Wir sind 18 Millionen - Und so ernähren wir uns

Wir sind 18 Millionen - Und so ernähren wir uns

Pro Tag gibt jeder NRW-Haushalt rund 9,50 Euro für Lebensmittel aus. Dabei mögen wir es gern deftig: Ein großer Teil des Budgets geht für Fleisch und Wurst drauf. Und in der Kantine greifen wir seit 20 Jahren am liebsten zu Currywurst mit Pommes. Doch gleichzeitig sind wir offen für Neues: ob vegan, Design-Food oder Gerichte aus aller Welt.

So ernähren wir uns – die Zahlen

Wir essen jeden Tag 120 Gramm Fleisch und Wurst – Männer doppelt so viel wie Frauen. Dazu 273 Gramm Milch und Käse. Zumindest statistisch. Noch nie hatten wir so viel Auswahl: Gemüse aus der Region oder Steaks aus Übersee, Bio oder Fast Food. Gutbürgerlich oder Vegan. Unsere Grafiken zeigen, was auf unseren Tellern landet.

Grafik Lebensmittel-Importländer Niederlande, Frankreich und Spanien

23.600 Tonnen Nahrungsmittel werden jeden Tag nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Hauptimporteur: die Niederlande. Von hier kommen unter anderem jeden Tag 230 Tonnen Käse – genug für zweieinhalb Millionen Pausenbrote. Auf Platz 2: Frankreich – vor allem mit Backwaren und 91.000 Litern Wein. Spanien ist Importland Nummer 3. Vorwiegend mit Gemüse: 1.100 Tonnen am Tag.

23.600 Tonnen Nahrungsmittel werden jeden Tag nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Hauptimporteur: die Niederlande. Von hier kommen unter anderem jeden Tag 230 Tonnen Käse – genug für zweieinhalb Millionen Pausenbrote. Auf Platz 2: Frankreich – vor allem mit Backwaren und 91.000 Litern Wein. Spanien ist Importland Nummer 3. Vorwiegend mit Gemüse: 1.100 Tonnen am Tag.

Nordrhein-Westfalen hat über 1,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, das ist fast die Hälfte des gesamten Landes – und mehr als die Fläche von Schleswig-Holstein. Auf Platz Nummer 1 beim Ackerbau ist Weizen mit fast 280.000 Hektar Anbaufläche – mehr als das ganze Saarland. Danach kommen Gerste und Mais. Nordrhein-Westfalen ist aber auch ein Land der Schweine: Mehr als 7 Millionen stehen hier in den Ställen.

70.000 Hektar der Landwirtschaftsfläche in Nordrhein-Westfalen entfielen im vergangenen Jahr auf Bio-Anbau. Das sind nur 4,8 Prozent. Im Vergleich: In ganz Deutschland lag der Anteil bei fast 6,5 Prozent. Allerdings: Die Zahl der Bio-Höfe in Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren mehr als vervierfacht: von 437 auf 1.850 im Jahr 2012. Seitdem geht der Trend leicht zurück. Nachfolger auf den Höfen fehlen und die Konkurrenz wächst – vor allem durch ausländische Anbieter, die Bio billiger produzieren können.

Mehr als 17 Millionen Nordrhein-Westfalen essen Fleisch. Dem gegenüber stehen 822.000 Vegetarier und Veganer. Damit hängen wir dem Trend in ganz Deutschland etwas hinterher. Allerdings fänden es laut einer Umfrage 37 Prozent der Menschen hier im Westen eigentlich besser, weniger Fleisch zu essen.

Die beliebtesten Kantinengerichte: Currywurst mit Pommes auf Platz 1 – und das unangefochten seit 20 Jahren. Gefolgt von Spaghetti Bolognese. Platz 3 belegt Gegrillter Seelachs auf Ratatouille-Gemüse, Platz 4 Jägerschnitzel mit Röstkartoffeln. Ach ja: Salat wird auch gegessen – von immerhin 3 Prozent der Mittagsgäste.

Wie isst der Westen?

Für die Dokumentationsreihe "Wir sind 18 Millionen" hat sich ein Team aus Filmemachern und Datenjournalisten die Frage gestellt: Wie isst der Westen? Sie haben Statistiken und eigene Studien ausgewertet, Einkaufskörbe verglichen und Food-Designer besucht. Sie waren zu Gast in Kantinen, auf dem Großmarkt und in Versuchsküchen. Dabei sind sie auf Zahlen gestoßen, die viel über unser Land und unsere Essgewohnheiten aussagen.

Currywurst

Lieblingsessen: Nach wie vor hält die Currywurst Platz 1 in der Kantinen-Bestsellerliste.

Herne und Remscheid müssen auf Diät

Die meisten Übergewichtigen leben in Remscheid und Herne: 60 Prozent der Erwachsenen haben hier zu viel auf den Rippen. Am schlanksten sind dagegen die Münsteraner: Statistisch gesehen hätten dort nur 40 Prozent eine Diät nötig. Immerhin: Von den 287 Euro, die jeder Haushalt hierzulande im Schnitt pro Monat fürs Essen ausgibt, entfallen knapp 53 Euro auf Obst, Gemüse und Kartoffeln – allerdings geben wir fast genauso viel für Fleisch und Wurst aus.

Frau in einem Gewächshaus mit Gemüse

Vom Feld auf den Tisch: Für Obst und Gemüse geben wir im Schnitt gut 50 Euro pro Monat aus – ebenso viel wie für Fleischwaren.

Selber kochen oder ab zum Italiener?

Kochen macht sexy: Das ist zumindest die Hoffnung von mehr als jedem zweiten Mann auf Partnersuche in NRW. Sie gaben bei Suchportalen an, dass sie gerne kochen. In Wirklichkeit kochen aber nur halb so viele regelmäßig in ihrer Freizeit. Und am Ende sind es die Frauen, die am längsten in der Küche stehen: 7,6 Stunden pro Woche. Männer bringen es nur auf 5 Stunden.

Junge Frau und ein Koch mit Kochtöpfen

Besser essen: Die Bochumerin Tine hat sich in ihrem Foodblog "POTT.lecker" auf regionales Essen spezialisiert.

Für Kochmuffel bietet Nordrhein-Westfalen üppige Auswahl: Es gibt Restaurants aus nahezu allen Regionen der Welt. Aber am besten schmeckt es uns immer noch beim Italiener. Für fast 4 Millionen Nordrhein Westfalen stehen Ristorante oder Pizzeria auf der Hitliste ganz oben. Auf Platz 2 und 3 kommen Asiaten und die Griechen. Die meisten italienischen Restaurants gibt es übrigens in Düsseldorf: 41 auf 100 000 Einwohner.

Kneipensterben

Während die Zahl der internationalen Restaurants und Bistros zunimmt, mussten in den letzten 20 Jahren fast 60 Prozent der klassischen Kneipen im Land schließen. Spitzenreiter dabei ist Hagen. Wenig besser ist die Lage in Solingen und Essen. Arbeitslosigkeit, geändertes Freizeitverhalten und Konkurrenz machen den kleinen Kneipen und Stammlokalen in NRW zunehmend das Überleben schwer.

Ein Film von Jasmin Lakatos und Michael Erler
Redaktion: Monika Pohl und Christiane Mausbach

Stand: 20.03.2017, 08:00

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