Das Geschäft mit dem Knie

Das Geschäft mit dem Knie

Marion Hellmann ist Anfang Vierzig und sportlich. Sie liebt Surfen, fährt gerne Mountainbike, spielt Volleyball, und wandert und joggt gerne. Doch beim Sport meldet sich regelmäßig ihr Knie: Es schmerzt. Und deshalb ist sie seit Jahren in Behandlung. Nach Operationen am Meniskus und am Kreuzband stellen die Mediziner bei ihr auch eine sogenannte Arthrose fest: eine Schädigung am Knorpel.

Deutschland ist Weltmeister bei Knie-Operationen

Der Münchener Sportorthopäde Professor Andreas Imhoff weiß, dass es keine echte Knorpelheilung gibt: "Der Knorpel ist leider eher tot und wird nur durch Flüssigkeit ernährt." Operationen am Knorpel machen dennoch den Großteil der Eingriffe am Knie aus: Deutschland ist Weltmeister bei Knieoperationen. Jedes Jahr wird bei uns über 400.000-mal am Knie operiert. Kritiker meinen, dass viele dieser Operationen, besonders die sogenannten Knie-Arthroskopien, sinn- und nutzlos sind. Auch bei der sogenannten Hyalurontherapie ist der Nutzen fraglich. Zwar kommen Studien auf eine Erfolgsrate von 60 bis 80 Prozent. Andreas Imhoff betont aber: "Das bekommt man auch, wenn man nichts tut." Sprich: Nichtstun hilft genauso gut wie die etwa 150 Euro teuren Spritzen, die wohl aus gutem Grund von den Krankenkassen nicht übernommen werden.

Placebo-Operationen können besser helfen als echte Eingriffe

In einer Studie hatte man bei einigen Arthrose-Patienten eine Knie-Operation nur vorgetäuscht: Die Ärzte versahen ihre Knie mit kleinen Narben. Das Erstaunliche dabei: Diese Menschen hatten nach der Operation genauso viele oder sogar weniger Schmerzen als die Patienten, die tatsächlich am Knie operiert wurden. Wirkungslose, teure und schmerzhafte Medizin: Mit dem Knie lässt sich viel Geld verdienen. Der Arzt von Marion Hellmann rät ihr stattdessen, weiterhin Sport zu treiben. Denn Bewegung sei für ihr Knie die beste Medizin.

Filmautor: Tilman Wolff

Stand: 03.03.2016, 12:00