„Das Asch-Experiment“

„Das Asch-Experiment“

„Der Mensch ist ein soziales Wesen!“ Hinter der simpel anmutenden Feststellung stecken komplexe Beziehungen und Verhaltensweisen. Der amerikanische Gestaltpsychologe Salomon Asch, gilt als Pionier in der Sozialpsychologie. Anfang der 50er Jahre wurde er berühmt mit seinem sogenannten „Konformitätsexperiment“. Mit dem wollte Asch herausfinden, wie sehr eine einzelne Person von einer Gruppe beeinflusst werden kann. Konkret wollte er prüfen, ob der einzelne sich einer Gruppenmeinung anschließt, obwohl diese offensichtlich falsch ist.

Wahrheit oder Anerkennung?

In dem ursprünglichen Experiment saßen sieben gleichaltrige Personen nebeneinander. Der Versuchsleiter gab vor, dass alle an einem Wahrnehmungstest teilnehmen würden. Es wurden Tafeln gezeigt, auf denen jeweils eine Referenzlinie und drei weitere Linien unterschiedlicher Länge aufgedruckt waren. Die Probanden sollten nun jeweils diejenige Linie benennen, die in ihrer Länge der Referenzlinie entspricht. Wie so oft bei sozialpsychologischen Experimenten war die Versuchsanordnung aber nur Tarnung. In Wahrheit war nur einer der Proband. Alle anderen waren eingeweiht.

Richtig liegen oder mit der Masse schwimmen?

Die Eingeweihten sollten in den ersten fünf Runden jeweils die richtige Antwort geben. Ab der sechsten Runde jedoch sollten sie geschlossen die gleiche falsche Antwort liefern. Das Spannende war nun, wie sich der eigentliche Proband verhalten würde. Beharrt er auf der richtigen Antwort oder passt er sich an und gibt – wie alle anderen – die falsche Antwort? Die Teilnehmer im Asch-Experiment sind dabei hin- und hergerissen: Sie möchten zum einen richtig urteilen, sie möchten aber auch auf andere einen guten Eindruck machen, zur Gruppe gehören, nicht alleine sein.

Die ganze Runde von Probanden

Interessant ist, dass schon eine Gruppe aus drei Personen reicht, um den vollen Konformitätseffekt auszulösen. Je größer und geschlossener die Gruppe ist, desto effektiver ist ihr Einfluss. Ist in der Gruppe allerdings nur einer dabei, der den echten Probanden unterstützt und auch die richtige Antwort gibt, schwächt sich der Einfluss der Gruppe radikal ab. Ähnliches geschieht auch, wenn die eigentlichen Probanden ihre Antwort nur auf einen Zettel schreiben und nicht in der Runde kundtun müssen. Die Probanden bleiben bei ihrer ursprünglichen Überzeugung und passen sich nicht dem Urteil der Gruppe an.

Quarks & Caspers hat das Experiment von Salomon Asch wiederholt. Sind die Menschen heute vielleicht eher dazu bereit, sich gegen die Masse zu stellen?

Autor: Herbert Hackl

Stand: 05.12.2016, 08:00