"Den musikalischen Bogen zu schlagen, in einem Stück mit 27 Nummern, ist unglaublich schwer. Da ist es viel leichter, einen Satz aus einer Beethoven-Sinfonie zu spielen". Dirigentin Silke Löhr, seit 2003 Akademische Musikdirektorin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, spricht über die Tücken, die "König David" bereithält. Das Werk sei wie eine Kneipp-Kur. "Man muss vom kalten ins heiße Wasser springen, alles muss sofort auf den Punkt gebracht werden." Trotz allem liebt sie Honeggers Werk, in dem Vieles verborgen sei, das sich zu entdecken lohne.
Als Ursprung des "König David" gilt das Volkstheaterstück mit Bühnenmusik "Le Roi David" von René Morax. Geschrieben wurde es ursprünglich für Laiendarsteller, kleines Ensemble und einen Liebhaberchor.
Der Schweizer Dramatiker wurde dazu auf einer Indienreise inspiriert. In "König David", ein Werk mit biblischem Charakter und orientalischem Einschlag, reihen sich in bunten Bildern Szenen aus dem Leben des ersten Königs der Israeliten.
Der junge Arthur Honegger übernahm die Aufgabe, Musik dafür zu komponieren. In nur zwei Monaten im Frühling 1921 entstand die Partitur. Die Restriktionen in der Besetzung - Uraufführungsort war das kleine Théâtre du Jorat in dem Dorf Mézières bei Lausanne - waren für Honegger zunächst schwer zu handhaben. Igor Strawinsky aber brachte ihn auf den richtigen Weg: "Tun Sie so, als hätten Sie diese Verteilung gewünscht.", lautete sein Rat.
Umarbeitung zum Oratorium
1923 arbeitete Arthur Honegger "König David" zu einem Oratorium um und gab ihm den Untertitel "Symphonischer Psalm". Ein Sprecher bettet nun die Szenen in eine locker gefügte Handlung ein, das Orchester ist vergrößert und umfasst jetzt auch Streicher, Harfe und Orgel. In dieser Version wird "König David" heute meist aufgeführt.
2017, im Jahr des 125. Geburtstags Honeggers, ist das Oratorium beliebt wie eh und je. Zwar konnte der Komponist selbst dem Werk, das einst seinen künstlerischen Durchbruch bedeutete, im Nachhinein nicht viel abgewinnen. 1951 schildert er in seiner Schrift "Je suis compositeur" ironisch, wie stark seine Schläfrigkeit sei, die ihn beim Hören stets befalle.
"König David" aber, das haben folgende Generationen längst entschieden, ist alles andere als langweilig. Das Oratorium vereint Anklänge an Bach, Anleihen bei Igor Strawinsky und Anregungen durch die Musik Debussys. Von Atonalität bis liedhafter Schlichtheit reicht die Spanne. Eine erstaunliche Mischung.
Eine Collage von Markus Bruderreck
Redaktion: Eva Küllmer