Schiffs- und Handwerksmuseum, Hegebeintum Warft, Stavoren, Nikolaas Kirche von Wiuwert, Workum, Dampfpumpwerk, "Stadthuis" und Planetarium in Franeker, Fries Museum und Blokhuispoort in Leeuwarden

Stand: 08.05.2022, 20:15 Uhr

Zahlreiche Museen laden dazu ein, mehr über die Geschichte Frieslands zu erfahren, darunter das Fries Museum in Leeuwarden. Das Schiffs- und Handwerksmuseum sowie das Dampfpumpwerk Lemmer zeigen Traditionshandwerk. Auf der Hegebeintum Warft und in Wiuwert stehen Kirchen mit interessanter Geschichte. Genauso spannend ist es im alten Planetarium in Franeker oder dem Begegnungszentrum Blokhuispoort in Leeuwarden. Stavoren ist ein alter Handelsstandort mit einer Anekdote einer reichen, gierigen Witwe. Workum besitzt einen hübschen historischen Stadtkern und ist beliebt für seine Wassersportmöglichkeiten.

Schiffs- und Handwerksmuseum

Das Museum in Earnewâld zeigt die typischen friesischen Schiffe. Auf diesen Lastenschiffen, den Skutsjes, wurden auch die Torfbriketts aus dem Moor in die friesischen Städte geliefert. Das Ladevermögen war hoch – bis zu 5 Tonnen. Die Bootsführer waren eine ganze Zeitlang mit dem Laden des Torfs beschäftigt und anschließend tagelang unterwegs. Deshalb lebten oft auch ihre Familien mit auf den Schiffen. Im Museum gibt es außerdem eine traditionelle Schmiede, die noch voll funktionsfähig ist. Beim Schmied können große und kleine Besucher etwas über das traditionelle Handwerk erlernen.

Hegebeintum Warft

Warften oder auch Terpen, wie die Friesen sie nennen, sind künstlich aufgeworfene Hügel, auf die man die Häuser baute, um sie vor den Fluten zu schützen, als es noch keine Deiche gab. Die Hegebeintum Warft ist mit 8,8 Metern die höchste Frieslands. Ein besonderer Blickfang ist die Kirche aus dem 12. Jahrhundert auf der Warft. Sie wurde aus verschiedenen Steinarten gebaut. Die Warft selbst stammt bereits aus dem 5. Jhd. vor Christus. Die Warften wurden oft aus Ton, Mist oder Haushaltsabfällen aufgeschüttet. Als ab 1.000 nach Christus die Seedeiche gebaut wurden, trug man die meisten Warftenhügel ab und benutzte die fruchtbare Erde der Hügel als Dünger für die Äcker.

Auf der Hegebeintum Warft steht noch eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert. | Bildquelle: WDR

Stavoren

Stavoren ist die älteste Stadt der Provinz Friesland und seit dem späten Mittelalter Hansestadt. Das machte den Ort zu einem Knotenpunkt mit Handelsbeziehungen bis in den Ostseeraum. Vor allem der Getreidehandel brachte den Bürgern Ansehen und Wohlstand. Der Historiker Josse Pietersma erzählt die Geschichte aus dem Mittelalter über Wyfke fan Starum, die als Skulptur in Stavoren dargestellt wird. Sie war eine reiche Witwe, die durch ihre Gier nach Schätzen die Stadt um ihren Reichtum brachte. Ob die Geschichte stimmt? Tatsache ist, dass die Stadt im späten Mittelalter ihre Bedeutung und Handelsbeziehungen verlor.

Stavoren ist seit dem Mittelalter eine Hansestadt. Vor allem der Getreidehandel brachte den Bürgern Ansehen und Wohlstand. | Bildquelle: WDR

Nikolaas Kirche von Wiuwert

Die Nikolaas Kirche von Wiuwert ist ein Geheimtipp von Historiker Josse Pietersma. Der typische spätgotische Backsteinbau ist zwar architektonisch nicht sehr bedeutsam. Was Sankt Nikolaas aber besonders macht, liegt unter dem Kirchenschiff verborgen. Hier befinden sich Menschen- und Tiermumien, deren Herkunft unbekannt ist. Die Kirche hat sich gegen eine Analyse der Mumien entschieden, um deren Geheimnis zu bewahren.

Workum

Das alte Städtchen Workum mit seiner reichen Vergangenheit ist durch einen 2 Kilometer langen Kanal mit dem Ijsselmeer verbunden. Bei den Touristen ist es beliebt, ebenso bei den Wassersportlern. Denn Workum ist ein Hotspot für Surfer und Kitesurfer und hat mehrere Yachthäfen. Das Ijsselmeer ist ein Binnensee mit Süßwasser. Die gesamte Region ist Polderland und liegt 30 bis 50 Zentimeter unter dem Meeresspiegel.

Das Städtchen Workum mit seinen Yachthäfen ist bei Wassersportlern beliebt. | Bildquelle: WDR

Dampfpumpwerk

Das Pumpwerk bei Lemmer ist das größte seiner Art weltweit und das einzige, das noch in Betrieb ist. Es wurde 1920 nach Plänen des friesischen Ingenieurs und Architekten Dirk Frederik Wouda fertiggestellt und nach ihm benannt. Dass es von oben wie eine langgestreckte Burganlage wirkt, war Absicht. Denn so wird architektonisch seine Kraft symbolisiert. Die entsteht mit Hilfe von Dampfmaschinen, die früher mit Kohle, heute mit Öl befeuert werden. Bis 1966 hat das Wouda-Werk allein ganz Friesland entwässert. Diese Anlage schrieb Industriegeschichte. Die Größe und Kraft der Maschinen hat die Welt beeindruckt. Der Antrieb von Hochwasserpumpen durch Dampfmaschinen wurde zum Vorbild für viele andere Anlagen dieser Art.

Das Dampfpumpwerk bei Lemmer wirkt wie eine Burganlage. | Bildquelle: WDR

"Stadthuis" und Planetarium in Franeker

Franeker gehört zu den elf historischen Städten Frieslands. Die Grachten im Städtchen wurden schon im Mittelalter angelegt. Es gibt zwei Museen und viele gut erhaltene, historische Bauwerke. Hier lebten früher schon Astronomen und Mathematiker. Die hiesige Universität war bis ins frühe 19. Jahrhundert eine der angesehensten des Landes. Der Brunnen an der Martinikerk imitiert einen Kometennebel. Er ist dem berühmten Astronomen Jan Hendrik Oort gewidmet, der im Jahr 1900 in Franeker geboren wurde. Außerdem existiert hier ein privates Planetarium aus dem 18. Jahrhundert. Eise Eisinga hat es in seinem Wohnhaus aufgebaut. Dieses älteste noch funktionierende Planetarium der Welt wurde 1781 fertiggestellt.

Fries Museum und Blokhuispoort in Leeuwarden

Leeuwarden ist Frieslands Hauptstadt und eine dieser freundlichen, liebevoll restaurierten holländischen Städte, in denen sich Freunde gerne zum Bummeln und Ausgehen treffen. Gemütliche Grachten und Backsteinhäuser im Renaissancestil zeichnen die europäische Kulturhauptstadt 2018 aus. Ein Wahrzeichen ist der schiefe Turm der Kirche Oldehove, der ursprünglich 120 Meter hoch werden sollte, aber beim Bau 1529 schon nach 10 Metern einsank. Im Fries Museum kann man mehr über die Geschichte Frieslands erfahren.

Die Leeuwarder haben das frühere Gefängnis Blokhuispoort zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgewandelt. 2007 wurde die sicherste und gefürchtete Strafanstalt in den Niederlanden geschlossen. Heute arbeiten hier 130 Unternehmer, meist aus der Kreativbranche. Es gibt ein Hostel, das die ehemaligen Zellen als Übernachtungsplätze nutzt. Im weitgehend architektonisch unveränderten Gebäude befinden sich auch Gastronomie und einige kleine Geschäfte mit einem kreativen Angebot. Ein Gefängnis gab es hier schon seit dem 16. Jahrhundert; das heutige Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Im ehemaligen Gefängnis von Leeuwarden befindet sich heute ein Kunst- und Kulturzentrum. | Bildquelle: WDR

Lesetipps zu Friesland

Manfred Fenzl, Anna Bunde
Friesland. Zwischen Ems, IJsselmeer, Waddenzee und IJssel. Mit Twenterevier und Route durch das Veen
Delius Klasing, 7. Aufl. 2023
ISBN 978-3667122148
Preis: 49,90 Euro
Reiseführer für Bootstouren durch die Region

Nicola Williams, Abigail Blasi u. a.
Lonely Planet Reiseführer Niederlande
Lonely Planet Deutschland, 2. akt. Aufl. 2023
ISBN 978-3829744812
Preis: 22,95 Euro

Ulrike Grafberger
CityTrip Groningen und Leeuwarden
Reise Know-How Verlag, 2. Aufl. 2024
ISBN 978-3831738120
Preis: 15,95 Euro
Städteführer mit Karten