Was Nachbarn auf die Beine stellen können – sechs Initiativen vorgestellt

Foodsharing Initiative Wuppertal mit Lebensmitteln vor Garagentor.

Was Nachbarn auf die Beine stellen können – sechs Initiativen vorgestellt

Sie sind kein neues Phänomen, aber derzeit im Trend: Nachbarschafts-Projekte erfreuen sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit – und werden wertgeschätzt. 2017 startete mit 1300 Bewerbungen erstmals der "Deutsche Nachbarschaftspreis" unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministers. Quarks hat viele Nachbarschaftsprojekte kennengelernt und stellt sechs von ihnen exemplarisch vor.

Foodsharing "Miteinander, füreinander", Wuppertal

Übriggebliebene, aber gut essbare Lebensmittel vorbeibringen – oder diese kostenlos abholen: Das Foodsharing Projekt Wuppertal Ölberg sammelt von Montag bis Freitag, was noch nicht auf dem Teller gelandet ist. Ehrenamtliche Helfer aus der Nachbarschaft organisieren das Projekt, das mittlerweile eine feste Einrichtung geworden ist und sich unter Nachbarn auch als Treffpunkt etabliert hat.

Gruppe Alleinerziehender mit Kindern und vielen Luftballons.

Stadtteilnetzwerk "Netzanschluss" für Alleinerziehende, Aachen

Alleinerziehende haben es oft schwerer als Familien mit zwei Elternteilen. In Aachen haben deswegen ehrenamtliche Helfer mit Unterstützung der Kirchengemeinden im Aachener Westen das ökumenische Projekt "Netzanschluss in Aachen" gegründet. Alleinerziehende Eltern finden dort Kontakte und Unterstützung – sowohl im Internet durch ihr Selbsthilfenetzwerk als auch im Treffpunkt "Café for You". Die Alleinerziehenden haben sich so mit 60 ehrenamtlichen Unterstützern aus der Nachbarschaft verbunden, die sich mit Rat und Tat gegenseitig helfen, darunter etwa Juristen, Handwerker und Bewerbungstrainer.

Kunden am Tisch beim Frühstücken im Dorfladen Insen Laare.

Dorfladen "Insen Laare", Elsoff

Vor fünf Jahren schloss im Dorf Elsoff bei Siegen der letzte Lebensmittelladen. Die Bewohner haben diese Lücke nun geschlossen und seit Ende 2016 einen eigenen Laden auf die Beine gestellt. Der bietet nicht das komplette Supermarkt-Sortiment, aber genau das, was die Nachbarn benötigen. Mittlerweile dient der Laden auch als gemütlicher Dorf-Treffpunkt, in dem mittlerweile sogar zwei Stellen auf 450 Euro-Basis eingerichtet werden konnten.

Musikvorführung auf der Straße, Publikum sitzt dabei auf der Straße

Der "Tag des guten Lebens", Köln

Am "Tag des guten Lebens" sperren die Kölner einmal im Jahr ein Gebiet im Veedel (Stadtviertel) für vier Tage für den Autoverkehr. So entsteht für die Bewohner ein ungekannter Freiraum für nachbarschaftliches Leben. Zuletzt gab es etwas mehr als 200 Aktionen und "Begegnungsformate", wie Nachbarschafts-Frühstücke, kleine Flohmärkte, Leseaktionen, Sport und Spiel, Live-Musik sowie politische Diskussionen. Die Bürgerinitiative "Agora Köln" organisiert den Tag, die Nachbarn bereiten das Programm jedoch selbst vor. 2017 gewann das Projekt den "Deutschen Nachbarschaftspreis".

Nachbarn der Initiative Nachbarn60 vor Mobilitätsstation mit Rollwagen

Nachbarn60, Köln

Die Kölner Siedlung "Stellwerk 60" mit 1500 Bewohnern und über 450 Wohneinheiten ist ein autofreies Gebiet. Was aber, wenn man in der weitläufigen Zone auch mal was transportieren oder anliefern muss? Seit zehn Jahren gibt es vor Ort eine "Mobilitäts-Station", bei der jeder Fahrradanhänger, Rollwagen und auch Kettcars für die Kinder ausleihen kann. So kamen sich die Nachbarn näher und organisierten später weitere Vorhaben, etwa das gemeinsames Gartenprojekt "Urban Gardening", ein Wohnwagenprojekt als Jugendtreffpunkt und ein offenes Café.

Nachbarn der Initiative "Die Oberndorfer" feiern ersten Spatenstich mit Sekt

Die Oberndorfer, Cuxhaven

Ein besonders ungewöhnliches Nachbarschaftsprojekt sind die Oberndorfer in der Nähe von Cuxhaven. Wie viele Dörfer litt auch Oberndorf an der Landflucht und die Zukunft sah für das Dorf schlecht aus. Dann krempelten die Bewohner die Arme hoch: Nach der Schließung der Dorfschule organisierten die Nachbarn eine Bildungsstatte unter anderem für Flüchtlinge, die bald schon als Freie Schule öffnen soll. Ein neues Kulturcafé und Restaurant wurden zum neuen Dorftreffpunkt. Fehlende Busverbindungen stören nicht mehr so sehr, denn mittlerweile gibt es ein Mitfahrsystem. Und eine neue Biogüllegas-Anlage sorgt nicht nur für Strom und Dünger, sondern wärmt auch eine großangelegte Fischzucht-Anlage mit afrikanischem Wels.

Mehr zu diesem Thema am Dienstag um 21 Uhr im WDR Fernsehen.