Wie gefährlich sind Stickoxide? Das sagt die Wissenschaft

Archiv, Illustration: Ein Teilnehmer einer Demonstration mit Atemmaske zieht durch die Straßen

Wie gefährlich sind Stickoxide? Das sagt die Wissenschaft

Wie gefährlich sind Stickoxide für den Menschen? Die Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann erklärt, welche gesicherten Erkenntnisse Wissenschaftler haben.

Barbara Hoffmann ist Professorin für Umweltepidemiologie an der Uniklinik in Düsseldorf. Sie untersucht Auswirkungen von Schadstoffen in der Umwelt auf die Gesundheit.

WDR.de: Was weiß die Wissenschaft über die Wirkung und Auswirkung von Stickoxiden, insbesondere von Stickstoffdioxid (NO2)?

Prof. Barbara Hoffmann: Stickstoffdioxid ist ein Reizgas und dringt tief in die Lunge ein. Es kann dort die Schleimhaut reizen und in der Bronchialschleimhaut und in den Lungenbläschen eine Entzündung auslösen. Das kann zu Husten und Luftnot führen und ist problematisch für Kinder, ältere Menschen und für Kranke - wie zum Beispiel Asthmatiker.

Außerdem steigt durch Stickstoffdioxid das Risiko, dass sich bestehende Lungenkrankheiten verschlimmern. Expositionsstudien haben ergeben, dass NO2 die Lungenfunktion verschlechtern kann. Für solche Studien wurden Menschen kontrolliert Stickoxid ausgesetzt. Wir wissen daher, dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Wir wissen auch, dass es bei den NO2-Konzentrationen, die häufig in der Umwelt hier herrschen, kurzfristige gesundheitsschädigende Effekte gibt.

WDR.de: Wo gibt es noch Nachholbedarf in der Forschung?

Hoffmann: Wir wissen noch nicht genau, ab welchem Wert gesundheitliche Wirkungen von Luftschadstoffen nicht mehr nachweisbar sind und wie es mit Langzeitwirkungen von NO2 bei heutigen Konzentrationen aussieht. Dazu braucht man große Kohorten-Studien mit Menschen, die man über viele Jahre beobachtet. Dann schaut man sich an, welche Krankheiten Menschen entwickeln, die stärkerer mit NO2 belastet sind im Vergleich zu Menschen, die weniger belastet sind. Für Feinstaub ist die Datenlage deutlich besser.

Wir können aber auch heute schon relativ sicher sagen, dass auch langfristig NO2 eine eigene gesundheitsschädigende Wirkung hat: Es gibt Hinweise auf Zusammenhänge mit Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Und deutliche Hinweise, dass Diabetes durch NO2 ausgelöst werden kann.

WDR.de: Wie seriös sind Schlagzeilen wie "38.000 mehr Todesfälle durch Stickoxide"?

Hoffmann: Diese Zahlen basieren auf einer seriösen Berechnung der Krankheitslast, die von der WHO und vielen anderen Organisationen berechnet wird. Solche Zahlen zur Krankheitslast, die von verschiedenen Risikofaktoren verursacht werden, sollen helfen, politische Prioritäten zu setzen: Stecken wir unser Geld zum Beispiel in die Prävention von Rauchen, einer Förderung der Impfrate oder die Luftreinhaltung? Die Zahlen dienen dazu, die Gesundheitseffekte solcher Risikofaktoren besser vergleichen zu können und helfen dabei, Entwicklungen über mehrere Jahre zu beobachten. Als absolute Zahlen sollten sie nicht interpretiert werden.

Die Fragen stellte Annika Franck.

Stand: 21.02.2018, 01:00