Der sechsjährige Loukas sitzt an einem Tisch und lächelt in die Kamera.

Wie Sprachpaten geflüchteten Kindern in NRW helfen

Städteregion Aachen | Ehrenamt

Stand: 09.07.2024, 17:16 Uhr

Deutsch sprechen: Das ist für Geflüchtete anfangs eine große Herausforderung, vor allem für die Kleinsten unter ihnen. Sprachpaten helfen ihnen im Kreis Euskirchen dabei, spielerisch die neue Sprache zu lernen.

Von Svenja Smolarek

Schüchtern hält sich der kleine Loukas die Hand vor den Mund, während er leise deutsche Wörter sagt. "Biene", "Schwein" und "Hase" kann der Sechsjährige schon akzentfrei sprechen. Vor einem guten halben Jahr ist Loukas mit seiner Mutter aus Albanien nach Weilerswist gekommen. Seither besucht er dort die 1c der Grundschule. Einmal in der Woche darf er eine Schulstunde "schwänzen". Dann bekommt er Besuch von Hartwig Kazcmarek. Der Rentner engagiert sich seit über fünf Jahren als Sprachpate im Kreis Euskirchen.

Viel Bedarf an Sprachpaten in NRW

Schon vielen Jungen und Mädchen hat er geholfen. Sie alle haben das gleiche Problem. Deutsch ist nicht ihre Muttersprache und deshalb schwierig für sie zu sprechen. Doch wer in Deutschland ankommen will, kommt an Sprachkenntnissen nicht vorbei. Kazcmarek möchte den Kindern das Ankommen erleichtern.

Hartwig Kazcmarek über Loukas' Fortschritt

00:10 Min. Verfügbar bis 09.07.2026

Er hat ein großes Wimmelbuch mitgebracht. Eigentlich ist das für kleinere Kinder gedacht. Doch Loukas Augen leuchten beim Anblick der bunten Bilder. Ein Eiswagen hat es ihm besonders angetan, Schokolade ist seine Lieblingssorte. Das Wort "Eis" hat Loukas schon fest in seinen neuen Wortschatz aufgenommen, aber selbst in die Eisdiele gehen und ein Eis bestellen ist für ihn immer noch eine große Herausforderung. Das gilt auch für den Unterricht, der natürlich auf Deutsch stattfindet.

Ehrenamtlicher Beitrag für eine gelungene Integration

Viele Schulen können eine intensive Eins-zu-eins Betreuung der Kinder schlichtweg nicht leisten, erklärt Julia Gennet vom Kreis Euskirchen. Die Pädagogin ist immer auf der Suche nach neuen Sprachpaten, denn auch wenn es aktuell rund 150 engagierte Menschen gibt, der Bedarf ist weitaus größer. "Schulen", so Gennet, "berichten immer wieder, wie sehr den Kindern die Stunden mit den Sprachpaten dabei helfen, aktiver am Regelunterricht teilzunehmen."

Julia Genett erlebt positives Feedback

00:13 Min. Verfügbar bis 09.07.2026

Soll Integration erfolgreich sein, gehören Sprachkenntnisse dazu, die über einzelne Wörter hinaus reichen. Das hilft den Kindern dabei, in der Pause nicht am Rand zu stehen, sondern mitzuspielen auf dem Schulhof. Und auch mitzureden, wenn die Klassenkameraden diskutieren, gemeinsam lachen oder auch mal streiten.

Die Voraussetzungen für alle, die selbst Sprachpate werden wollen, sind simpel: Man müsse die Arbeit mit Kindern mögen, sagt Kazcmarek: "Und auch Geduld ist eine wesentliche Grundvoraussetzung." Denn bis die Kinder die ersten Wörter gelernt haben, könne es gerade am Anfang einige Zeit brauchen.

Kindern helfen, in Deutschland anzukommen

Hartwig Kazcmarek hat seine ganz eigene Geschichte, warum er sich in diesem Projekt engagiert. Seine Eltern flohen in den 50er-Jahren mit seinen älteren Brüdern aus der ehemaligen DDR ins Rheinland. Lange Zeit waren sie die "Pimmocken", die zwar Deutsch sprachen, aber sonst wenig willkommen geheißen wurden.

Er selbst wurde zwar erst zwei Jahre nach der Flucht der Eltern geboren, ihm ist diese Zeit aber noch sehr präsent. Es sei besonders für seine Eltern und älteren Geschwister keine schöne Zeit gewesen. Deshalb will der Rentner jetzt seinen Teil dazu beitragen, dass geflüchteten Kindern diese Erfahrung erspart oder zumindest der Anfang hier erleichtert wird. "Erwachsene", so Kazcmarek, "können sich eher artikulieren. Aber Kinder werden hier her verpflanzt, sie treffen diese Entscheidung nicht, sie müssen hier leben, ob sie das wollen oder nicht."

Der sechsjährige Loukas und Rentner Hartwig Kazcmarek sitzen an einem Tisch in der Schule und lernen gemeinsam Deutsch

Loukas lernt bei Hartwig Kazcmarek Deutsch

Loukas verlässt die Stunde heute besonders fröhlich. Er bekommt einen Schokoriegel geschenkt. "Schokolade", sagt er und lächelt. Nächste Woche um diese Zeit wird er schon wieder viele neue Wörter gelernt haben.

Über dieses Thema haben wir auch am 26.03.2024 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Aachen, 19.30 Uhr.