In Deutschland wird zu wenig Blut gespendet. Eine Lösung wären Belohnungen. In anderen Ländern gibt es freie Tage, Geld oder Massagen.

Rund 47 Prozent aller Menschen in Deutschland haben schon einmal Blut gespendet. Damit versorgen sie die Krankenhäuser, die täglich 14.000-15.000 Blutspenden für Operationen, Behandlungen von schweren Krankheiten und die Versorgung von Unfallopfern benötigen. Besonders im Sommer kommt es aber oft zu Engpässen. So mussten 2021 in Rostock Operationen verschoben werden, weil es zu wenig Blut gab.

Zahl der Blutspenden sinkt

Daten des Paul-Ehrlich-Institutes zeigen, dass die Bereitschaft zur Blutspende deutlich zurückgegangen ist. Auch, weil es kaum Anreize dafür gibt?

Teilweise gibt es in Deutschland fürs Blutspenden eine kleine Aufwandsentschädigung. Für eine Vollblutspende können das um die 20 Euro sein, in vielen Blutspendezentren bekommt man mit Ausnahme von Snacks und Getränken aber auch keine Belohnung.

In anderen Ländern gibt es hingegen einen freien Tag oder sogar Steuererleichterungen. Hältst Du das für eine gute Idee? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare.

Polen: Blutspender:innen sparen Steuern und bekommen Süßigkeiten

Polen lockt Blutspendende mit Steuervergünstigungen. Pro Liter gespendetem Blut besteht Anspruch auf 130 Zloty, was ungefähr 27 Euro entspricht (Kurs am 10. Februar 2023). Wer Blut spendet, erhält dieses Geld aber nicht direkt, sondern es wird bei der Steuererklärung angerechnet. Es gibt dabei eine Grenze: Bis zu sechs Prozent des Einkommens können durch Blutspenden zusätzlich eingenommen werden.

Die Belohnung für Blutspenden in Polen: Süßigkeiten

Wer angestellt ist, bekommt außerdem einen Nachweis für den Arbeitgeber. Auf diese Weise wird der Tag der Blutspende zu einem freien Tag. Doch damit nicht genug: Spender:innen bekommen obendrauf noch ein großes Süßigkeiten-Paket. Die Menge ist vom Gesundheitsministerium vorgegeben: 4.500 Kilokalorien Süßzeug pro Blutspende. Das entspricht gut acht Tafeln Schokolade oder rund 1,3 Kilo Gummibärchen.

Tschechien: Sauna-Aufguss, Massagen und Zahnpasta für Spendende

In Tschechien gibt es im Gegenzug für eine Blutspende Entspannung. Blutspendende erhalten Gutscheine für Wellness-Angebote wie Schwimmen, Massagen oder die Sauna.

Belohnungen in Tschechien für das Blutspenden: Wellness und Zahnbürsten

Auch die Zahnhygiene kann unterstützt werden, etwa mit Zahnbürsten oder Mundwasser. Pro Jahr gelten Höchstbeträge: 2.000 Tschechische Kronen für Wellness sowie 1.000 Kronen für Zahnhygieneartikel. Je nach Wechselkurs entspricht das ungefähr 84 beziehungsweise 42 Euro (Kurs am 10. Februar 2023).

Italien: Staatlich finanzierter Mini-Urlaub lockt zur Spende

In Italien gibt es für die Blutspende einen freien Tag, und der zeigt Wirkung: Eine Studie von Verhaltensökonom:innen zeigt, dass die Bereitschaft zum Aderlass dadurch steigt. Für die Untersuchung wurden Daten von mehr als 2.500 Blutspender:innen einer italienischen Stadt verglichen. Personen, die sich nach der Spende den restlichen Tag freinehmen durften, haben 30 Prozent öfter gespendet.

Die Belohnung für Blutspenden in Italien: Einen Tag Urlaub

Die Besonderheit in Italien: Der freie Tag wird vom Staat bezahlt. Unternehmen haben also keinen finanziellen Nachteil, wenn ihr Personal Blut spendet.

Appell an die Solidarität und Information statt Belohnung

Könnten all diese Anreize vielleicht dazu führen, dass Menschen das System ausnutzen? Also zum Beispiel, indem sie bewusst Dinge verschweigen, die sie als Spender:in eigentlich disqualifizieren – nur um an die Belohnung zu kommen? In Österreich heißt es vom Roten Kreuz, dass die Blutspende ein Akt der Solidarität sei.

Andere Länder appellieren an das Gewissen der Bevölkerung. So zum Beispiel in Dänemark. Der Wunsch, anderen zu helfen, soll hier im Vordergrund stehen – nicht die Belohnung. Ähnlich geht es in Belgien und Frankreich zu, wo es für die Blutspende kein Geld gibt.

Wer Blut spenden will, muss Voraussetzungen erfüllen

Ob mit oder ohne Anreiz: Neben der persönlichen Entscheidung zur Blutspende gibt es weitere Bedingungen, die Blutspender:innen erfüllen müssen. In Deutschland gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Wer dazu noch gesund ist, keiner Risikogruppe angehört und mehr als 50 Kilogramm wiegt, darf bis zum vollendeten 68. Lebensjahr Blut spenden. Daneben gibt es noch weitere Kriterien, die vor einer Blutspende geprüft werden.