Olympische Spiele - ein Ladenhüter

Olympische Spiele - ein Ladenhüter

Von Michael Ostermann

Nach dem Rückzug Budapests gibt es nur noch zwei Kandidaten für Olympia 2024: Los Angeles und Paris. Doch auch in der französischen Hauptstadt wächst der Widerstand.

Immerhin: Los Angeles wackelt nicht. Die zweitgrößte Stadt der USA wird seine Bewerbung für die Austragung der Olmypischen Spiele 2024 nicht zurückziehen. Auch die Bevölkerung steht mehrheitlich hinter der Kandidatur. Zumindest ist dies das Ergebnis einer Umfrage der Loyola Marymount University in Los Angeles aus dem Februar 2016. Demnach unterstützten damals 88,3 Prozent die Bewerbung.

"Momentum" stoppt Budapests Kandidatur

Das Ergebnis ist außergewöhnlich und dürfte das Internationale Olympische Komittee mächtig freuen. Denn ansonsten wirken die Olympischen Spiele derzeit eher wie ein Ladenhüter, den das IOC verzweifelt los zu werden versucht. Los Angeles ist überhaupt nur dabei, weil Boston sich zuvor zurückgezogen hatte.

Von den ursprünglich fünf Bewerbern für die Spiele 2024 sind nun nur noch die Filmmetropole in Kalifornien und Paris übrig geblieben. Denn nach Hamburg und Rom hat nun auch Budapest seine Kandidatur offiziell zurückgezogen. In der vergangenen Woche stimmte der Gemeinderat der ungarischen Hauptstadt mit 22:6 Stimmen für einen entsprechenden Antrag.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte seinem Prestigeprojekt zuvor schon selbst den Stecker gezogen. Nachdem die Bürgerbewegung "Momentum" rund 266.000 Unterschriften für eine Bürgerbefragung gesammelt hatte, forderte der Regierungschef den Gemeinderat und das Olympia-Bewerbungskomitee auf, die Bewerbung zurückzuziehen. Die "nationale Einheit in der Olympia-Frage" sei nicht mehr gegeben, ließ Orban mitteilen.

Kritik an Kosten und Nachhaltigkeit

Die Argumente der Olympiagegner sind in Budapest die gleichen wie in Hamburg, Boston und Rom. Dort kippte die Stimmung in den jeweiligen Bevölkerungen gegen die Olympia-Idee vor allem wegen der zu erwartenden Kosten und mangelnder Nachhaltigkeit. Das Beispiel Rio de Janeiro, wo die Sportstätten bereits ein halbes Jahr nach den Spielen ungenutzt vor sich hin gammeln, verstärkte zudem noch den Eindruck, dass sich Olympia nur für das IOC, nicht aber für die Austragungsorte lohnt.

Auch für Andras Fekete-Györ, Gründer der Momentum-Bewegung in Budapest, sind dies die Hauptkritikpunkte. Auch wenn in Ungarn zusätzlich innenpolitische Gründe eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Zwei Gewinner in Lima?

Nun bleiben also nur noch zwei Bewerber. IOC-Präsident Thomas Bach hat schon im Dezember angestoßen, im September in Lima könne nicht nur den Austragungsort für die Sommerspiele 2024, sondern gleich auch den für 2028 gekürt. Zudem will Bach das Bewerbungsverfahren künftig vereinfachen. "Das Bewerbungsverfahren ist nicht mehr zeitgemäß. So wie es ist, produziert es zu viele Verlierer" , betonte er in der dieser Woche noch einmal in einem Interview.

Bei einer Doppelvergabe könnten sowohl LA als auch Paris als Gewinner ausgerufen werden. Und das IOC hätte vorerst Ruhe von dem lästigen Thema, überhaupt einen Bewerber finden zu müssen. Allerdings wächst auch in Paris der Widerstand gegen die Olympiapläne. Eine Online-Petition fordert auch für die französische Hauptstadt eine Bürgerbefragung. Diese bedeuteten zuletzt stets das Ende der Bewerbung. Auch in München, Stockholm, Oslo, Krakau, Wien und zuletzt schon zum zweiten Mal im Schweizer Kanton Graubünden scheiterten in jüngster Vergangenheit Olympia-Projekte am Bürgerwillen.

Das ist auch das Ziel der Olympia-Gegner in Paris.

Sollte auch Paris als Kandidat wegfallen, wäre das Auswahlverfahren für die Spiele 2024 endgültig zur Farce verkommen. In demokratisch verfassten Gesellschaften sind Olympische Spiele offenbar kaum noch zu vermitteln.

Stand: 05.03.2017, 10:42

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