Warum und wie wir Fledermäusen helfen sollten

Rettet die Fledermaus!

Warum und wie wir Fledermäusen helfen sollten

Auf ihrem Speiseplan stehen Mücken, Schnaken, Falter, Käfer aber auch Spinnen und Hundertfüßer. Eine einzelne Fledermaus kann bis zu 4.000 Insekten fangen – pro Nacht! Je nach Art entspricht das bis zu zwei Drittel des Körpergewichts. Das macht Fledermäuse zu wichtigen Schädlingsbekämpfern, wovon vor allem die Landwirtschaft profitiert. Im Fachblatt Science ist im April 2011 stellt eine Studie zur ökonomischen Bedeutung von Fledermäusen in Nordamerika fest: Verschwänden Fledermäuse von heute auf morgen, würde das den Landwirtschaftssektor dort rund 3,7 Milliarden Dollar im Jahr kosten. Der deutsche Fledermaus-Experte Florian Gloza-Rausch hat die Daten auf Schleswig-Holstein übertragen: Durch heimische Fledermäuse spart der dortige Landwirtschaftssektor rund 25 Millionen Euro pro Jahr für Pestizide. Ein gutes Beispiel dafür, dass wir auf die Lebewesen in unserem Ökosystem genauso angewiesen sind wie sie auf uns.

Eine Fledermaus nähert sich einer fliegenden Motte in der Luft.

Bis zu 4.000 Insekten fängt eine Fledermaus pro Nacht.

200.000 tote Fledermäuse durch Windkraftanlagen
Es ist höchste Zeit dafür, dass wir Schutzmaßnahmen ergreifen. In Deutschland stehen bereits 17 der 23 hier vorkommenden Fledermausarten auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Das hat viele Gründe. Zum einen wird der Lebensraum für die fliegenden Säuger knapp - durch Altbausanierungen und die Zerstörung von Altholzbeständen gehen häufig Unterkünfte verloren. Wenn wir Insekten bekämpfen, nehmen wir den Fledermäusen außerdem die Nahrungsgrundlage oder vergiften sie mit Insektenschutzmitteln. Und auch unsere Windkraftanlagen bedrohen die Fledermäuse, stehen sie doch häufig auf den Flugstrecken der Tiere. Die Rotorblätter können Fledermäuse nicht orten. Ihre Echoortung ist nach vorne gerichtet, das Rotorblatt eines Windkraftrads aber kommt für die Fledermaus von der Seite – mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Kommen die Tiere dem Rotorblatt zu nahe, können sie durch einen direkten Schlag oder durch ein sogenanntes Barotrauma sterben. Dabei platzen ihre Organe durch den Unterdruck, der an den vorbeirauschenden Rotorblättern entsteht. Eine Studie hat im Auftrag des Umweltministeriums im Jahr 2009 ermittelt, dass auf diese Weise 200.000 Fledermäuse pro Jahr sterben. Da in Deutschland immer mehr Windkrafträder gebaut werden, könnten es im Jahr 2014 bereits 300.000 Fledermäuse sein. Deswegen laufen inzwischen Versuche, die Windkrafträder so zu steuern, dass sie sich abschalten, wenn viele Fledermäuse unterwegs sind. So soll die Energiewende auch für Fledermäuse verträglich werden.

Windkrafträder auf einer Wiese

In Deutschland werden pro Jahr 200.000 Fledermäuse von Rotorblättern der Windkraftanlagen erschlagen.

Rettung mit dem Sockenturm
Die Windräder bedrohen vor allem erwachsene Fledermäuse, die bereits fliegen können. Aber auch der Nachwuchs lebt gefährlich. Schon kurz nach der Geburt müssen die Fledermausmütter ihre Jungtiere immer wieder alleine zurücklassen, wenn sie zum Jagen ausfliegen. Häufig fallen die an der Decke hängenden Jungtiere dann runter, wenn sie sich nicht richtig festkrallen oder erste Flugübungen machen. Aus eigener Kraft schaffen sie es dann nicht mehr zurück. Spaziergänger, die solche Bruchpiloten in der Natur finden, können mit ganz einfachen Mitteln helfen. Man nehme: eine Schüssel, ein hohes Glas (oder eine Flasche) und eine Socke! Daraus lässt sich ein „Fledermaus-Rettungsturm“ bauen. Dazu stülpt man die Socke über die Flasche und stellt die Flasche in die Schüssel. Den Sockenturm platziert man mit Einbruch der Dämmerung in der Nähe des Fundortes auf eine erhöhte Position. Dann setzt man das Jungtier auf die Spitze des Sockenturms. An der Socke kann sich das Kleine festkrallen. Die Schüssel verhindert, dass es ausbüxst, weil es den glatten Rand nicht hochklettern kann.

Ein Fledermaus-Jungtier sitzt auf einer orangene Socke, die über eine Flasche gestülpt ist.

Verlassene Fledermaus-Jungtiere rufen ihre Mütter.

Ähnlich wie bei Menschen
Es wird nicht lange dauern, dann landet die Fledermausmutter auf dem Sockenturm. Sie animiert ihr Junges, sich an ihr festzukrallen und bringt es in Sicherheit. Die Mütter finden ihr Junges sehr schnell, weil verlassene Jungtiere nach ihrer Mutter rufen. Die sogenannten Verlassenheitslaute liegen im Ultraschallbereich.

Die Rufe erkennt die Mutter über große Entfernungen und hört sie aus anderen Geräuschen heraus, ähnlich wie auch wir Menschen die Stimme unserer Kinder aus einer Geräuschkulisse herausfiltern können. Der Turm und die erhöhte Position sind wichtig, weil die Mutter am Boden nicht gut landen und schlecht abheben kann, wenn sie mit dem Nachwuchs beladen ist. Sammelt die Mutter ihr Jungtier wider Erwarten nicht ein, sollte man nicht versuchen, es selbst aufzuziehen. Hilfe findet man in solchen Fällen bei Naturschutzverbänden, ehrenamtlichen Fledermausschützern.

Mutter hebt mit Jungtier am Bauch vom Sockenturm ab.

Fledermausmütter suchen verlorengegangene Jungtiere und bringen sie in Sicherheit.

Filmautor: Dirk Gilson

Stand: 25.06.2014, 14:00

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