Der Faktencheck zur Sendung vom 16.12.2019

HAF-Gäste

Leckerli fürs Hündchen, Bolzenschuss fürs Kälbchen, Mensch, wie geht das zusammen?

Der Faktencheck zur Sendung vom 16.12.2019

Mit der Tierliebe der Deutschen, mit Futter, Spielzeug, Hundeschulen, macht eine Industrie Milliarden. Warum ist es uns dann aber egal, wie elend Rind, Huhn oder Schwein leben und sterben? Warum ist uns das Tier zu-hause lieb und teuer und bei dem im Stall zählt nur der Preis?

Eine Talkshow ist turbulent. Oft bleibt während der Sendung keine Zeit, Aussagen oder Einschätzungen der Gäste gründlich zu prüfen. Deshalb hakt hartaberfair nach und lässt einige Aussagen bewerten. Die Antworten gibt es hier im Faktencheck.

Kees de Vries über Gülle in Deutschland

Kees de Vries (CDU) sagt, es gebe in Deutschland nicht zu viel Gülle. Sie sei lediglich ungleich verteilt.

Kees de Vries (re.) mit Achim Gruber 00:20 Min. Verfügbar bis 16.12.2020

So sieht es auch das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL). Es beruft sich dabei unter anderem auf Schätzungen des Thünen-Instituts, einer landwirtschaftlichen Forschungseinrichtung. Demnach erzeugen die Nutztiere in Deutschland mit ihren Ausscheidungen deutlich weniger Nährstoffe als auf den Äckern verwertet werden könnte. “Rein rechnerisch ist die insgesamt in Deutschland anfallende Menge an Gülle und anderen tierischen Düngern somit nicht das Problem“, heißt es beim BLZ. Vielmehr gestalte sich die ungleiche Verteilung zwischen den Regionen, in denen die Gülle anfällt und den Regionen, in denen sie benötigt wird, als problematisch. So fällt beispielsweise in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen besonders viel Gülle an, da hier deutlich mehr Schweine und Rinder gehalten werden als in den neuen Bundesländern, in denen vergleichsweise viel Getreide angebaut wird. Entsprechend problematisch sei daher die Nitratbelastung in Niedersachsen und NRW, da alleine hier 60 Prozent aller Schweine, 55 Prozent aller Puten und über 70 Prozent aller Masthühner gehalten werden, so das BZL. Betriebe sind verpflichtet, überschüssige Gülle, die sie nicht für die eigenen Flächen verwerten können, loszuwerden – etwa an Landwirte in der Nachbarschaft, die Ackerbau betreiben. Bleibt immer noch Gülle übrig, wird diese inzwischen über “Güllebörsen“ vertrieben – auch in weiter entfernte Regionen. Kritiker halten den Transport der Gülle über viele hundert Kilometer allerdings für ökologisch und ökonomisch problematisch.

Achim Gruber über Kindchenschema und menschliche Bedürfnisse

Achim Grube sagt, Extremzüchtungen, die darauf abzielen, die Köpfe der Hunde zu vermenschlichen, hätten die Absicht, beim Menschen einen „Brutpflegeinstinkt“ zu wecken, der durch das „Kindchenschema“ ausgelöst werde. So könne etwa eine schnellere Bindung zum Hund aufgebaut werden. Hat Hundezucht immer stärker die Bedürfnisse des Menschen im Blick und zu wenig die des Hundes?

Achim Gruber 00:38 Min. Verfügbar bis 16.12.2020

“Prinzipiell wurden Hunde schon immer so gezüchtet, dass sie vor allem die Bedürfnisse von Menschen befriedigen“, sagt Prof. Jan Ehlers. Ehlers ist Veterinärmediziner und Tierethiker an der Universität Witten-Herdecke. Aus diesen Züchtungen seien die verschiedenen “Hunderassen“ wie zum Beispiel Hütehunde, Schweißhunde oder auch Bau- bzw. Erdhunde ja erst entstanden. Allerdings sei die Züchtung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer stärker optischen Moden unterworfen worden, sagt der Tierethiker, der sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis Mensch-Tier befasst. Hierdurch seien Qualzuchten entstanden, die den Hunden großes Leid zufügen. In vielen Studien werde darauf verwiesen, dass das ‘Kindchenschema‘ bei kurznasigen Hunderassen eine sehr große Rolle spiele: “Ein aufopferndes Kümmern und eine intensive - auch tierärztliche - Betreuung unterstützen dieses Verhalten, ähnlich einer Brutpflege, noch zusätzlich“, sagt Ehlers. Diese Hunde seien noch stärker auf die Unterstützung “ihrer“ Menschen angewiesen, die - wie in einer Elternschaft – sehr von ihren Schützlingen gebraucht werden.

Uschi Ackermann über illegalen Handel mit Haustieren

Uschi Ackermann sagt, die Hundemafia mache nach Drogen- und Waffenhandel die drittgrößten Gewinne.

Uschi Ackermann 00:26 Min. Verfügbar bis 16.12.2020

Der illegale Handel mit Haustieren wird von Tierschutzorganisationen und Medien häufig als der drittgrößte hinter dem Handel mit Waffen und Drogen genannt. Allerdings ist es schwer, dies genauer zu überprüfen oder gar konkrete Zahlen zu nennen. Denn naturgemäß ist die Dunkelziffer sowohl beim illegalen Tierhandel als auch bei Waffen- und Drogenhandel hoch.

Unter anderem hat der europäische Dachverband von Tierschutzorganisationen “Eurogroup for Animals“ schon vor drei Jahren publiziert, der illegale Haustierhandel sei der drittprofitabelste nach Waffen und Drogen. So äußerte sich auch die ehemalige CDU-Abgeordnete im Europaparlament Renate Sommer. Andere, wie die Tier- und Naturschutzorganisation “Pro Wildlife“ stellen den weltweiten Wildtierhandel an die vierte Stelle hinter Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Eine Quelle nennt die Organisation allerdings nicht. Konkreter wurde vor zehn Jahren das renommierte Smithonian-Institut. Unter Berufung auf Zahlen des US-Außenministeriums schätzte es die weltweiten Gewinne durch illegalen Wildtierhandel auf 10 Milliarden Dollar pro Jahr – hinter Waffen und Drogen.

Achim Gruber über die neue Rolle des Hundes

Achim Gruber sagt, heute komme dem Hund eine völlig andere Rolle in der Gesellschaft zu als dies noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten der Fall war. Der Hund erfülle heute vielmehr den Part eines “Sozialpartners.“ Hat sich das Verhältnis zwischen Hund und Mensch verändert?

Achim Gruber (re.) mit Kees de Vries 00:51 Min. Verfügbar bis 16.12.2020

Prof. Jan Ehlers weist darauf hin, dass Hunde möglicherweise schon vor 100.000 Jahren – die Quellen variieren laut Ehlers zwischen 33.000 und 135.00 Jahren - als “Sozialpartner“ des Menschen domestiziert wurden. “Während Hunde früher vor allem als Jagdhelfer und Hütehunde eingesetzt wurden, entwickelten sie sich in den letzten Jahrzehnten vermehrt zum Begleittier und Familienmitglied“, sagt der Experte, der sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis Mensch-Tier befasst. In den letzten Jahren habe die Hundehaltung in Singlehaushalten nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe auf 34 Prozent zugenommen, so Ehlers. Für ihn ein deutliches Indiz dafür, dass Hunde tatsächlich immer mehr eine Partnerrolle einnehmen.

Stand: 17.12.2019, 12:11