Neue rassistische Chatgruppe bei der Polizei Berlin

Pressemeldung vom 01.10.2020

Neue rassistische Chatgruppe bei der Polizei Berlin

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Muslime werden als „fanatische Primatenkultur“ bezeichnet, Flüchtlinge mit Vergewaltigern oder Ratten gleichgesetzt, Neonazis als mögliche „Verbündete“ bei linken Demonstrationen bezeichnet. Nach dem Skandal um rechtsextreme Chatgruppen bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen ist nun auch ein rassistischer Polizeichat in Berlin aufgetaucht.

Schild an einer Polizeiwache

Es handelt sich um den internen Chat einer Dienstgruppe der Berliner Polizei. Mehr als 25 Beamte haben sich darin ausgetauscht. MONITOR liegt der Chatverlauf über mehrere Jahre bis Mitte 2020 exklusiv vor. Vor allem sieben Beamte äußern sich darin regelmäßig klar rassistisch, häufig in Form von vermeintlichen „Witzen“. Kollegen kommentieren die Äußerungen häufig mit Zustimmung.

Die geteilten Inhalte seien „schlicht menschenverachtend“, sagt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, der Auszüge aus den Chats eingesehen hat. „Diejenigen, die das hier posten, haben einen Eid auf unser Grundgesetz geschworen – und das steht in diametralem Gegensatz zueinander“, so Fiedler.

MONITOR vorliegende Unterlagen dokumentieren zudem, dass ein Vorgesetzter der Gruppe über rassistische Äußerungen im Chat informiert war. Eingeschritten ist er aber offenbar nicht. In einer E-Mail forderte er die Beamten lediglich auf, keine strafrechtlich relevanten Inhalte zu teilen.

Berlins Innensenator Andreas Geisel wurde von MONITOR über den Chat und einige der Inhalte informiert. Ein Interview lehnte er daraufhin ab. Schriftlich erklärte er: „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, ist dies absolut inakzeptabel und hat nichts mit einer modernen, weltoffenen Hauptstadtpolizei zu tun.“

Stand: 01.10.2020, 06:00

Kommentare zum Thema

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9 Kommentare

  • 9 Frank 01.10.2020, 17:10 Uhr

    Es ist schön zu sehen dass das Thema Rassismus nun aufgegriffen wird und vielleicht auch Konsequenzen folgen, aber Rassismus wird nur bei extremer Form nun untersucht, wo doch Rassismus in Verwaltungen und in Gerichten dies genauso vertreten ist. Hatte schon Dienstanweisungen von Ministerien vorliegen in denen steht, dass man sich bei Ausländern nicht an Gesetzte bzw. Höchstrichterlichen Entscheiden halten muss? Gibt es ib Deutschland ein Problem Ja Innenministerium In Behörden gibt es kein Rassismus

  • 8 quanaque 01.10.2020, 16:14 Uhr

    echt? wow, das hätte niemand erwartet, vor allem , dass es sich anscheinend um eine ganz neue erscheinung handelt, nazi kern in der exekutive... unvorstellbar in deutschland....

  • 7 Martin 01.10.2020, 14:31 Uhr

    An dieser Stelle vielen Dank an die zwei PolizeibeamtInnen, die sich entschlossen haben das öffentlich zu machen. Das ist die Polizei wie sie sein muss. Vielen, vielen Dank. Nun muss es nur noch die Politik und Leitung geben, die solche Polizei und Polizistinnen auch schützt und ermutigt. Davon sehe ich noch zu wenig. Gelinde gesagt.

  • 6 Mario David 01.10.2020, 13:13 Uhr

    Schon wieder ein "Einzelfall"?

  • 5 Lulli 01.10.2020, 12:43 Uhr

    Oops, ein Einzelfall.

  • 4 Christine 01.10.2020, 11:47 Uhr

    Die Tendenzen waren stets vorhanden, wurden aber als "bedauerliche Einzelfälle" abgetan.

  • 1 H.Reul 01.10.2020, 09:38 Uhr

    Ein bedauerlicher Einzellfall