Die gefürchtete Seefahrerkrankheit

Seeleute starben jahrhundertelang an Vitamin-C-Mangel

Die gefürchtete Seefahrerkrankheit

Im Juli 1497 verlassen vier Segelschiffe den Hafen von Lissabon. Unter dem Kommando des Portugiesen Vasco da Gama soll ein neuer Seeweg nach Indien gefunden werden. Für die zehnmonatige Reise ist lang haltbares Essen in Fässern eingelagert. Vor allen Dingen eingesalzenes Fleisch und Zwieback stehen auf dem Speiseplan. Für die Seeleute ist die Reise eine Katastrophe: Viele sind geschwächt, ihnen fallen die Zähne aus, am ganzen Körper bilden sich dunkle Flecken und Hautblutungen. Sie haben Skorbut. Als die Schiffe nach zwei Jahren wieder zurück in Lissabon sind, hat da Gama von 160 Seeleuten 100 durch die Krankheit verloren. Bald 250 Jahre bleibt Skorbut auf langen Seereisen eine tödliche Gefahr.

Säuren als Medizin

Das Blatt wendet sich erst, als der junge britische Schiffsarzt James Lind 1746 an Bord eines Schiffes erlebt, wie der Skorbut den Seeleuten zusetzt. 80 von 350 Mann Besatzung sind betroffen. Um der gefürchteten Krankheit gezielt auf den Grund zu gehen, führt er einen Versuch durch. Lind verordnet zwölf Skorbutkranken dieselbe Ernährung. Zusätzlich bekommen jeweils zwei Kranke entweder Cidre, Essig, Schwefelsäure, Meer- oder Gerstenwasser oder Zitrusfrüchte. Bereits nach sechs Tagen verbessern sich die Symptome der beiden Männer, die die Zitrusfrüchte bekamen, deutlich.

Kapitän James Cook

Auch die Seeleute des berühmten James Cook litten oft unter Skorbut. Bei einer Reise nach Neuseeland und Tahiti testet er schließlich Linds Skorbutprävention und nimmt neben Zitrussaftkonzentrat auch das empfohlene Sauerkraut mit an Bord. Zudem ermuntert er seine Seeleute, bei Landgängen frisches Obst und Gemüse zu essen. Die Änderungen des Speiseplans zeigen Wirkung: Nach über drei Jahren kehrt Cooks Mannschaft wohlauf nach England zurück.

Filmautor: Jan Voelkel

Stand: 14.04.2015, 17:00

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