Eine Person bedient ein Handy, das weder mit dem Android-Betriebssystem noch mit iOS läuft.

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Freiheit fürs Smartphone: Alternativen zu iOS und Android

Stand: 14.05.2024, 12:30 Von Anestis Jordanidis Gamechanger

Von Anestis Jordanidis

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Fast alle Handys laufen mit den Betriebssystemen Android oder iOS. Alternativen bieten mehr Kontrolle über eigene Daten, haben aber auch Nachteile.

Wer ein neues Smartphone kauft, hat oft nur die Wahl zwischen Android und iOS. Dabei ist das Betriebssystem das Herz jedes Smartphones. Es kontrolliert die Hardware und bietet eine Schnittstelle zwischen Nutzer:in und Software. Aber, ohne dass wir es wissen oder zugestimmt zu haben, sammeln Betriebssysteme oft eine Vielzahl von Daten wie Standorte, personenbezogene Daten oder Geräteinformationen. Was genau mit den Daten passiert, bleibt für viele Nutzende im Dunkeln. Leute, die mehr Wert auf Kontrolle und Datenschutz legen, könnten an alternativen Betriebssystemen Gefallen finden.

Alternativen zu den Marktführern von Google und Apple

Allein in Deutschland haben 2023 laut einer Befragung von Statista 93 Prozent eines der beiden Betriebssysteme von Google oder Apple genutzt. Dabei gibt es Alternativen, die sind aber eher unbekannt. Das quelloffene KaiOS ist so eine Alternative. Insgesamt ist das Betriebssystem sehr schlank gestaltet und braucht daher wenig Speicher.

Das ist auch der Hauptgrund, weswegen es meist auf sogenannten Smart-Feature-Phones zu finden ist – also klassischen Handys mit kleinem Bildschirm und Tastatur. Bei manchen dieser Handys handelt es sich um Nachbauten von alten Klassikern, wie dem Nokia 3330 – neben dem günstigeren Preis zu normalen Smartphones und der langen Akkulaufzeit sind sie zudem robuster und eignen sich zum Beispiel für ein Outdoor-Wochenende. Der hauseigene KaiStore versorgt die Handys mit Apps verschiedenster Kategorien, sodass trotz des alten Designs auch aktuelle Software problemlos auf den Handys läuft.

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Android ist ein Open-Source-Betriebssystem unter der Leitung von Google. Da die Software quelloffen ist, können andere Unternehmen dem Betriebssystem ein neues Aussehen verleihen oder von Werk aus Apps installieren, die im reinen Android-Betriebssystem normalerweise nicht vorhanden sind. Deswegen sieht die Oberfläche vieler Android-Geräte teilweise völlig unterschiedlich aus.

iOS hingegen ist ein Betriebssystem exklusiv für Apple-Produkte. Im Gegensatz zu Android ist dieses Betriebssystem nicht quelloffen, aber dafür sieht die grundlegende Bedienung auf allen Geräten gleich aus.

Google-freies Android und Linux als Alternative

Wer Android mag, aber Google nicht, kann auf alternative Android-Betriebssysteme umsteigen. Volla Systeme aus Remscheid bietet mit Volla OS ein solches alternatives System an. Der große Unterschied zum normalen Android ist hier, dass keine Google-Software vorhanden ist. Dadurch gibt es zwar den Google-Playstore nicht, jedoch geeignete quelloffene Alternativen. Neben Volla OS gibt es eine Reihe weiterer Betriebssysteme, die auf Android basieren und Google-Software daraus verbannen. Solche Systeme sammeln und senden weniger Daten an Google und bieten so mehr Datenschutz und Kontrolle über die eigenen Informationen.

Ubuntu dürfte allen ein Begriff sein, die schon einmal in die Linux-Welt eingetaucht sind. Ubuntu Touch wird von der gemeinnützigen Stiftung UBports weiterentwickelt. Da es keinen kommerziellen Erfolg gebracht hat, hat die Entwicklerfirma Canonical Ltd. das Betriebssystem 2017 aufgegeben, die Community wollte es aber unbedingt behalten. Denn das sind vor allem Menschen, die sich sehr gut mit der Thematik auskennen und z. B. gerne die Option haben, das Betriebssystem selbst weiterentwickeln zu können. Sie haben so die volle Kontrolle über ihr Handy, aber auch den Nachteil, dass der Ubuntu App-Store eine viel geringere Vielfalt hat als der von Android oder iOS.

Statt Betriebssystem bald KI-Assistenz?

Es ist nicht immer einfach, Smartphone-Betriebssysteme selber zu installieren. Der Prozess erfordert technisches Verständnis und bei Fehlern kann im schlimmsten Fall das Smartphone unbrauchbar werden. Außerdem sind nicht alle Systeme mit jedem Smartphone kompatibel. Auch verhindert das Betriebssystem nicht automatisch, dass Apps selbst Daten sammeln. Unter Umständen haben Nutzende also gar nicht so viel Kontrolle über ihre Daten, wie sie sich das wünschen. Vielleicht ist es bald aber auch gar nicht mehr nötig, zwischen Betriebssystem zu wählen, sondern zwischen KIs.

Auf der Mobilfunkmesse MWC 2024 in Barcelona präsentierte zum Beispiel die Deutsche Telekom ihre Vision eines zukünftigen Handys: Ein Gerät ohne Apps, stattdessen mit einer KI, die auf Sprachbefehle reagiert. Flugtickets kaufen, Einkäufe erledigen oder To-do-Listen erstellen: Das ständige Herumgeklicke auf Webseiten und Navigieren innerhalb von Apps könnte somit bald überflüssig werden. Wie die KI aktuell beliebte Apps ersetzen könnte, hat die Telekom aber noch nicht verraten.

In einer Welt, in der Datenschutz und Kontrolle immer mehr an Bedeutung gewinnen, bieten alternative Betriebssysteme für Smartphones einen Ausweg aus dem Daten-Wirrwarr – wenn auch teils mit Abstrichen. Vielleicht hilft und ins Zukunft aber auch eine KI, unser Smartphone-Betriebssystem ganz nach unseren eigenen Wünschen zu gestalten.

Mehr zum Thema:

Beliebtestes Smartphone-Betriebssystem in Deutschland im Jahr 2023 (statista.com)

Liu, Leith, Patras (2023): Android OS Privacy Under the Loupe – A Tale from the East (arxiv.org) [pdf]

Telekom-Pressemitteilung: KI-Phone – Telekom will Smartphones von Apps befreien (telekom.com)

Ein Handy ohne Google oder iOS – Geht das? (br.de)

Wie Berliner Aktivisten Smartphones "entgoogeln" (rbb24.de)

Homepage Ubuntu Touch (ubuntu-touch.org)

Informationen über KaiOS (developer.kaiostech.com)

Informationen über Volla Systeme (volla.online.de)

Kommentare zum Thema

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1 Kommentar

  • 1 Antidatenkrake heute, 01:17 Uhr

    Interessant wäre die Vorstellung, dass man ein Handy kauft, auf dem nur eine quelloffene multifunktionale Boosequenz enthalten ist und man sich dann mittels auf MicroSD gespeicherter Betriebssoftware selbst aussuchen kann, welches Betriebssystem man haben möchte, wobei dann auch Apple Geräte den physischen Port für die Nutzung von MicroSD haben müssten. Aber das wollen die Softwareriesen nicht, verdienen sie doch am Nutzerverhalten und den personalisierten Daten Millionen mit unseren Daten. Beispiel iPhone und iPad. Wenn man etwas tiefer in den Einstellungen sich bewegt, stellt man fest, wie viel Daten hier im Handy nachlesbar von jeder App gesammelt werden und somit dann auch massivst Speicherplatz missbrauch. Abschalten kann man das nicht.Warum nicht, will Apple nicht beantworten! Man schaltet die Senderei zwar augenscheinlich ab, aber beobachtet man sein Traffic,fragt man sich, was für Daten das iPhone/iPad doch gesendet hat? Da wird einem ganz übel!