Ein Mann im Rollstuhl fährt durch eine barrierefreie Schranke auf einen Waldweg.

Gemeinschaft

6 Beispiele für gelungene Inklusion

Stand: 22.11.2023, 12:59 Von Henrik Veldhoen Gamechanger

Von Henrik Veldhoen

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Diese Projekte und Ideen sorgen für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung.

Auf dem Spielplatz, im Supermarkt, in der Kita: Überall gibt es Ideen für mehr Barrierefreiheit im Alltag und mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung. Hier kommen fünf Beispiele für gelungene Inklusion, die unsere Gesellschaft lebenswerter für alle machen könnten.

1. Barrierefreier Strand: Mit Rollstuhl schwimmen 

Diese Idee macht das Meer auch für Menschen im Rollstuhl zugänglich. So funktioniert’s: Rollstuhlfahrende steigen am Strand auf einen Stuhl um, der auf einer Schiene befestigt ist. Per Knopfdruck fährt der Stuhl ins Wasser und nach dem Baden wieder zurück. Den Strom für den Motor erzeugen Solarzellen; gleich neben der Station gibt es eine rollstuhlgerechte Dusche.  

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Entwickelt wurde das barrierefreie Bade-System an der Universität von Patras in Griechenland. Über 200 griechische Strände sind schon mit der Schiene ausgestattet. Online gibt es eine Karte, die die Standorte der Rollstuhl-Badeschienen anzeigt. Die Kosten für das 15-Millionen-Euro-Projekt teilen sich der griechische Staat und die Europäische Union.  

2. Barrierefreier Spielplatz: Spielgeräte für alle Kinder

Ist es nicht viel schöner, wenn alle Kinder gemeinsam spielen können? Inklusion geht schon auf dem Spielplatz los. Hier können Kinder sich verausgaben und ihre Motorik trainieren, aber vor allem treffen sie auf Gleichaltrige und schließen neue Freundschaften – und das sollte für alle Kinder möglich sein, mit oder ohne Behinderung.

Zum Glück gibt es mittlerweile behindertengerechte Spielgeräte. Zum Beispiel Schaukeln, die speziell für Menschen im Rollstuhl gebaut sind. Sie stehen schon auf ein paar inklusiven Spielplätzen in Deutschland. Rollstuhlfahrer:innen können auf die barrierefreie Schaukel fahren, ihren Rollstuhl sichern und die Schaukel dann selbst zum Schwingen bringen.

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Und es gibt noch andere Spielgeräte für Kinder mit und ohne Behinderung. Auf einem Spielplatz in Stadtlohn in NRW steht ein Karussell, das sich für alle dreht. Das funktioniert ähnlich wie die Schaukel: Drauf fahren, den Rollstuhl sichern, und die Fahrt kann losgehen. Solche inklusiven Spielgeräte fördern das Körpergefühl – und das Miteinander.

3. Stressfreier Einkaufen: "Stille Stunde“ im Supermarkt

Endlich entspanntes Einkaufen für besonders sensible Menschen: Hast du schon mal von der "stillen Stunde“ im Supermarkt gehört? Das sind Zeiten, in denen im Geschäft keine Musik läuft, es keine Lautsprecherdurchsagen gibt und die Lichter gedimmt sind. Das soll den Einkauf für licht- und geräuschempfindliche Menschen erleichtern und eine angenehmere Atmosphäre für Menschen mit Autismus schaffen.

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Während der "stillen Stunde“ sind alle Menschen im Geschäft willkommen, die es gern etwas ruhiger mögen und von der Reizüberflutung im Supermarkt überfordert sind. Assistenzhunde beim Einkaufen sind erlaubt, die Angestellten tragen Warnwesten. Außerdem werden in dieser Zeit keine neuen Waren eingeräumt, und es ist mehr Personal im Geschäft.

Die Idee für dieses Inklusionsprojekt hatte eine Supermarkt-Angestellte aus Neuseeland. Wenn sie ihren Sohn, der Autismus hat, zum Einkaufen mitnahm, fing er immer an zu schreien. War es dunkler und ruhiger, war es für ihren Sohn angenehmer. Über Irland und die Schweiz kam die Idee der "stillen Stunde“ zu uns. Mittlerweile sorgen mehrere Supermärkte in Deutschland für eine ruhigere Atmosphäre beim Einkauf, zum Beispiel in Bergisch Gladbach und in Wickede.

4. In dieser Kita lernen Kinder Gebärdensprache

Die integrative Kindertagesstätte "Purzelbaum“ in Jülich ist eine Kita wie jede andere auch – mit einer kleinen Besonderheit. Die Kinder hier lernen nämlich Gebärdensprache. "In der Morgenrunde, bei Begrüßungsliedern, während wir zusammen Obstsalat schnippeln oder Memory aufdecken, machen wir einzelne Gebärden“, erzählt Kita-Leiterin Stefanie Kleinermanns.

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Seit 1994 werden in der Kita in Jülich Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut. Aktuell sind zwar keine gehörlosen Kinder in der Gruppe dabei, aber die Gebärdensprache wird trotzdem gebraucht. Das gibt es auch in anderen inklusiven Kitas – denn die Gebärden helfen zum Beispiel auch Kindern, die in ihrer sprachlichen oder geistigen Entwicklung eingeschränkt sind.

Eine Erzieherin in der Kita formt eine Gebärde mit den Händen, die Kinder schauen ihr zu, um Gebärdensprache zu lernen.

Auch in dieser Kita in Essen lernen die Kinder gemeinsam Gebärdensprache.

5. Diese Karte zeigt dir rollstuhlgerechte Orte in deiner Nähe

Wenn Menschen im Rollstuhl von einem Ort zum anderen wollen, scheitern sie oft an baulichen Hindernissen: Ein defekter Aufzug, eine Baustelle, eine Treppe vor dem Hausaufgang … Das kann frustrierend sein – denn gerade an Orten, an denen man noch nicht war, weiß man ja vorher nicht, ob sie auch wirklich barrierefrei sind.

Eine junge Frau im Rollstuhl drückt den Knopf, um einen Aufzug am Bahnhof zu rufen.

Weißt du, wie barrierefrei die Orte in deiner Umgebung sind?

Dafür hat der Verein "Sozialheld:innen“ die „Wheelmap“ entwickelt: Eine interaktive Karte, die rollstuhlgerechte Orte anzeigt. Jede:r kann mitmachen und Orte in der Nähe nach ihrer Zugänglichkeit bewerten. Laut Angaben der Seite hat die "Wheelmap“-Community mittlerweile die Barrierefreiheit für über 1,5 Millionen öffentlich zugängliche Orte wie Cafés, Bibliotheken und Schwimmbäder erhoben.

Maßgeblich an der Entwicklung von “Wheelmap” beteiligt war Sozialaktivist Raúl Krauthausen. Im Interview mit kugelzwei sagt er: "Wir wollten ein Tool bauen, das behinderte Menschen ermächtigt, zu bewerten, ob ihnen etwas zugänglich erscheint oder nicht. Wohl wissend, dass das erst mal nur eine Einzelmeinung ist. Aber es ist besser als gar keine Information zu haben.“

6. Barrierefreie Schranke im Wald

Immer wenn Frank Marasek mit seinem Rollstuhl in den Wald wollte, versperrte eine Schranke ihm den Weg. Seit einem Unfall sitzt der Ingenieur für Produktionstechnik aus Hessen im Rollstuhl. Die Schranke umfahren kann er wegen des unebenen Bodens nicht. Doch anstatt auf seine Runde im Wald zu verzichten, begann Marasek zu tüfteln – und entwickelte eine barrierefreie Schranke.

Das Bild zeigt eine Frau mit Kinderwagen, die durch eine Schranke geht.

Maraseks Erfindung erleichtert nun Menschen im Rollstuhl, aber auch Eltern mit Kinderwagen, Senior:innen und Radfahrenden den Zugang zu Naherholungsgebieten und sperrt gleichzeitig den Weg für Kraftfahrzeuge. Die Schranken können durch einen aufsetzbaren Bügel nachgerüstet werden und müssen nicht komplett erneuert werden. Mittlerweile hat sich Marasek seine barrierefreie Schranke patentieren lassen.

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Kommentare zum Thema

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1 Kommentar

  • 1 Anne Skribbe 01.04.2023, 18:02 Uhr

    In der OGS der GGS Hebborn in Bergisch Gladbach lernt schon die 2. AG Gebärdensprache! Die erste Gruppe hat im November den KIKA Award in der Kategorie „Kinder für Kinder“ bekommen. 😉