Der Gang zur Toilette gehört zum Leben dazu. Aber das, was am Ende durch die Leitungen gespült wird, ist für viele auch nicht sonderlich begehrenswert. Hier sind sieben Beispiele, wie wir unsere Exkrementen noch sinnvoll nutzen können:

1. Die Toilette als Mini-Biogasanlage

An der südkoreanischen Uni in Ulsan hat ein Forschungsteam 2021 eine Campustoilette vorgestellt, für die die Studierenden bezahlt werden, wenn sie die Toilette benutzen. Das WC wandelt Exkremente in Biogas und Dünger um. Die Studierenden erhalten für ihr Geschäft eine virtuelle Währung, mit der sie in der Uni einkaufen können.

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Das Prinzip: Nach dem Spülen landen Kot und Urin nicht in der Kanalisation, sondern in einem Tank. Mikroorganismen zersetzen den Tankinhalt und erzeugen das Gas Methan, womit eine Brennstoffzelle oder ein Boiler betrieben werden kann.

Pro Tag könne aus den Ausscheidungen eines Menschen eine halbe Kilowattstunde Strom gewonnen werden, sagen die Forscher der Uni. Das reiche, um beispieslweise ein Laptop einen Tag lang zu betreiben.

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Es gibt auch den Versuch, mit Hundekot Straßenlaternen zu betreiben. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Toilettengang an der Uni in Ulsan: Das Gas Methan wird für die Stromgewinnung genutzt. Und der übrige Hundekot kann als Dünger genutzt werden — im kleinen Stil.

In großem Stil geschehen diese Prozesse übrigens auch in Biogasanlagen. In den Behältern vergären pflanzliche Materialien wie Mais oder die Fäkalien von Tieren zum Gas Methan.

2. Aus Kot Dünger machen

Eine Firma aus der Nähe von Berlin wandelt mit ihrem nachhaltigen Sanitärsystem unsere Exkremente in nähstoffreichen Humus um. Dafür nutzen sie Trockentoiletten, die nicht so stark stinken, weil Kot und Urin getrennt werden und die Exkremente in trockenen, verwertbaren Streu eingebettet werden.

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Der Inhalt wird dann abgeholt und in einem mehrstufigen Verfahren zu Humus verarbeitet. Der Humus soll zukünftig auch für die Landwirtschaft oder den eigenen Garten genutzt werden.

3. Möbel aus Kuhmist

Der indonesische Designer Adhi Nugraha und sein Team haben eine Methode entwickelt, um aus Kuhmist Möbel zu machen. Der Kuhdung wird mit Wasser gereinigt, damit er nicht stinkt. Anschließend wird er in einer Form mit Kunststoffresten und Holzleim kombiniert und bei niedriger Hitze getrocknet, bis er hart ist.

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Der Herstellungsprozess soll einfach sein und wenig Energie verbrauchen. Das Designerteam erstellt schon jetzt Produkte wie Lampen oder sogar Lautsprecher aus Kuhmist.

4. Aus Urin wird Trinkwasser

Mithilfe einer speziellen Kläranlage auf der Internationalen Raumstation (ISS) können Menschen im Weltall Wasser aus ihrem eigenen Urin und Schweiß gewinnen. Diese Technik ermöglicht es, der Nasa fast 3000 Liter Wasser pro Jahr zu sparen. Fast ein Drittel der täglichen Wasserration für die Astronaut:innen kommt aus dem Mini-Klärwerk in der ISS.

Das Verfahren wurde über Jahre entwickelt. Mehrere Filtrationsschritte sind nötig, um am Ende trinkbares Wasser zu gewinnen. Das Ergebnis der Aufbereitung auf der ISS sei weitaus besser als das, was kommunale Wasserbetriebe auf der Erde erzielten, schreibt die US-Weltraumbehörde Nasa.

5. Mit Toiletten-Abwasser Pflanzen gießen?

In unseren Ausscheidungen stecken immer noch viele wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Phosphor. Diese Stoffe brauchen Pflanzen zum Wachsen. Können wir unser Toilettenwasser vielleicht noch zum Düngen nutzen? Das untersuchen Forschende der TU Braunschweig. Sie wollen wissen: Wie intensiv müssen wir unser Abwasser reinigen, damit es gut düngt, aber auch gesunde Pflanzen entstehen?

Mit Toilettenwasser Gemüse gießen – geht das?

Planet Wissen 21.03.2024 03:36 Min. UT Verfügbar bis 16.03.2026 WDR

Deshalb bauen sie Salat an — in einem "hydroponischen System", das ohne Erde auskommt. Stattdessen nehmen die Pflanzen ihre Nährstoffe aus dem Wasser einer Kläranlage auf. Das Wasser wird zuvor unterschiedlich stark gefiltert und gereinigt. Nach der Ernte werden die Pflanzen im Labor genau untersucht.

6. Krankheiten in der Kanalisation erkennen

Unser Stuhl verrät viel über uns: Zum Beispiel ob wir Drogen konsumiert haben oder an Krankheiten wie Covid-19 erkrankt waren.

Die im Jahr 2022 vorgestellte Studie „Abwasseranalyse und Drogen – eine europäische städteübergreifende Studie“ hat gezeigt, dass anhand der Abwasserdaten festgestellt werden kann, wie viele Drogen in Städten konsumiert werden. Die Belastungen von Kokain, Methamphetamine, Amphetamine und Cannabis seien im europäischen Abwasser im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Die Forscher gehen davon aus, dass insgesamt mehr Drogen konsumiert werden.

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Seit Beginn der Corona-Pandemie forschen unterschiedliche Einrichtungen am Corona-Abwassermonitoring. Es kann Aufschluss über die Verbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung geben.

Allerdings sei diese Methode nur bei einem gewissen Infektionsgeschehen möglich und könne keine Auskunft über die genaue Zahl der Infektionen oder die Schwere der Krankheit geben, urteilen Wissenschaftler:innen.

7. "Smarte Toiletten" – erkennt Hintern und analysiert Stuhl

Die Toilette der Zukunft könnte nicht nur unsere Hinterlassenschaften in die Kanalisation spülen, sondern auch gleich analysieren. Ein Forscherteam im "Smart Toilet Lab" der Duke University hat eine Methode entwickelt, um beim Stuhlgang automatisch eine Kotprobe zu sammeln.

Außerdem wird bei jedem Toilettengang ein Foto der Exkremente gemacht. Eine Künstliche Intelligenz kann dann das Bild analysieren und mit hoher Genauigkeit Stuhlform klassifizieren und Blut erkennen.

Forscher:innen der Stanford University haben 2020 eine Studie über eine Toilette vorgestellt, die durch Biosensoren Darm-, Blasen- sowie Prostata-Krebs und Nierenprobleme erkennen soll. Über klinisch übliche Farbabgleiche und einen anerkannten Stuhltest soll die Technik im Klo ähnlich zuverlässige Daten erheben, wie klinisches Personal.

Mehr Informationen zum Thema:

Corona-Früh- und Entwarnsystem aus dem Abwasser (bmbf.de)

Wie man Corona im Abwasser aufspürt (tagesschau.de)

"Smarte Toilette" überwacht auf Anzeichen von Krankheiten | News-Center | Stanford-Medizin

From stools to fuels: the street lamp that runs on dog do (theguardian.com)

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