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Kultur

Kultur, die alle interessiert: So geht‘s

Stand: 20.12.2023, 15:17 Von Ann Sandmeyer Glücksfunken

Von Ann Sandmeyer

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Kultur ist wichtig – und wird in Deutschland deshalb öffentlich gefördert. Das ist richtig und wichtig, finden die meisten. Trotzdem spricht das Angebot kaum junge Menschen an.

Fast die Hälfte aller 18- bis 29-Jährigen findet laut einer aktuellen Umfrage: Die meisten Angebote in Theaterhäusern richten sich "nicht an Menschen wie mich.“ Viele fühlen sich fehl am Platz. Sie wünschen sich Verständlichkeit, Offenheit und weniger Hürden. Einige Einrichtungen haben das erkannt und setzen auf Mitbestimmung und gute Partys.

"Da bin ich fehl am Platz“

Theater ist wichtig – und soll das auch für die kommenden Generationen bleiben. Da sind sich die Deutschen einig, zeigt eine Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Theater, Opern, Museen gehören für 82 Prozent zur kulturellen Identität des Landes. In die deutsche Kulturlandschaft fließt außerdem viel Geld. Dabei sind etwa Theater nicht der Ort, an dem sich die Generation Z wohlfühlt. Fast die Hälfte (43 Prozent) der 18-29-Jährigen findet, dass sich die Angebote dort nicht an Menschen wie sie richtet. Ein Viertel sagt: "Ich weiß nicht, wie ich mich in Theaterhäusern richtig verhalten soll“.

Wie aber geht es besser?

Fast allen Befragten ist wichtig, dass die Angebote bezahlbar und sozial gerecht sind. Außerdem geht‘s um die richtige Ansprache. 88 Prozent wollen Angebote, die auch für ihre Generation gemacht sind; sich also speziell an Jugendliche richten und 81 Prozent wünschen sich allgemeine Verständlichkeit. Und: Social Media spielt eine große Rolle. Knapp die Hälfte aller 18- bis 29-Jährigen will sich über Instagram und Co. über die Kultur-Programme informieren können.

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Weniger Hochburgen und Einbahnstraße

Geleitet hat die Studie Dorothea Gregor. Sie findet, dass es zwar viele Angebote für junge Menschen gibt. Ihrer Meinung nach müssten die Jungen bei Entscheidungen stärker miteinbezogen werden, etwa bei der Planung von Spielplänen. Oft laufe es noch wie auf einer Einbahnstraße, ähnlich wie in der Schule.

Dorothea Gregor glaubt: Theaterhäuser müssen offener werden. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes; Theater sollen zu Orten werden, an denen gesellschaftliches Leben stattfindet. Zum Beispiel könnten die Foyers tagesüber als Räume genutzt werden, in denen sich junge Menschen aufhalten können, etwa mit Hausaufgabenbetreuungen, mit Musik- oder Tanzunterricht. So fühlen sich alle willkommen.

So geht’s: Mitentscheiden, was läuft

Das Theater Dortmund hat einen Weg gefunden, mehr Stimmen zu integrieren. Seit kurzem gibt es dort den Jungen Theater Rat. Ein offenes Treffen für Menschen zwischen 6 und 29. Sie sollen mitentscheiden können, was im Haus passiert und Themen vorschlagen. Außerdem gibt es eine Theater-Flatrate für Studierende und Projekte wie das Tiny Music House, eine mobile Bühne für Konzerte, Theater und Workshops, die in der ganzen Stadt unterwegs ist.

Dorothea Gregor sagt, zumindest einen Beirat aus der jeweiligen Stadtgesellschaft ließe man sich an Theatern problemlos einrichten. Wichtig findet sie, dass dort alle Zielgruppen abgebildet werden, also etwa Kinder und Jugendliche, LGBTQ*-Personen, die migrantische Community und das klassische Theaterpublikum.

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Tanzen und schlafen im Museum

"Nachts im Museum“ und die Exponate erwachen zum Leben – so läuft es in einem Blockbuster. Den hat sich ein Londoner Naturkundemuseum zum Vorbild genommen, um Menschen anzulocken, die sonst vielleicht nicht gekommen wären. Bei den “Dino Snores” schläft man eine Nacht unter den Exponaten der Haupthalle. Das ist mit umgerechnet 250 Euro nicht gerade günstig - aber immerhin öffnet das Angebot buchstäblich neue Räume für‘s Publikum. Die Termine sind schon Monate im Voraus ausgebucht.

Manchmal reicht auch einfach eine gute Party. Bei der Museumsnacht in Köln etwa wird an über 50 Orten in der ganzen Stadt bis in den frühen Morgen Kunst bestaunt und gefeiert. Auch hier ist der Andrang riesig.

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200 Euro für Kultur geschenkt! Alles auch eine Frage der Politik?

Stell dir vor, der Staat schenkt dir 200 Euro für Theater, Konzerte, Kino und Co. Genau das gilt in diesem Jahr für alle, die 18 werden. Per App können sie sich für den KulturPass registrieren. Die Bundesregierung will so die kulturelle Teilhabe junger Menschen fördern. Ähnliche Systeme gibt es auch in Frankreich, Spanien und Italien.

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In Deutschland haben bisher mehr als eine Viertelmillion Jugendliche ihr Budget freigeschaltet. Das meiste davon haben die 18-Jährigen für Bücher ausgegeben. Gerade laufen die Gespräche darüber, ob’s den Pass auch weiterhin geben wird. Im zuständigen Ministerium geht man aber davon aus.

Mehr zum Thema:

Kulturpass: So kommen 18-Jährige kostenlos ins Kino oder Theater (wdr.de)

Relevanzmonitor Kultur (bertelsmann-stiftung.de)

Das Theater Dortmund (instagram.com)

Übernachten im Museum (nhm.ac.uk)

Der Kulturpass der Bundesregierung (bundesregierung.de)

FAQ zum Kulturpass (wdr.de)

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