Schweizer Spion Daniel M.: die Rolle der UBS

MONITOR vom 18.05.2017

Schweizer Spion Daniel M.: die Rolle der UBS

Bericht: Achim Pollmeier, Jochen Taßler

Georg Restle: „Und jetzt zum angekündigten Alpenkrimi aus der Schweiz. Seit einem Monat sitzt der mutmaßliche Schweizer Spion Daniel M. in Mannheim hinter Gittern, weil er deutsche Finanzbeamte ausspioniert haben soll. Die Beziehungen zur Schweiz sind seitdem deutlich angespannt. Dabei stellt sich die Frage, wer ist dieser Mann überhaupt - und wie weit gehen Schweizer Banken und Behörden, wenn es nur darum geht, das Schweizer Steuergeheimnis zu schützen, und damit auch das Schwarzgeld deutscher Millionäre? Gemeinsam mit Kollegen des Schweizer Fernsehmagazins „Rundschau“ haben Achim Pollmeier und Jochen Taßler in der Schweiz recherchiert und zeigen Ihnen jetzt einen Agententhriller der ganz besonderen Art.“

Frankfurt 2014. Im Hotel Intercontinental findet ein geheimes Treffen statt. Drei Männer planen einen Diebstahl. Es geht um tausende Datensätze deutscher Bankkunden. Er soll sie illegal besorgen, Daniel M.

Mitschnitte Hotel: „Was jetzt einfach wichtig, ist, dass man eine Zwischenzahlung leisten kann.“

Heimlich gedrehte Bilder von konspirativen Treffen. Sie zeigen das andere Gesicht des mutmaßlichen Spions. War Daniel M. auch ein Datenhändler, im eigenen Land? Ein Skandal, der derzeit die Schweiz erschüttert. MONITOR liegen umfangreiche Dokumente dazu vor: Anzeigen, Protokolle. Die Dokumente zeigen, auf welche Leute und welche Methoden Schweizer Behörden zurückgreifen, nur um den Finanzstandort Schweiz als Zufluchtsort für Schwarzgeld zu verteidigen. Dafür kooperiert man hinter den Kulissen mit der größten Schweizer Bank, der UBS - und mit zwei zwielichtigen deutschen Geheimdienstleuten: Wilhelm Dietl und Werner Mauss. Wilhelm Dietl war bis 1992 Agent des BND. Deckname „Dali“. Nach seinem Ausscheiden wurde er Journalist und Buchautor. Und: Werner Mauss. Der wohl schillerndste Privatermittler Deutschlands. Über Jahre stand er in bestem Kontakt zu Behörden und Geheimdiensten und war an der Aufklärung spektakulärer Kriminalfälle beteiligt, etwa an der Verhaftung von Ralf Pohle, einem ehemaligen RAF-Terroristen. Mit zweifelhaften Methoden wurde Mauss zu einem der bekanntesten Spione der Welt.

Erich Schmidt-Eenboom, Geheimdienstexperte: „Da hat sich ein Duo von Ex-Agenten getroffen, das von den Nachrichtendiensten abgeschaltet wurde. Im Fall Dietl sogar mit dem Bekenntnis des Bundesnachrichtendienstes, dass er als Agent für sie gearbeitet hat. Beide gelten in der Szene sowohl nachrichtendienstlich wie medial als extrem verbrannt.“

Zwei dubiose Ex-Spione also, die Daniel M. ein lukratives Angebot machten. Er sollte Bankdaten beschaffen. Vom ehemaligen deutschen BND-Chef August Hanning und von tausenden Kunden der russischen Gazprom-Bank. Gegen fürstliche Bezahlung.

Mitschnitt Hotel: „... 38, 39, 40. Das sind jetzt 20.000 Euro.“

20.000 Euro allein bei diesem Treffen. Insgesamt soll Daniel M. mehr als 130.000 Euro erhalten haben. Was er nicht weiß, Mauss und Dietl haben einen mächtigen Mitspieler, die UBS. Die Schweizer Großbank hatte offenbar ein besonderes Interesse, vermeintliche Datendiebe aufzuspüren. Durch ein Datenleck sind schon einmal die Namen etlicher mutmaßlicher Schwarzgeldkunden der UBS an deutsche Steuerbehörden gelangt. Seit Jahrzehnten ist die Bank eng mit Mauss verbunden, unterhielt für ihn geheime Konten und Stiftungen. In seiner Vernehmung erzählt Mauss später freimütig, er habe sich nach jedem Treffen mit Daniel M. mit dem Rechtsdienst der UBS getroffen und sich mit diesem abgestimmt. Die UBS bestreitet das nicht, teilt auf Anfrage aber mit, man habe Mauss und Dietl keinen Auftrag erteilt und auch keine finanzielle Unterstützung geleistet. Außerdem habe man sämtliche Schritte mit der Bundesanwaltschaft abgestimmt. Die war höchst interessiert an Informationen zu dem Fall, wollte aber nicht selbst in Kontakt mit Mauss treten. Das war ihr wohl zu heikel. Trotzdem zog sie im Hintergrund mit Mauss die Fäden. Was für ein Konstrukt, Mauss sprach über die geheimen Treffen mit Daniel M. mit der UBS. Die gab alles an die Bundesanwaltschaft weiter. Und die wiederum kommunizierte über die UBS selbst mit Mauss. Das heißt, die oberste Schweizer Ermittlungsbehörde bediente sich zweier zwielichtiger Ex-Spione, die Daniel M. dafür bezahlten, Bankdaten zu beschaffen. Offenbar griff die Behörde sogar aktiv ein, über die UBS. Der Chefjurist der Bank notierte etwa später, Mauss habe

Zitat: „… auf Wunsch und in Abstimmung mit der Bundesanwaltschaft auch das entscheidende Treffen in einem Züricher Nobelhotel organisiert, bei dem Daniel M. festgenommen werden sollte.

Valentin Landmann, Anwalt von Daniel M.: „Da sollte offenbar verschleiert werden, dass man hier eine Agent-Provocateur-Aktion hat, die praktisch von der Schweizerischen Bundesanwaltschaft geleitet wurde.

Im Februar 2015 schnappte die Falle zu. Dumm nur, die Daten, die Daniel M. geliefert hat, waren falsch. Offenbar hatte er gar keinen Zugang zu echten Kontodaten. Er wurde mehrfach verhört, aber bis heute noch nicht angeklagt. Vielleicht auch deshalb nicht, weil die Schweizer Ermittler keinerlei Interesse daran haben, dass öffentlich wird, mit welchen Mitteln sie das Schweizer Bankgeheimnis verteidigen.

Georg Restle: „Was das mit Deutschland zu tun hat? Eine ganze Menge. Schließlich geht es um deutsches Steuergeld, das da mit Hilfe der Schweiz hinterzogen wurde.“

Kommentare zum Thema

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1 Kommentar

Neuester Kommentar von "Ich aus Niedersachen", 20.05.2017, 03:15 Uhr:

An diesem Thema sollten Sie dran bleiben. Dazu sind nur Magazine wie z.B. Monitor in der Lage. Danke den ÖR-Fernsehsendern und Redakteuren und deren Helfern im Hintergrund!!!