#WenWählstDu?

Wen wählst du?

#WenWählstDu?

„Wen wählst Du?“ Was für eine unverschämte Frage! Wer will das schon öffentlich sagen? Lieber reden wir darüber, wen wir lieben, was wir essen oder an welchen Gott wir glauben. Warum eigentlich? MONITOR geht dem mit dem social-media-Format #WenWählstDu auf den Grund: Warum ist die Frage ein so großes Tabu? Haben wir Angst, uns angreifbar zu machen, wenn wir uns zu einer Partei bekennen? Oder unsere Unabhängigkeit zu verlieren? Und überhaupt: Was ist so verwerflich daran, diese Frage zu stellen – in einer Demokratie, in der Parteien wesentlich zur Willensbildung beitragen. So steht es schließlich im Grundgesetz.

MONITOR fragt bei #wenwählstdu Journalist:innen, Schriftsteller:innen, politische Aktivist:innen: Menschen, die zu vielen politischen Fragen öffentlich Stellung beziehen – und dann doch immer wieder irritiert reagieren, wenn MONITOR ihnen diese simple Frage stellt. Gefragt hat die Redaktion u.a. die Moderatorinnen Dunja Hayali und Caren Miosga, den Kolumnisten Jan Fleischhauer, den Comedy-Autoren Lutz Van der Horst, die Klimaaktivistin Carola Rackete und viele mehr.

Der Kolumnist Jan Fleichhauer etwa hat kein Problem als Journalist zu sagen, wen man wählt: „Ich meine, es wäre ja geradezu komisch, das nicht zu tun.“ Anders sieht das tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga: „Journalisten sollten das nicht tun, weil sie dann voreingenommen wären.“ Sie müsse in der Lage sein, in alle Richtungen kontrovers und hart zu fragen. „Es ist eine absolute Voraussetzung, dass ich meine eigene politische Meinung nicht in die Sendung trage“, sagt Miosga gegenüber MONITOR.

Für den Comedy-Autor Lutz van der Horst gibt es einen Unterschied zwischen „dem privaten Lutz und dem, der Politsatire macht“. Privat spreche er darüber, vor der Kamera nicht. Er vermutet, dass es auch an der deutschen Geschichte liege, warum wir nicht darüber sprechen wollten, wen wir wählen. Wie van der Horst möchte auch die Journalistin Dunja Hayali ihre Wahlentscheidung nicht öffentlich machen. Auch sie spreche darüber mit Familie und Freunden. Was sie allerdings verwundert: Warum Menschen sich schwer täten, zu einer Partei zu stehen – wenn sie denn eine hätten. Sie vermutet, weil sie nicht auf „Schubladen festgetackert“ werden wollten.

Wen er wählt, will Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus auch nicht sagen. Eine klare Einschränkung macht er allerdings, die AfD komme für ihn keinesfalls in Frage: „Die AfD ist alles andere als eine demokratische Partei. Wenn die AfD an die Macht kommt, dann müssen wir unsere Koffer packen.“

Stand: 14.09.2021, 15:00