Karstadt - Gewinne für Geschäftemacher, Lohnverzicht für Angestellte

Karstadt - Gewinne für Geschäftemacher, Lohnverzicht für Angestellte

Bericht: Peter Onneken, Georg Wellmann, Anna Herbst

Georg Restle: „Paradiesische Verhältnisse. Aber was bedeutet es eigentlich für die Menschen hierzulande, wenn ausländische Großinvestoren ihr Geld in deutschen Immobilien anlegen, um damit Gewinne zu machen? Die Auswirkungen solcher Deals kann man zurzeit in einigen deutschen Innenstädten eigentlich ganz gut besichtigen. Zum Beispiel bei Karstadt, früher einmal eine der ganz großen Adressen im deutschen Einzelhandel. Alles vorbei, spätestens seit sich ein paar mehr oder weniger dubiose Geschäftsleute dran gemacht haben, märchenhafte Gewinne mit Karstadt-Immobilien zu machen. Gewinne, von denen zehntausende Karstadt-Mitarbeiter nur träumen können. Gewinne, die auch bei Unternehmen landen, die ihren Sitz - wen wundert’s? - in Steueroasen haben. Georg Wellmann und Peter Onneken.“

Es geht um diese beiden Herren: Milliarden schwer. Rene Benko und Beny Steinmetz. Der eine, Diamantenhändler, mit undurchsichtigen Geschäftspraktiken. Der andere, vorbestraft wegen Korruption, noch keine 40 und schon der größte Immobilien-Mogul Österreichs. Die beiden haben zusammen Milliarden in Karstadt-Immobilien investiert.

Arno Peukes, Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat: „Der Eindruck bei allen ist, ja es geht in der Tat nur um die Immobilie. Es geht nur um die Mietpreise und es geht nicht mehr um die Weiterentwicklung des Geschäftes. Und damit nicht um die Weiterentwicklung der Zukunft der Arbeitsplätze der Beschäftigten.“

Der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Karstadt ist frustriert. Arno Peukes erlebt seit mehr als zehn Jahren den Niedergang auf Raten. Denn der Handel von Karstadt schreibt schon lange rote Zahlen. Massenentlassungen, immer neue Sanierungspläne und immer neue Lohnopfer der Belegschaft haben daran nichts geändert. Bei Karstadt muss man eine Sache verstehen: Karstadt hat seine Warenhäuser längst verkauft. Das Karstadt Warenhaus ist nicht mehr Eigentümer, sondern zahlt hohe Mieten. Und die Filetstücke, die Immobilien etwa in Hamburg, Berlin oder Leipzig, sind bei Investoren heiß begehrt. 2013: Rene Benko sichert sich mit Beny Steinmetz zusammen 20 der rund 80 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Keine zwei Jahre später: Die beiden entflechten das Geschäft. Fünf Gebäude gehen zu Benkos Signa-Gruppe, 15 Immobilien gehen an die Steinmetz BSG real Estate. Doch kurz vor der Aufteilung schütten sie noch hohe Gewinne aus den Immobilien aus, insgesamt 208 Millionen Euro. Wir durchforsten Bilanzen aus dem Benko- und Steinmetz-Universum: 50 Millionen Euro Dividende finden wir in einer Benko-Firma in Luxemburg. Doch was ist mit den übrigen 158 Millionen? Wir suchen weiter in Jahresabschlüssen. Ein undurchsichtiges Geflecht von Firmen in Luxemburg, Guernsey, Niederlande, Liechtenstein und Österreich. Nirgendwo taucht die Summe wieder auf. Wir zeigen die Bilanzen dem Wirtschaftsprüfer Professor Lenz. Er hält die Informationen zu den Geschäften für dürftig.

Prof. Hansrudi Lenz, Universität Würzburg: „Hier haben wir es mit einem geschlossenen Gesellschafterkreis zu tun. Die geben sozusagen die Information an die Öffentlichkeit, die gesetzlich gefordert werden, gerade noch, aber kein Jota mehr.“

Landeten die 158 Millionen Dividende vielleicht bei Steinmetz? Wir fahren nach Liechtenstein. Hier im Steuerparadies soll die Steinmetz-Firma sitzen, die die Karstadt-Häuser hält. Doch der Pförtner weist uns ab. Man kenne hier weder Steinmetz noch sein Unternehmen. Seltsam, denn im Handelsregister ist genau diese Adresse angegeben. Weiter kommen wir hier nicht. Denn Liechtenstein hat eine ganz besonders attraktive Gesetzgebung für solche Briefkastenfirmen. Sie müssen keine Bilanzen offenlegen. Experten sehen Geldanlagen hier deshalb kritisch.

Prof. Hansrudi Lenz, Universität Würzburg: „Das deutet in der Regel darauf hin, dass man was verbergen möchte, dass man eben solche Konstruktionen wählt. Wenn Sie keine Jahresabschlüsse haben, dann ist das eben eine Blackbox, da können Sie nicht reinschauen.“

Auf Nachfrage, wo der Großteil der Millionendividende geblieben ist, äußern sich Benko und Steinmetz nicht. Fakt ist, bei Benkos Firmen landeten mindestens 50 Millionen. Benko verdient mit den Immobilien offenbar viel Geld, doch der Warenhausgesellschaft geht es weiter schlecht. Seit 2014 gehört der Benko-Gruppe der Karstadt-Handel. Zwar hat er nach eigenen Angaben auch in das Traditionshaus investiert, dennoch verlangt der Konzern weitere Opfer von den Angestellten. Kein Tariflohn und auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht mehr vorgesehen. Norbert Sachs ist Betriebsratsvorsitzender in Frankfurt. 250,00 Euro Lohn im Monat hat ein Mitarbeiter im Schnitt weniger. Da ist man auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld angewiesen.

Norbert Sachs, BR, Karstadt-Warenhaus Frankfurt: „Es ist in der heutigen Zeit eigentlich so und auch bei dem Verdienst von einer Verkäuferin, die benutzen dieses Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht, um in Urlaub zu fahren, sondern die machen ganz dringende Anschaffungen. Die sind darauf angewiesen. Das ist für die Existenzminimum, dass sie das bekommen. Die müssen sich nachher das Geld irgendwo leihen, und das, das geht gar nicht mehr.“

Er sieht überhaupt nicht ein, warum seine Kollegen auf Gehalt verzichten sollen, damit Immobilienbesitzer wie Benko und Steinmetz von Karstadt hohe Mieten kassieren können.

Norbert Sachs, BR, Karstadt-Warenhaus Frankfurt: „Wenn Mitarbeiter hier leiden müssen mit Gehaltsverzicht immer wieder und ein Eigentümer nachher Gelder rauszieht aus irgendwelchen Gründen. Das macht richtig wütend mittlerweile und da hat man auch überhaupt kein Verständnis mehr dafür.“

Sagt der Betriebsratsvorsitzende. Doch Benko hat noch ganz andere Pläne. Wir bekommen Unterlagen aus dem Karstadt-Konzern zugespielt. Streng vertraulich, intern. Da ist die Rede von bis zu ein Drittel Fremdnutzung mit Handelsketten wie Primark, Rossmann oder Roller. Angeblich, um Standorte attraktiver zu machen, um höhere Mieteinnahmen zu erzielen. Handelsexperte Gerrit Heinemann glaubt dagegen, dass das der endgültige Todesstoß für Karstadt sein könnte.

Gerrit Heinemann, Handelsexperte: „Das ist im Grunde eine Verkleinerung - oder Down-Sizing sagt der Experte - des Geschäftes um 30 Prozent, und das ist schon gewaltig. Also da gibt es woanders schon Massenentlassungen. Das ist ein normales Geschäftsgebaren für Immobilienbetreiber. Und Immobilienmanagement ist ja auch das Kerngeschäft von Benko und bestätigt eigentlich auch den Grund, warum er sich bei Karstadt engagiert hat. Das war mit Sicherheit nicht der Grund, Einzelhandel zu betreiben und erfolgreich ein Warenhaus in die Zukunft zu führen.“

Harte Worte des Experten. Wir sind in Stuttgart. Glaubt man de, Kritiker von Benko, ist das hier Karstadts Zukunft: Das Kaufhaus habe hier bis zuletzt schwarze Zahlen geschrieben, heißt es. Jetzt wird das Gebäude umgebaut. Es entstehe etwas Schönes. Die neuen Mieter heißen Primark, dm und Vodafone. Einen Karstadt sucht man hier künftig vergebens.

Stand: 15.04.2016, 11:14

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3 Kommentare

  • 3 Cashman 17.04.2016, 23:45 Uhr

    Es wird immer schlimmer in diesem Land die Unternehmer beuten uns mit kriminellen Methoden aus und legen ihr Geld in Panama usw an während wir für immer weniger Geld arbeiten sollen. Wer im einzelhandel arbeitet verdient so wenig das er sich fast nichts leisten kann und soll dann noch für Kleidung Geld ausgeben damit man dem Kunden seriös gegenüber steht während man kaum geld für sich hat und was ist mit der Rente, wie kann man dafür vorsoregn wenn man so gut wie gar nichts verdient. Es reicht. Die Leute müssen mehr streiken und den Arbeitgebern die Stirn bieten. Dies hattes nicht mal in de DDR gegeben. Pfui Teufel über die Arbeitgeberpolitik im Einzelhandel

  • 2 Martina 14.04.2016, 22:35 Uhr

    Danke Monitor für ihren aufklären Beitrag.Nicht nur der Konzern Kartstadt wurde ausgeschlachtet.Viele Mietswohnungen werden an Imobielnhaie verkauft. Die Bürger Deutschland können sich auf absehbarer Zukunft kaum noch Wohnungen leistet . Eine 2 Raumwohnung ist unter 750€ nicht mehr zu bekommen. Eine langjährige Verkäuferin verdient 1500€ netto.1100€ betragen die monatlichen Kosten. Zum sparren bleibt nichts übrig.Die Mieten werden immer teurer duch privatisieren an Imobielnhaie. Die Politik muss endlich gegen Miethaie und Imobielnhaie etwas unternehmen. Wenn 2016 die Miete 750€ kostet und ich in 11 Jahren in Rente gehe was ist dann ????

  • 1 D. 14.04.2016, 22:05 Uhr

    Ich finde es der Firma gegenüber absolut unloyal streng vertrauliche Papiere an die Presse weiterzuleiten und dort zu veröffentlichen! Die Weitergabe muss ja von einem Karstadt Mitarbeiter kommen. Wenn er/sie Probleme mit den Plänen der Firma hat, soll die Person doch kündigen und gehen!