Gene selbst steuern? Die fünf wichtigsten Fragen zu Epigenetik

3D-Grafik: DNA

Gene selbst steuern? Die fünf wichtigsten Fragen zu Epigenetik

1. Epi+Genetik – Was hat Epigenetik mit Genetik zu tun?

Collage: Schwangere mit Ultraschallbild eines Ungeborenen

Beides hat mit unseren Genen zu tun – wie der Name schon sagt. Genau genommen sind es aber zwei ganz unterschiedliche Dinge. Genetik bedeutet „Vererbungslehre“ – sie beschäftigt sich mit der DNA, unserem Erbgut, das sich im Laufe des Lebens im Prinzip nicht verändert. Bei der Epigenetik dagegen geht’s nicht um das Erbgut an sich – sondern wie es gesteuert wird. Und diese Steuerung ist variabel: Viele unserer Gene werden im Laufe des Lebens immer wieder an- oder abgeschaltet.

2. Wie werden Gene „gesteuert“?

3D-Grafik: Ablesemolekül wird an DNA-Faden angesetzt

Nicht alle Gene sind in jedem Moment unseres Lebens im Einsatz – jede Zelle benutzt immer nur die Gene, die sie gerade braucht. Dazu schaltet siebestimmte Gene zu bestimmten Zeiten an oder aus – wie einen Lichtschalter. Ein Beispiel: Wenn wir über einige Wochen viel Süßes essen, braucht der Körper mehr Insulin. Das Gen für Insulin wird jetzt also häufiger angeschaltet – und die Bauchspeicheldrüse kann mehr davon produzieren.

3. Können wir unsere Gene selber beeinflussen?

Läufer bindet Sportschuhe

Die Gene selbst nicht – aber bis zu einem gewissen Grad ihre Steuerung. Und zwar durch unsere Lebensweise. Beim Ausdauersport zum Beispiel verändern sich ganze 20 Prozent unserer Gene in ihrer Aktivität! Und das auch in Bereichen unseres Körpers, die für die positiven gesundheitlichen Effekte von Sport von Bedeutung sind, wie zum Beispiel Gene für den Kohlenhydrat-Stoffwechsel, für die Zellen des Muskelfaseraufbaus oder der Zuckerverbrennung. Die Epigenetik kann also auch erklären, warum Ausdauersport so gesundheitsfördernd ist. Es ist also wirklich so einfach wie es klingt: Mit Bewegung können wir ein genetisches Gesundheits-Programm aktivieren.

4. Können wir erworbene Eigenschaften vererben?

Zwei Mäuse im Käfig

Vermutlich ja – über die Steuerung der Gene. Wir vererben nämlich nicht nur Augenfarbe oder lockige Haare, sondern sehr wahrscheinlich auch erworbene Eigenschaften wie zum Beispiel Übergewicht. Durch Übergewicht verändert sich die Steuerung bestimmter Gene – und diese Information kann an unsere Nachkommen weitergegeben werden. Zumindest bei Mäusen ist das so. Im Tierversuch waren die Kinder übergewichtiger Maus-Eltern mit einer größeren Wahrscheinlichkeit selber dick – und auch anfälliger für Diabetes. Und das, obwohl sie genau das gleiche Erbgut haben wie schlanke Mäuse und in derselben Umwelt groß werden. Das bedeutet, die Mäuse haben eine Eigenschaft an ihre Nachkommen vererbt, die sie sich erst im Laufe ihres Lebens angefressen hatten. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass es bei Menschen ganz ähnlich ist.

5. Kann man mit Epigenetik Krebs heilen?

Nahaufnahme Infusion

Es gibt Medikamente, die in die Steuerung der Gene eingreifen und dadurch Krebszellen wirksam bekämpfen können. Nachweisbare Erfolge wurden bisher aber nur bei einer speziellen Blutkrebs-Art erzielt: bei der akuten myeloischen Leukämie. Die sogenannten „epigenetischen“ Medikamente helfen allerdings nicht jedem Patienten. Trotzdem sind Mediziner zuversichtlich, dass sie die Krebstherapie in Zukunft auch bei anderen Krebsarten verbessern könnten. Der große Vorteil: Epigenetische Wirkstoffe haben in der Regel deutlich weniger Nebenwirkungen als die konventionelle Chemotherapie.

Autorin: Ilka aus der Mark

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