21. Februar 1916 - Die Schlacht von Verdun beginnt "Operation Gericht"


Schlacht von Verdun

Gefechtssituation im Schützengraben

"Die Hölle von Verdun" ist eine Formulierung, die für eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs steht. Den Kampf vor der französischen Stadt Verdun bezeichnen die Frontsoldaten auch als "Blutpumpe", "Knochen-" oder "Todesmühle". Ständig befinden sie sich, wie Schriftsteller Ernst Jünger später schreibt, "in Stahlgewittern". Die "Operation Gericht", wie die Deutschen ihren Großangriff nennen, beginnt am 21. Februar 1916 um 7.15 Uhr. Die erste Granate wird vom Geschütz "Langer Max" abgefeuert, das auf das 27 Kilometer entfernte Stadtzentrum von Verdun zielt. Danach veranstalten mehr als 1.200 deutsche Geschütze, darunter zwölf "dicke Berthas", neun Stunden lang ein Trommelfeuer. Der Abwehr-Gürtel der französischen Forts und Stellungen vor Verdun soll "sturmreif" geschossen werden. Die deutschen Angreifer erhoffen sich eine Vorentscheidung an der Westfront gegen den erklärten französischen "Erbfeind".

Trotz deutscher Erfolge am Beginn zeigt sich aber bereits Anfang März 1916, dass ein Durchbruch unwahrscheinlich ist. Dennoch lässt der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn weiter angreifen - monatelang. Auf der Gegenseite befiehlt der französische General Henri Philippe Pétain: standhalten um jeden Preis.

Lebenserwartung von 14 Tagen

Der Einsatz von Material bei der Schlacht von Verdun ist immens: "Das hat es so vorher noch nicht gegeben", sagt der Düsseldorfer Geschichtsprofessor Gerd Krumeich. "Ich nenne Verdun die totale Schlacht." Neben Flugzeugen, Panzern und Maschinengewehren kommen auch Flammenwerfer und Giftgas zum Einsatz. Die Soldaten auf beiden Seiten leiden physisch und psychisch: Im Winter frieren ihnen die Füße ab, im Sommer leiden sie unter Durst. Viele Soldaten der vorderen Linien trinken in der Not ihren eigenen Urin, leiden an ständigem Durchfall. Wegen fehlender Waschmöglichkeiten werden sie von Läusen, Wanzen und Flöhen befallen. Wer sich weigert, weiter zu kämpfen, wird hingerichtet.

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Verdun-Soldaten in den oft verkoteten Schützengräben beträgt 14 Tage. Die Zahl der Toten steigt nach Schätzungen auf über 300.000, darunter auf französischer Seite rund 28.000 Muslime aus den Kolonien.

Symbol der Sinnlosigkeit des Krieges

Das 40 Quadratkilometer große Schlachtfeld gleicht im Sommer 1916 einer Trichterlandschaft mit Baumstümpfen. Auf jedem Quadratmeter - so eine Hochrechnung - sind im Schnitt zwei Granaten explodiert. Von der heiß umkämpften Anhöhe "Toter Mann" sind durch den Dauerbeschuss im Stellungskrieg sechs Meter Erdreich abgetragen worden.

Als die Entente - zur der sich Frankreich, England und Russland zusammengeschlossen haben - ihre Offensive an der Somme beginnt, werden die deutschen Angriffe auf Verdun schließlich Mitte Juli 1916 eingestellt. Seine erfolgreiche Defensivstrategie macht Pétain in Frankreich zum "Helden von Verdun". Die Schlacht wird zum Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges. Als Zeichen der überwundenen "Erbfeindschaft" ergreift 1984 Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand bei einer Gedenkveranstaltung in Verdun die Hand von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Stand: 21.02.2011

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