Black Lives Matter: Rassistische Polizeigewalt in Deutschland

MONITOR vom 18.06.2020

Black Lives Matter: Rassistische Polizeigewalt in Deutschland

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Bericht: Lara Straatmann, Christina Zühlke, Aiko Kempen, Mathea Schülke, Jan Keuchel

Black Lives Matter: Rassistische Polizeigewalt in Deutschland Monitor 18.06.2020 09:03 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Lara Straatmann, Christina Zühlke, Aiko Kempen, Mathea Schülke, Jan Keuchel

Kommentare zum Thema, weiterführende Links und der Beitragstext als PDF

Georg Restle: „Trotz Corona demonstrierten Anfang Juni mehr als hunderttausend Menschen auf Deutschlands Straßen, weil ihnen eine Sache besonders wichtig ist: dem Rassismus die Stirn zu bieten. Einem Rassismus, den viele fast täglich in diesem Land erleben, weil sie schwarz sind oder sonst nicht ins Bild passen des weißen Durchschnittsdeutschen. Besonders oft begegne ihnen das, wenn sie auf deutsche Polizeibeamte treffen, sagen sie. Aber davon wollen viele Vertreter der weißen Mehrheitsgesellschaft offenbar nichts wissen. Kritik an der Polizei verbiete sich, hieß es heute aus der CDU. Dabei gibt es auch hier zahlreiche Fälle von rassistischen Übergriffen durch Polizeibeamte; nur so genau hinschauen möchte man hier eben auch nicht. Wir haben das getan, gemeinsam mit dem Handelsblatt.“

Hier Fahrrad zu fahren kostet Valiente viel Kraft. Das letzte Mal fuhr der Venezolaner hier im September 2019 entlang. Mit uns kehrt er zurück. Seinen richtigen Namen nennen wir zu seinem Schutz nicht. Damals ist der Pflegehelfer mit dem Fahrrad auf dem Weg zu einer Patientin. Kurz habe er mit seiner Frau telefoniert, auf Spanisch, Bescheid gesagt, dass er bald zu Hause sei. Er habe gemerkt, dass die Polizei ihm folgt. Kurz darauf fangen sie ihn ab. Und plötzlich eskaliert die Lage.

Valiente: „Drei Polizeibeamte sind zu mir angekommen und sofort geschlagen und attackiert, brutal attackiert. Er hat mich auf meine Hals sofort fest genommen. Ich konnte nicht richtig atmen.“

Ein Video zeigt ihn auf dem Boden liegend, umgeben von zahlreichen Polizisten. Sie hätten ihn beschuldigt:

Valiente: „Jemand von dieser Gruppe hat gefragt: Wo ist die Drogen? Du hast Drogen? Messer? Waffe? Sie haben mich über alles untersuchen.“

Er ruft, dass er ambulanter Pflegehelfer ist. Sie hätten ihm nicht geglaubt, bis sie seinen Dienstausweis gefunden hätten.

Valiente: „Ich habe gehört: Oh, Scheiße! Er ist wirklich eine Pflegehilfe. Und alle Polizisten verschwinden.“

Er bleibt zurück – mit zahlreichen Prellungen an Kopf, Hals, Oberschenkel, vom Arzt dokumentiert. Er kommt ins Krankenhaus, später in die Reha. Vor allem die psychischen Folgen sind geblieben. Für ihn ist klar, was der Auslöser für die Gewalt war.

Valiente: „Ich fühle, das war eine Rassismus-Attacke von Polizei.“

Die Polizei Berlin verweist wegen der laufenden Ermittlungen auf die Staatsanwaltschaft, doch die wiederum hat uns bislang nicht geantwortet. War es eine rassistische Tat? Das ist schwer zu belegen – wie so oft. Auffällig, Polizeieinsätze oder Kontrollen von nichtweißen Menschen arten immer wieder in massive Gewalt aus. Nur in wenigen Fällen gibt es Videomaterial. Etwa in Hamburg 2019 – Polizisten drücken einen Schwarzen Mann gemeinsam zu Boden. Einer der Polizisten presst sein Gesicht auf das Pflaster. Der Mann ringt nach Luft. Berlin, Kottbusser Tor 2018. Ein Polizist bringt einen Schwarzen Mann zu Boden, sie stemmen sich zu dritt auf ihn, schlagen zu. Ein Polizist kommt und tritt dem Mann in die Seite. Sind bei nichtweißen Menschen die Hemmschwellen niedriger? Ja, meint der aktive Polizist Oliver von Dobrowolski. Der Vorsitzende der Berufsvereinigung PolizeiGrün ist einer der wenigen internen Kritiker bei der Polizei.

Oliver von Dobrowolski, Kriminalhauptkommissar, Vorsitzender PolizeiGrün e.V.: „Ich bin der Meinung, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland häufiger Opfer von illegitimer Polizeigewalt werden. Der Grund dafür ist einfach, dass sich diese Communities seltener an Polizei-Beschwerdestellen oder auch an externe Beschwerdestellen richten, weil sie halt auch Angst haben und ganz einfach auch die Kommunikationsdefizite da sind. Und das wird dann halt auch eiskalt ausgenutzt.“

Ausgangspunkt sind oft verdachtsunabhängige Kontrollen, dabei werden häufig Menschen anderer Herkunft herausgepickt und durchsucht. Experten sprechen von Racial Profiling. Dieses Vorgehen mahnte jüngst auch die Europäische Kommission gegen Rassismus des Europarats an und fordert eine wirksame Fehlerkultur.

Zitat: „Auch wenn es starke Indizien für ein ausgeprägtes Racial Profiling gibt, sind sich viele Polizeidienststellen und -vertreter dessen nicht bewusst oder leugnen dessen Existenz.“

Erstaunlich, unabhängige empirische Untersuchungen zu Racial Profiling oder Rassismus unter Polizisten gibt es nicht. Ein Grund offenbar: Widerstände bei der Polizei.

Prof. Tobias Singelnstein, Kriminologe, Ruhr-Universität Bochum: „Es gab in der Vergangenheit tatsächlich Studien in der Polizei, die dort relativ kritisch gesehen worden sind und wo die Polizei-Gewerkschaften sich dann erhebliche Mühe gegeben haben, dass diese Studien abgeändert werden oder gar nicht stattfinden können.“

Keine Zahlen, keine Aufklärung. Valiente, der in seiner Heimat selbst zehn Jahre als Polizist arbeitete, hat Anzeige erstattet. Die Polizisten wiederum haben ihn angezeigt – wegen Widerstands, Beleidigung und tätlichen Angriffs. Valiente bestreitet die Vorwürfe. Dass Opfer von Polizeigewalt ihrerseits angezeigt werden, kommt häufig vor.

Valiente: „Ich habe gegen Polizei gar nichts gemacht. Und deswegen ich warte von die Gericht eine richtige Gerechtigkeit.“

Doch Statistiken legen nahe, dass Opfer von Polizeigewalt selten Recht bekommen. Im Jahr 2018 gab es 2.126 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wegen rechtswidriger Gewaltausübung. 89 % der Verfahren wurden eingestellt. In nur 2 % der Fälle wurde Strafbefehl erteilt oder Anklage erhoben. Staatsanwaltschaften, die Polizisten kaum anklagen? Deshalb fordern selbst Stimmen innerhalb der Polizei eine wirksamere Kontrollinstanz. Wie der Polizeibeamte Kai Seidensticker.

Kai Seidensticker, Polizeiforscher, LKA: „Wir bräuchten eigentlich eine wirklich unabhängige Instanz, die mit Beschwerden, mit Kontrollen umgehen kann und die auch hinreichend Befugnisse hat, damit umzugehen, so dass wir tatsächlich auch polizeilich da sagen können, wir haben kein Problem damit, unsere Tätigkeit tatsächlich überprüfen zu lassen.“

Seit einigen Jahren sollen sogenannte Landespolizeibeauftragte Ansprechpartner sein für Polizisten, aber vor allem auch für Bürger. Doch eine Umfrage von Handelsblatt und MONITOR zeigt: Für Bürger gibt es bei weitem nicht in allen Ländern unabhängige Anlaufstellen. Wer sich in diesen Bundesländern beschweren will, der kann sich nur an die Polizei selbst wenden - oder etwa an Petitionsausschüsse oder Abgeordnete. In anderen Ländern gibt es zwar Beschwerdestellen, aber die sind in das für die Polizei zuständige Innenministerium oder in die Staatskanzlei eingegliedert, also nicht unabhängig.

Nur in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg müssen sich die Beauftragten allein dem Parlament gegenüber verantworten. Doch über weitreichende Ermittlungsbefugnisse verfügen auch sie nicht. Auch weil Polizeigewerkschaften dagegen immer wieder Sturm gelaufen sind.

Dietmar Schilff, stellv. Vorsitzender Gewerkschaft der Polizei: „Eine Stelle, die halt über das normale Maß hinaus, was wir jetzt gerade diskutieren und eingeführt haben, wird durchaus auch als Misstrauensorganisation gesehen. Deswegen muss man die Debatte weiterführen, die führen wir auch weiter.“

Kontrolle gleich Misstrauen? Das sieht man in Dänemark anders. Hier gibt es seit 2012 eine unabhängige Behörde. 34 Mitarbeiter klären Konflikte mit der Polizei auf. Anders als in Deutschland haben sie ein Millionen-Budget und weitreichende Ermittlungsbefugnisse.

Niels Raasted, Chefermittler, Dänische Unabhängige Polizeibeschwerdebehörde (Übersetzung Monitor): „Die Polizeichefs in jedem Polizeibezirk sind verpflichtet, uns in diesen Fällen anzurufen, wenn eine Person bei einem Polizeieinsatz oder in Polizeigewahrsam schwer verletzt oder getötet wurde. Und dann werden wir reagieren und die Ermittlungen von einem sehr frühen Stadium an übernehmen.“

Reporterin (Übersetzung Monitor): „Was ist das Wichtigste an Ihrer Arbeit?“

Niels Raasted, Chefermittler, Dänische Unabhängige Polizeibeschwerdebehörde (Übersetzung Monitor): „Unsere Unabhängigkeit.“

Valientes Chancen, Recht zu bekommen sind in Deutschland eher gering. Die Polizei versucht, ihn nun zum Täter zu machen. Er kann wenig tun, fühlt sich ohnmächtig.

Valiente: „Traurig und enttäuscht. Ich wünsche, dass alle Leute wissen, dass ich unschuldig bin.”

Valiente ist in psychologischer Behandlung, gilt als berufsunfähig. Seinen Job als Pflegehelfer musste er aufgeben.

Georg Restle: „An alle, die solche Filme immer wieder missverstehen wollen: Nein, natürlich sind nicht alle Polizisten, nicht alle Deutschen und nicht alle Weißen Rassisten. Aber es gibt eben viel zu viele davon. Auch hier in Deutschland. Auch bei der Polizei.“

Stand: 18.06.2020, 22:30

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86 Kommentare

  • 86 Jürgen (Volljurist) 07.09.2020, 03:17 Uhr

    Esken hat wieder Stöckchen geworfen und ihre Schranzen wie Restle beim Regierungsfunk haben auf der Stelle in geradezu devoter Manier apportiert! Was muß eigentlich noch Alles passieren, um die gegenseitige Abhängigkeit von Politik und Regierungsfunk nachzuweisen . Der Eine kann ohne den Anderen nicht. Beide wären ohne den Anderen ein Nichts ! Der Staatsfunk ist Nichts Anderes als so eine Art Pressestelle des jeweiligen Landesfürsten, bei dem der Sender jeweils ansässig ist. Der linkslastige WDR ist das Ergebnis jahrzehntelanger poltischer Einflußnahme der SPD auf die .Anstalt ! Diese macht devot Regierungshofberichterstattung u. die Politik bedankt sich mit Bestandsschutz des ÖRR u. einem fürstlich hohem Gehaltsniveau ihrer Cheflakeien wie Restle auf Kosten der Allgemeinheit, die dieses Spiel mittels GEZ-Zwangssteuer mitmachen muß !. Unter diesen Zwangszahlern gibt es Viele, die bereits große Mühe haben, die Zwangssteuer aufzubringen, z.B. Armutsrentner : Erbärmlich ist das !

  • 82 Anonym 16.08.2020, 22:56 Uhr

    Viele Kommentare hier sind so entsetzlich gemein, dass ich, hätte ich Migrationshintergrund, Angst hätte, das Haus zu verlassen.

  • 78 Anonym 03.08.2020, 14:05 Uhr

    Die Lebenswirklichkeit von Multi-Kulti in D. ist inzwischen, auch wenn es einige Wenige wie Restle noch nicht bemerkt haben , daß viele von den jungen Migranten im wehrdienstfähigen Alter, die zuvor fast Alle noch nicht einen einzigen einen Cent Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben und sich hier daher ohne Gegenleistung an den gedeckten Tisch setzen . die dt. Gesellschaft verachten, , sich nicht integrieren wollen und an der dt. Gesellschaft nur interessiert sind, soweit es von dieser Materielles zu holen gibt. Solange ich nicht die wahre Identität dieser Leute kenne, die seit 2015 zu ca. 80 % massenhaft ohne Ausweispapiere ins Land gekommen sind, solange kommt bei mir keiner von denen ohne Ausweis über die Türschwelle ! Ich bin froh wie die ganz überwältigende Mehrheitsgesellschaft, daß die Polizei ihre Arbeit verrichtet, so wie das bisher getan hat, auch wenn das wenigen Spinnern aus dem linken Milieu, wie Esken oder Restle nicht paßt !

  • 76 Anonym 26.07.2020, 19:03 Uhr

    Die Sozen Esken , Dreyer bzw. OB Geisel als Fan von Antisemit Farid Bang flehen mit ihren Stellungnahmen zum Thema geradezu den völligen Untergang der Alten Tante SPD herbei, als wenn aktuell 14 % noch nicht schlecht genug wäre ! Sicherlich kommt als nächste SPD-Forderung : Erst einmal Freibier für alle Plünderer und Autonomen bei der nächsten City-Randale-Party;, bevor es zum gemeinsamen Plündern in die Geschäfte geht ! Was haben die Deutschen eigentlich alles an Schandtaten verbrochen, um von solchen Politikern regiert zu werden ? Hier zeigt sich zum XXXX-ten Male die totale Realtätsblindheit der Spitzensozis. Und dann faseln diese aktuell auch noch von einem Kanzlerkandidaten 2021! Einfach sensationell unglaublich ! Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich !

  • 75 Anonym 26.07.2020, 16:58 Uhr

    Statements von Esken,Dreyer,OB Geisel/ Antisemit FaridBang u,a. innerhalb der letzten 3 Wochen zu angeblichem Rassismus in Gesellschaft ohne Vorlage jeglicher Beweise ! Projekt "Grabplatte über die SPD " ist gestartet ! Und das ist auch gut so ! Wer braucht diese Partei noch ? Diese Partei ist inzwischen so lästig wie Fußpilz !

  • 72 Restle, fahr hin ! 17.07.2020, 14:17 Uhr

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  • 71 nur meine Erfahrung ! 10.07.2020, 15:59 Uhr

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  • 70 Günther Angert 07.07.2020, 14:40 Uhr

    Angesicht stetig steigender Gebühren, wäre es an der Zeit zu sparen. Politsendungen im Ersten sind schon lange zu links grüner Hass und Hetzpropaganda verkommen, Also überflüssig. Kein Bericht von linker Gewalt der Antifa, von Verbrechen von Ausländer, nein nur einseitige Hetze, eine Schande. Dafür werden Gebühren verschleudert? Aussagen vor der Kamera von sogenannten Zeugen so oft wiederholt bis es passt gegen Aufwandsentschädigung, oder doch Honorar? Machen Sie endlich Schluss mit diesen Mist, Schund und Dreck, es spart auch ordentlich Geld. Geld für anspruchsvolles Programm nicht diesen Mist.

  • 69 Jürgen (Volljurist) 07.07.2020, 13:16 Uhr

    Der Staatsfunk mit seiner Allzweckwaffe Restle macht hier wieder Männchen vor der Politik, indem er ohne jegliche seriöse, repräsentative Nachweise der Polizei pauschal Rassismus unterstellt, nachdem die große SPD-Vorsitzende Saskia Esken nur wenige Tage zuvor exakt den gleichen Vorwurf pauschaler rrassistischer Polizeigewalt ebenfalls ohne Angabe jeglicher Nachweise aufgestellt hatte. Was muß eigentlich noch geschehen, um nachzuweisen , daß der Staatsfunk als 4. Gewalt ein Totalversager ist und sich nach seinem Selbstverständnis als Verkäufer von Regierungspolitik verstehen muß ! Hier zeigt sich deutlich das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis von Politik/Regierung und ihrem Staatsfunk. Der Eine ist vom Anderen so abhänigig wie der Junkie an der Nadel ! Was das mit freiem Journalismus zu tun hat, ist mir ein unlösbares Rätsel !

  • 68 Rudolf Franke 07.07.2020, 09:31 Uhr

    Nicht alle, selbstverständlich nur eine kleine Zahl der Beamten würden sowas tun. Aber warum wollen Diese es nicht so genau wissen, was Kollegen in der anderen Schicht so treiben?? Da fängt ein strukturelles Problem an.

  • 67 Hetschold Heinz-A. 06.07.2020, 23:34 Uhr

    Wären wir ohne wissenschaftliche Erkenntnisse/Studien im Umgang mit dem Pandemieproblem so umsichtig und relativ erfolgreich geworden? Warum haben die Bundesinnenminister und auch der Landesinnenminister NRW Angst vor Wissenschaft und Aufklärung? Das hat man nur, wenn man zutreffende,unbequeme und kritikwürdige Ergebnisse fürchtet. Moral? Nicht nachweisbar! Angst sichtbar!