Der Kampf gegen die Tigermücke

Der Kampf gegen die Tigermücke

Der Virenforscher Jonas Schmidt-Chanasit hat der Tigermücke den Kampf angesagt. In seinem Hamburger Labor am Bernhard-Nocht-Institut infiziert er verschiedene Tigermücken mit dem Zika-Virus. Ziel ist es, die Verbreitung des Virus über die Mücken besser zu verstehen, um Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Verbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus)

Dafür hat er in Brasilien Eier der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) gesammelt, die für den Zika-Ausbruch verantwortlich ist. Diese Art kommt in Deutschland zwar nicht vor, aber eine verwandte Tigermücke: die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Sie kann das Zika-Virus ebenfalls übertragen. Wie gut und wie weit sie sich in Europa verbreiten würde, versuchen Schmidt-Chanasit und sein Team herauszufinden.

Modell: Verbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) bei 28 Grad
Modell: Verbreitung der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) bei 25 Grad

Dabei untersuchen sie auch, welche Temperaturen sowohl Mücke als auch Virus brauchen, um zu überleben. Bislang ging man von konstant 28 Grad aus. Italienische Forscher haben jedoch aktuell gezeigt, dass auch 26 Grad Tagesdurchschnittstemperatur über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen ausreichen, damit das Virus von der Mücke übertragen werden kann. Sollte es auch bei 25 Grad so sein, dann gäbe es große Bereiche in Europa, wo eine Zika-Übertragung möglich wäre, auch in vereinzelten Gebieten in Süddeutschland.

Neben der asiatischen Tigermücke, die es immerhin schon geschafft hat sich in einigen warmen Gegenden Süddeutschlands anzusiedeln - ihre Eier überstehen sogar Frost – kommen theoretisch auch unsere einheimischen Stechmücken (Culex pipiens) als Überträger für Zika-Viren infrage. Immerhin übertragen diese auch ein anderes Virus, das ursprünglich aus Afrika kommt, das Usutu-Virus, das vor einigen Jahren auch zu einem Massensterben bei Amseln geführt hat.

Anders als die heimische Stechmücke, die auch viele Tiere sticht, ist die Tigermücke – sowohl ägyptische als auch asiatische – jedoch zu fast einhundert Prozent auf den Menschen als Opfer fixiert. Wissenschaftler sprechen dann von sogenannten Kulturfolgern. Sie leben dort, wo auch der Mensch lebt: in der Nähe von Häusern oder in Gärten.

Filmautorin: Judith König

Stand: 29.05.2017, 09:00