Feinstaub tötet

Feinstaub tötet

In Deutschland sterben jedes Jahr 35.000 Menschen vorzeitig an den Folgen verschmutzter Luft. Qualmende Auspuffe und Fabrikschlote sind als Schuldige schnell ausgemacht. Aber es gibt noch sehr viel mehr Feinstaub-Verursacher. Der größte Teil kommt sogar von einer Quelle, die man selten mit Feinstaub in Verbindung bringt: aus der Landwirtschaft. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben sich die Quellen des Feinstaubs angesehen und berechnet, für wie viel Tote sie in jedem Jahr verantwortlich sein sollen.

Feinstaub und Ozon

In der Studie sind die belastenden Stoffe Feinstaub und Ozon zusammengefasst. Doch Professor Johannes Lelieveld betont, dass der Anteil des Ozons an den vorzeitigen Todesfällen sehr gering ist; bezogen auf die 35.000 Menschen spricht er von etwa fünf Prozent. Bezogen auf die Landwirtschaft ist Ozon sogar nur für ein bis zwei Prozent der Todesfälle verantwortlich. Feinstaub ist also das eigentliche Problem.

Filmautor: Jonas Lang

Update:

In unserem Film aus dem Jahr 2016 beziehen wir uns auf eine Studie, die in dem renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" erschienen ist und auch heute noch auf den Seiten des Max-Planck-Instituts für Chemie verlinkt ist. An den grundsätzlichen Aussagen dieser – und ähnlicher – Studien, dass Luftverschmutzung zu unterschiedlichen Erkrankungen führen kann, ist nichts auszusetzen. Doch von vorzeitigen Todesfällen ("premature deaths") zu sprechen, ist einerseits unkonkret (Wie viel früher sterben die Menschen? Einen Monat, ein Jahr, ein Jahrzehnt?) und andererseits wissenschaftlich unhaltbar. Die Berechnungsformel dafür ist schlicht nicht sinnvoll anwendbar. Außerdem verleitet die Verwendung des Begriffs "vorzeitige Todesfälle" dazu, diese mit anderen Todesursachen ins Verhältnis zu setzen. Das macht sogar die Pressestelle des Max-Planck-Instituts für Chemie in ihrer (unten verlinkten) Pressemitteilung: "Demnach sterben hierzulande doppelt so viele Personen an den Folgen der Verkehrs-Emissionen wie an Verkehrsunfällen." Wir finden das zynisch und irreführend: Als Betroffener eines Verkehrsunfalls können Sie als Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder als älterer Mensch sterben – aber als "vorzeitig Toter" aufgrund von Luftverschmutzung sterben Sie in der Regel immer als älterer Mensch – zum Beispiel einige Monate vor Ihrem theoretisch denkbarem Tod ohne Luftverschmutzung.

Text: Axel Bach

Stand: 01.12.2017, 10:00