verfügbar bis 05.02.2099 WDR 5

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Ludwig Erhard gilt als Vater der D-Mark und Macher des Wirtschaftswunders. Dass Deutschland nach dem verlorenen Krieg so schnell wieder auf die Beine kommt, wird vor allem ihm angerechnet. Der erste Wirtschaftsminister der Bundesrepublik ist beliebt, noch heute sind viele Deutsche stolz auf ihn.

Sein Motto "Wohlstand für alle" und sein volksnahes Auftreten mit qualmender Zigarre, die an rauchende Industrieschornsteine erinnert, verschafft ihm Zuspruch - ebenso der CDU, für die er antritt. Von Erhards Fähigkeit der Selbstinszenierung und seinem Können als Wahlkämpfer profitiert auch Bundeskanzler Konrad Adenauer. Zwar haben die beiden prägenden Politiker der Nachkriegszeit kein gutes Verhältnis, dennoch gewinnen sie 1949 gemeinsam die erste Bundestagswahl.

Erhards Rolle im Dritten Reich

Während der Kanzler schlicht Erhards politische Kompetenz anzweifelt, kritisieren andere seine Vergangenheit: "Was politisch im Nationalsozialismus passiert, war ihm egal. Deswegen hatte er gar kein Problem, mit SS-Behörden zusammenzuarbeiten", verurteilt Journalistin Ulrike Herrmann Erhards Rolle im Dritten Reich. Dort verfasst er Gutachten, wie von der Wehrmacht besetzte Gebiete genutzt werden können. Nach dem Krieg habe er sich aber regelrecht als NS-Widerstandskämpfer inszeniert und damit Karriere gemacht, so Herrmann.

Geboren wird Ludwig Erhard am 4. Februar 1897 in Fürth. Er wird im Ersten Weltkrieg verwundet und studiert dann bis 1925 Betriebswirtschaft und Soziologie in Frankfurt. Später soll er das väterliche Textilgeschäft retten, kann den Konkurs in schwierigen Zeiten jedoch nicht verhindern. Ab 1928 arbeitet er im Nürnberger Institut für Wirtschaftsforschung.

Gute PR, glücklose Kanzlerschaft

Nach Kriegsende ist Erhard zunächst bayerischer Wirtschaftsminister und ab 1948 Wirtschaftsdirektor der amerikanischen und britischen Zone. Als Leiter einer Kommission bereitet er die Währungsreform vor. Allerdings: Den Aufschwung verdankt die junge Bundesrepublik vor allem den USA, die sie als Frontstaat gegen den Ostblock brauchen.

Großzügige finanzielle Unterstützung und Schuldenerlass helfen Deutschland aus der Misere. Erhard schafft es aber, die Erfolge für sich und seine Wirtschaftspolitik zu verbuchen. Wie kein anderer versteht er es, in Zeitungsanzeigen und Kinospots für sich zu werben.

So gelingt es ihm, 1963 Adenauers Nachfolger zu werden - gegen dessen Willen. Doch Erhards Kanzlerschaft ist glücklos, er wirkt überfordert. 1966 kommt es nach 15 Boomjahren zu einer Rezession mit 500.000 Arbeitslosen. Sein Nimbus als Wirtschaftsstratege ist getrübt, die CDU verliert wichtige Landtagswahlen. Die eigene Partei zwingt Erhard noch im selben Jahr zum Rücktritt. Bis zu seinem Tod 1977 bleibt ihm nur noch der Posten als Hinterbänkler im Parlament.

Autor des Hörfunkbeitrags: Thomas Pfaff
Redaktion: Gesa Rünker​

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