Auf dem Bild ist ein Studierendenwohnheim zu sehen.

Wohnen

Wohnungsnot: Wie Studierende ihr eigenes Wohnheim bauten

Stand: 23.07.2024, 14:30 Von Prasanna Boltersdorf Gamechanger

Von Prasanna Boltersdorf

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Es ist ein Dilemma, vor dem heutzutage viele Menschen stehen: bezahlbaren Wohnraum finden. Denn der wird in Ballungszentren immer knapper. Eine Gruppe junger Menschen in Heidelberg hat das Problem selbst in die Hand genommen und ihr eigenes Wohnheim gebaut.

Im Collegium Academicum leben seit Anfang 2023 knapp 180 Leute – selbstverwaltet. Sie teilen sich die Verantwortung, die Miete ist günstig und sie können dort mehr als wohnen, denn sie haben Gemeinschaftsräume mitgebaut, die sie auch zu ihrer individuellen Entfaltung nutzen können.

Ein Projekt, das aus Wohnungsnot entstand

Hinter dem selbstverwalteten Wohnheim-Projekt "Collegium Academicum" steht eine Gruppe Studierender, Auszubildender und Promovierender aus Heidelberg. Sie waren frustriert über die steigenden Mieten und wollten einen Ort schaffen, an dem das Zusammenleben selbstbestimmter gedacht und vor allem auch bezahlbar ist.

Alle Menschen der Projektgruppe besaßen nicht das nötige Eigenkapital, um ein Wohnheim dieser Größe allein zu finanzieren. Durch Spenden, gesammeltes Eigenkapital und einem Bund aus ähnlichen Projekten konnte das Heidelberger Wohnheim finanziert werden.

Eine Gruppe junger Menschen sitzt zusammen an einem Tisch und sind über nicht weiter erkennbare Pläne gebeugt. Sie trinken Kaffee.

Was heißt "selbstverwaltetes" Wohnheim?

2023 war es dann soweit: Das Wohnheim in Eigenregie war fertig und die ersten Studierenden, Auszubildenden und Promovierenden konnten einziehen. Jetzt kommt das Wort "selbstverwaltet" ins Spiel. Alle Menschen, die im Wohnheim leben, organisieren und verwalten es auch. Umgekehrt haben alle eine Stimme und können bei allem, was das Wohnheim betrifft, mitentscheiden.

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Dafür haben sie verschiedene AGs gegründet, die sich um die unterschiedlichen Bereiche kümmern. Auch die Leitung der AGs übernehmen die Bewohnenden. Von Wartungsarbeiten über Garten- und Öffentlichkeitsarbeit kann sich jede:r eine AG aussuchen. Dort werden dann Pläne für den Mülldienst erstellt oder Presseanfragen beantwortet.

Hohe Mietkosten? So klappt's in Heidelberg

Die Mietkosten können niedrig gehalten werden, da die Bewohnenden selbst Verantwortung für die Verwaltung und Instandhaltung übernehmen. Für alles, was die Finanzen betrifft, gibt es ebenfalls eine AG, denn im selbstverwalteten Wohnheim sind die Bewohnenden auch die Vermietenden. Sie setzen Mietverträge auf und kalkulieren den Mietpreis. Der liegt momentan bei 375 Euro im Monat (Warmmiete inklusive Strom und Internet, Stand Juli 2024).

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Eine Besonderheit der Gemeinschaft: Sollte es dazu kommen, dass Bewohnende sich die Miete nicht allein leisten können, zahlen diejenigen, die es können, etwas mehr und gleichen die Einnahmen auf diese Weise wieder aus.

Eigene Werkstatt und Aula

Im Collegium Academicum können die Bewohner:innen unterschiedliche Gemeinschaftsräume nutzen. Neben einem Gemeinschaftsgarten gibt es eine Werkstatt, die mit allem ausgestattet ist, um sich beispielsweise eigene Möbel zu zimmern. In der Aula, die das Kernstück des Wohnheims bildet, werden regelmäßig Organisationstreffen, Seminare und die ein oder andere Party ausgetragen.

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Ein Orientierungsjahr nach der Schule

Soll es ein Studium sein oder doch lieber eine Ausbildung!? Das Orientierungsjahr im Collegium Academicum bietet jungen Menschen die Möglichkeit, auszutesten, wie sie ihr Leben nach der Schule gestalten wollen. Neben einem Zimmer im Wohnheim umfasst das Programm Bildungsangebote, kulturelle Veranstaltungen und die Teilnahme an verschiedenen Projekten, Workshops und Vorlesungen an Unis.

Begleitet werden sie dabei von Pädagog:innen. Das Projekt soll den Teilnehmenden außerdem bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung helfen und Demokratie erlebbar machen. 2024 heißt die Wohnheim-Gemeinschaft 50 Schulabsolvent:innen für jeweils 10 Monate willkommen.

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Ähnliche Projekte in Deutschland

Ähnliche selbstverwaltete Wohnprojekte gibt es auch in anderen deutschen Städten, z. B. in Freiburg, Berlin und München. Dabei ist zu beachten, dass diese Projekte die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum nicht allein decken können. Auch sie haben nur eine begrenzte Anzahl an Zimmern zur Verfügung und diese sind begehrt, weil etwas günstiger.

Ist es denn so einfach, ein Wohnheim selbst zu verwalten?

Ein Wohnheim zu bauen und selbst zu verwalten ist natürlich nicht in fünf Minuten gemacht. Es kann hohen Zeitaufwand bedeuten, sich an den AGs zu beteiligen und sich regelmäßig um Verwaltung und Organisation zu kümmern.

Das kann neben dem Studium oder der Arbeit ganz schön stressig sein. Außerdem könnte in so einer Gemeinschaft der ein oder andere Konflikt entstehen, wenn unterschiedliche Meinungen und Persönlichkeiten aufeinandertreffen.

Diese Wohnform ist eher nichts für Leute, die lieber für sich sind oder Verantwortung scheuen. Wer Lust drauf hat, im selbstverwalteten Wohnheim zu leben, muss ein Bewerbungsverfahren durchlaufen und sich persönlich vorstellen, denn die Plätze sind begrenzt.

Fazit

Das selbstverwaltete Wohnheim und Bildungsprojekt in Heidelberg sind Ideen von und für junge Menschen, um bezahlbaren Wohnraum zu finden, dabei aber auch Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich persönlich weiterentwickeln zu können. Es geht allerdings auch mit viel Verantwortung und Arbeit einher. Trotzdem ist das Collegium Academicum sehr beliebt und solche Projekte können anderen Menschen als Inspiration dienen, selbst etwas gegen die Wohnungsnot in der eigenen Region zu tun.

Mehr zum Thema:

Teuer wohnen (tagesschau.de)

Studierende bauen ihr Wohnheim selbst (deutschlandfunknova.de)

#mittendrin in Heidelberg: Studierendenwohnheim in Selbstverwaltung (tagesschau.de)

Ein Wohnheim bauen in Eigenregie (deutschlandfunkkultur.de)

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